StartseiteRegionalUckermarkSo stellen sich Uckermärker die Zukunft für Urlauber und Einheimische vor

Tourismuskonzept

So stellen sich Uckermärker die Zukunft für Urlauber und Einheimische vor

Uckermark / Lesedauer: 3 min

Wie sollen Leben und Tourismus in der Uckermark 2027, 2029 oder 2034 aussehen? Dieser Frage sind Tourismusexperten nachgegangen.
Veröffentlicht:05.02.2024, 17:56

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Ausbau von Bus und Bahn, weniger Bürokratie, die Uckermark als Naturschule, vielleicht eine Tourismusakademie Uckermark, Gesundheitsregion Uckermark, mehr Vernetzung. All diese Wünsche und Ideen sind Thema, als es bei einem Auftakt-Workshop darum geht, ein  "wertebasiertes Tourismus- und Lebensraumkonzept" für die Uckermark zu entwickeln. Knapp 30 Vertreter von verschiedenen Organisationen, Vereinen und Unternehmen sind Einladung der Tourismus Marketing Uckermark GmbH (TMU) gefolgt. Sie wollen mitarbeiten, um den Erholungs- und Lebenswert der Region weiter zu steigern.

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Ausgangsposition ist gut

Bei der Bestandsaufnahme mit Workshop-Leiter Martin Balas von reCet, einer Kreativagentur und Nachhaltigkeitsberatung aus Eberswalde, wird deutlich: Die aktuelle Ausgangssituation ist gut. Aus dem Plenum fallen Begriffe wie Sehnsuchtsort, Leuchtturmregion, naturnah, Fahrradtourismus und eben auch "Toskana des Nordens". Wobei dieser Begriff Lachen hervorruft. Florian Profitlich vom Gutshof Kraatz bemerkt dazu, es wäre besser, wenn man so weit wäre, dass sich die Toskana "Uckermark Italiens" nennen wollte. 

Einig sind sich die Teilnehmer, dass die Region davon profitiert, dass es viele kleine Sehenswürdigkeiten, Rückzugsorte und Sehnsuchtsorte gibt und nicht einen großen Anziehungspunkt. Das erleichtert den naturverträglichen sanften und dezentralen Tourismus.

Ein weiterer Pluspunkt seien die vielen unterschiedlichen Veranstaltungen, die man in der grünen Uckermark erleben könne. Die Vielfalt ziehe viele Menschen besonders an. Generell herrschte der Konsens, dass wenn der Tourismus blüht, die Uckermark profitiert.

Hemmnisse erkannt

Allerdings kommt man auch überein, dass es Punkte gibt, die die Blüte des Wachstums hemmen. Die Tourismusexperten nennen bei der Stoffsammlung Fachkräftemangel, mangelhafte Finanzierung des Nahverkehrs bei gleichzeitig wachsendem Freizeitverkehr, ungeklärte Nachfolgen im Gastronomiebereich, die Überalterung der Region und auch die mangelnde Landschaftsplanung.

Früher habe man Anlagen in die Landschaft geplant, heute würden Anlagen einfach in hingestellt, wurde kritisiert. Gerade die Energiewende sei mit den Solarfeldern und Windrädern in den Tourismus eingebrochen. Als weiteres Problem nennt ein Teilnehmer das Erstarken der AfD. Er stellt die These auf, es würden weniger Urlauberkommen, wenn die AfD stark sei.

Tourismusexperten aus der gesamten Uckermark erörtern ein wertebasiertes Tourismus- und Lebensraumkonzept in den Räumen der Tourismus Marketing Uckermark GmbH
Tourismusexperten aus der gesamten Uckermark erörtern ein wertebasiertes Tourismus- und Lebensraumkonzept in den Räumen der Tourismus Marketing Uckermark GmbH (Foto: Harald Melzer)

TMU als Lotse und Helfer

Eine andere große Herausforderung bei neuen Projekten sei die Bürokratie, lautet ein weiterer Kritikpunkt. Habe man in den 2000er Jahren noch eine Seite für einen Antrag ausfüllen müssen, so sei dies heute ein ganzer Antragskatalog. Gerade bei EU-Fördermitteln sei der Arbeitsumfang exorbitant gestiegen. Dies könne man als Unternehmer gar nicht neben der Gästebetreuung und Geschäftsführung leisten. In diesem Zusammenhang loben mehrere Teilnehmer die TMU. Mit ihrer "Antragslyrik" sei sie ein Problemlöser und Helfer im Fördermitteldschungel.

Neue Ideen, um noch attraktiver zu werden

Im letzten Drittel geht es um Vorstellungen und Visionen, wie der Erholungs- und Lebensraum Uckermark in drei, fünf oder zehn Jahren aussehen könne und wie man dorthin kommen kann - es ist die Zeit für kreative Lösungen. Hier wird von einer transnationalen Region mit Stettin geträumt und von einer eigenen Tourismusakademie, um zu netzwerken und junge Menschen anzuziehen.  Ein Unternehmer möchte die Reiter als neue Zielgruppe des Tourismus gewinnen.  Der anwesende Kreistagspräsident Wolfgang Banditt begrüßt die Idee, weist aber auf die Nutzungskonflikte hin.

Eine Templiner Teilnehmerin bringt immer wieder den Gedanken des Gesundheitstourismus auf. Möglicherweise kannte sie schon das Gutachten, das der Gegend um Templin Wachstumsmöglichkeiten für diesen Bereich prophezeit. Es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass bei einer alternden Bundesbevölkerung der Bedarf an heimatnaher Erholung mit Gesundheitsanwendungen steigt.

Es sind viele gute Ideen im Raum. Jetzt muss ein Konzept erarbeitet werden. Die Anwesenden wollen das der TMU übertragen, die gleichzeitig auch die Umsetzung überprüfen soll. Ein Anfang ist gemacht.