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So retten Pleiten von anderen das Hausbauprojekt der Tochter

Uckermark / Lesedauer: 3 min

Des einen Freud' ist des anderen Leid. Häuslebauer machen diese Erfahrung jetzt, wie uns die Mutter einer Bauherrin verriet, die zu den Nutznießern gehört.
Veröffentlicht:02.02.2024, 18:07

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Die Tochter von Angelika Meyer* (Name geändert) hat vor vielen Jahren ein altes Bauernhaus auf dem Land gekauft. Das fast ruinöse Gebäude sei ein Schnäppchen gewesen, bezahlt vom letzten Ersparten, erzählt die Verkäuferin: "Schon damals stand fest, dass die jungen Leute bei der Sanierung auf die Unterstützung unserer Familie bauen können." Und so blieb es über die Jahre auch. Wann immer jemand in der Verwandtschaft Zeit hatte, fuhr er zum Helfen hinaus.

Baustoffe aufgekauft

Die besorgniserregende Entwicklung in der Baubranche schockierte die Besitzer der Immobilie deshalb weniger als befürchtet. Von den gestiegenen Baupreisen seien sie dank ihrer Do-it-yourself-Strategie nur punktuell betroffen gewesen, so die Mutter weiter.

Der Fakt, dass auch für Material seit geraumer Zeit viel mehr bezahlt werden muss, ärgerte sie nur punktuell, verrät Angelika Meyer*. "In jeder Krise gibt es schließlich Gewinner und Verlierer", deutete sie an. Von letzteren kauften ihre Tochter und deren Mann oft Baustoffe auf. Gemeint sind damit solche Bauherren, die sich ihr Projekt aus verschiedensten Gründen nicht mehr leisten können, aber schon Material gebunkert hatten und dieses nun inserieren. "Uns tut das irgendwie auch leid", ließ Angelika Meyer* wissen: "Ist ja ein bisschen wie 'Leichenfledderei'. Aber wenn wir es nicht nehmen würden, dann kämen halt andere. Und so bekommen die Betroffenen wenigstens noch ein bisschen Geld. Und neu gebaut wird aktuell ja eh kaum noch, wie wir der Zeitung entnommen haben."

Talfahrt hält an

Das stimmt, der Nordkurier hatte zu Monatsbeginn berichtet, dass Ökonomen und Baubranche 2024 eine anhaltende Talfahrt des Wohnungsbaus erwarten. Das Münchner Ifo-Institut schätzt laut dpa, dass 2024 lediglich 225.000 Wohnungen fertig gestellt werden könnten. "Pessimistisch sind auch die wichtigsten Branchenverbände: der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes", hieß es in der besagten Agenturmeldung. Ifo-Ökonom Ludwig Dorffmeister gehe, so der Nordkurier-Bericht von Anfang Januar weiter, nur noch von 70 000 Fertigstellungen von neuen Ein- und Zweifamilienhäusern für 2024 aus, das wäre nach 2009 ein neuer gesamtdeutscher Tiefstwert.

Keine Erholung erwartet

Dass sich der Wohnungsbau in den nächsten Jahren quasi von allein wieder erholt, erwartet laut dpa indes kaum jemand. „Ohne einen grundlegenden Wandel in der Wohnungsbaupolitik mit besseren Förderungs- und Abschreibungsbedingungen für die Hausbauer und einfacheren Bauvorgaben für die Branche sind 2025 dann selbst 200 000 Wohnungen nicht mehr machbar“, sagt Baugewerbe-Hauptgeschäftsführer Paklepp.

Ständiges Hin und Her

Was sind die Ursachen? Seit 2020 sind laut dpa sowohl die eigentlichen Baukosten als auch die Kreditzinsen erheblich angestiegen. Hinzu kommen das Hin und Her der vergangenen Jahre um die Förderprogramme des Bundes und die aktuellen Haushaltskürzungen der Ampel-Koalition. Auch ausufernde Bürokratie und stete Verschärfung der Bauvorschriften werden laut Agentur von Fachleuten genannt. 

Das junge Selfmade-Paar in der Uckermark ist rückblickend froh, keinen Kredit aufgenommen, sondern Stück für Stück gebaut zu haben, so die Mama: "So wie die beiden konnten, beziehungsweise wir als Familie.  Ohne Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins hätte es nicht funktioniert."