StartseiteRegionalUckermarkQR-Code statt Kreidestaub!  Duo will Kinder aber auch für Handwerk begeistern

Grundschule

QR-Code statt Kreidestaub!  Duo will Kinder aber auch für Handwerk begeistern

Prenzlau / Lesedauer: 4 min

Stephanie Jahn und Anke Roth, die das neue Leitungsteam der Pestalozzi-Schule bilden, verraten, wie sich Schule und Unterricht verändert haben und was sie noch vorhaben.
Veröffentlicht:09.02.2024, 18:05

Artikel teilen:

Die jüngste Sitzung des Bildungs- und Kulturausschusses im Prenzlauer Stadtrat ist etwas Besonderes gewesen - zumindest für Stefanie Jahn. Die 39-Jährige stellte sich offiziell den Stadtparlamentariern als neue Schulleiterin der Grundschule Johann Heinrich Pestalozzi vor.

Mit Beginn des Schuljahres 23/24 ist sie die neue Schulleiterin der Grundschule in Prenzlau geworden. Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Anke Roth managt sie jetzt die Einrichtung in der Winterfeldstraße. 

Chemie zwischen den Deutschlehrerinnen stimmt

Die beiden Wahl-Uckermärkerinnen wirken im Gespräch mit dem Uckermark Kurier wie ein harmonisches Team. Sie haben sich bei der Schulkonferenz kennengelernt, bei der entschieden wurde, dass Jahn den neuen Posten bekommt. Da war Anke Roth schon drei Jahre als stellvertretende Schulleiterin an der Pestalozzi-Schule, zuerst kommissarisch und schließlich richtig. Gleichwohl stimmte von Anfang an die Chemie zwischen den beiden, wie beide glaubhaft versichern.

Beide haben sich bewusst für Prenzlau und die Uckermark entschieden. Roth ist in Mecklenburg geboren, hat in Magdeburg noch zu DDR-Zeiten studiert und schließlich in Berlin als Lehrerin gearbeitet. Jahn dagegen ist gebürtige Berlinerin, ist in Brandenburg groß geworden und hat dann in Greifswald und Potsdam studiert. Beide haben ihre Erfahrungen in der Großstadt gemacht und wissen das Leben in der Kreisstadt zu schätzen.

Früher war nicht alles besser

Anke Roth erinnert sich: "Früher war es anders. Die Schülerschaft war homogener. Sie kam aus einem Einzugsgebiet und einem sozialen Milieu." Heute sei die Lage differenzierter, ergänzt Jahn, die im Aufbaustudium Schulmanagement in Potsdam studiert hat. Kümmerten sich früher die Eltern um das Lernen zu Hause, so habe sich das heute grundlegend geändert. Die Eltern hätten dafür keine Zeit mehr, sind sich Jahn und Roth einig.

Hier drückte Armin Müller-Stahl einst als Gymnasiast die Schulbank. Heute lernen hier Grundschüler mit ihrer neuen Schulleiterin.
Hier drückte Armin Müller-Stahl einst als Gymnasiast die Schulbank. Heute lernen hier Grundschüler mit ihrer neuen Schulleiterin. (Foto: Benedikt Dittrich)

Die Ausgangsvoraussetzungen haben sich stark verändert. Die Familien der Schülerinnen und Schüler kommen aus verschiedenen Ländern und Kulturen und haben ganz unterschiedliche Startbedingungen. Gleichzeitig wirkt sich auch die Medienvielfalt auf die jungen Menschen aus. Stefanie Jahn erklärt: "Die ganze Schulorganisation ist anders geworden. Man muss heute sehr flexibel sein."

Ein Vorteil der Pestalozzischule ist sicher die moderne Ausstattung mit Tablet-Computern und digitalen Tafeln. Mit einem Lächeln erzählt die 39-Jährige Jahn, wie sie vor kurzem im naturwissenschaftlichen Unterricht (NaWi) für eine Versuchsbeschreibung einen QR-Code generiert habe. Lachend beschreibt die Schulleiterin, die auch weiterhin Deutsch und NaWi unterrichtet, dass sie sich trotz aller Digitalisierung an den Anblick gewöhnen müsse, wenn auf einmal zwanzig Tablet-Computer auf sie gerichtet seien, um den QR-Code von der digitalen Tafel zu scannen.

Abwechslungsreicher Job

Das Aufgabengebiet für die Leitung einer Grundschule hat sich heute erheblich erweitert. Heute organisiert das Schulleitungsteam nicht nur den Unterricht der Schüler, die Verleihung der Tablet-Computer, die Stunden- und Vertretungspläne, Einsatzpläne und vieles mehr. Nein, Jahn und Roth müssen auch Quereinsteiger in den Lehrberuf integrieren. Aufgrund des Lehrermangels hat Brandenburg den Lehrberuf für Quer- oder Seiteneinsteiger geöffnet. Beide betonen, dass sie außerordentlich froh sind, diese neuen Kollegen zu haben.  Nicht nur die Schüler, sondern auch das Schulkollegium ist vielfältiger geworden.

Hatte man früher nur mehr oder minder pädagogisch geschulte Fachlehrer, müssen heute Geisteswissenschaftler oder bereits Berufstätige an den Kontakt mit jungen Menschen herangeführt werden. Oder wie die stellvertretende Schulleiterin und dreifache Oma Anke Roth sagt: „Schule lernt man erst kennen, wenn man drin ist.“

Kontakt zu Eltern vertiefen

Dabei wollen die Frauen ihren Schützlingen, ob jung oder schon älter, Mut machen, sich selbst zu vertrauen. Wenn dann, wie zu Beginn des Schuljahres, noch kein endgültiger Stundenplan in der ersten Woche erstellt werden kann, weil noch nicht feststeht, wer und wie viele als neue Kollegen kommen, dann hilft Humor und Teamgeist. Stefanie Jahn erklärt: "Es ist immer 'Working in Progress' und man muss wissen, wie lebe ich Schule."

Für die Zukunft möchte Stefanie Jahn den Kontakt zwischen Eltern, Förderverein und Schule noch vertiefen. Als Anke Roth von dem Elternstammtisch vor Corona berichtet, sind sich beide wieder einig, diesen wiederzubeleben.

Als positives Beispiel für den ehrenamtlichen Einsatz von Eltern, erzählen sie vom Vater eines Schulkindes, der in der Schulwerkstatt mit den Kindern einen Weihnachtsbaum aus Holz gebaut hat. Sie möchten gerne Handwerk in die Schule locken, um auch positive Anreize für praktische Arbeit zu setzen. Denn seit Werken und Handarbeit aus dem Lehrplan gefallen sind, haben Kinder nur noch selten in der Schule die Gelegenheit, sich bei praktischen Arbeiten auszuprobieren.

Fragen zulassen und Selbstwertgefühl stärken

Jahn, die auch einmal an einer Montessori-Schule gearbeitet hat, weiß, dass Kinder neugierig sind und viele Fragen stellen. Daraus hat sie schon manchen Versuch mit ihren Schülerinnen und Schülern entwickelt. Ihr Ziel: Kinder nicht künstlich ausbremsen, sondern Fragen zulassen und Stolz auf ihre Leistung vermitteln, damit diese ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Jeder ist eingeladen, sich mit einzubringen. Stefanie Jahn freut sich auf die Schulgemeinde der Grundschule Johann-Heinrich Pestalozzi.