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Einbahnstraße

Stinkefinger für „falsche“ Radler in Prenzlau

Prenzlau / Lesedauer: 3 min

Falsch herum durch die Einbahnstraße – das dürfen Radfahrer manchmal. Genau das scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben.
Veröffentlicht:03.09.2019, 15:23

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André Lewandowski ist oft mit dem Rad unterwegs. Nicht nur in seiner Freizeit tritt der 41-Jährige in die Pedale. Auch für den Weg ins Büro lässt der Prenzlauer das Auto häufig stehen. Um von „Agentur für Arbeit” in der Richard-Steinweg-Straße abends wieder heim zu gelangen, muss der Angestellte durch die Friedrichstraße fahren. Doch die Passage der Einkaufsmeile endet häufig mit wildem Schimpfen und Gestikulieren, wie der Kreisstädter beklagt. Die Reaktionen der Autofahrer reichten bis hin zum „Scheibenwischer“ an der Stirn, berichtet er dem Uckermark Kurier. Er beschreibt das Geschehen als „wirklich sehr aggressiv.” Aber was macht der Mann, das andere Menschen so auf die Palme bringt? Die Antwort ist schnell gegeben. In diesem Bereich ist seit einiger Zeit schon das Befahren der Einbahnstraße in „verkehrter” Richtung erlaubt.

Hinweis über den Uckermark Kurier

„Bei jeder meiner Fahrten dort werde ich von den Autofahrern teilweise wüst beschimpft, soeben erst passiert. Gebe es Ihrerseits eine Möglichkeit, die Prenzlauer Kraftfahrer darauf hinzuweisen, dass das gestattet und entsprechend ausgeschildert ist?” Mit dieser Bitte wandte sich unser Leser an die Redaktion. Vor Ort bestätigten mehrere Radfahrer, dass sie in der Regel böse Blicke, häufig aber sogar wütende Rufe und Zeichen ernten.

„Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass man das darf”, vermutet Carmen Gödke, die die Ausnahmeregelung gern nutzt. So komme man doch viel schneller durch die Innenstadt, sagt die 59-jährige Reinigungskraft. Sie sei in Prenzlau sehr gern mit dem Fahrrad unterwegs, versichert die Uckermärkerin. „Ansonsten ist die Stadt an sich ja auch schon fahrradfreundlich, und die Autofahrer mit wenigen Ausnahmen rücksichtsvoll”, resümiert ebenfalls André Lewandowski, nur in der Friedrichstraße eben nicht. Im Rathaus verweist man darauf, dass die verkehrsrechtliche Anordnung der entsprechenden Regelung bereits vor einem knappen Jahr erfolgt sei. „Man möchte doch annehmen, dass die Leute das schon mitbekommen haben”, sagt Pressesprecherin Alexandra Martinot mit Verweis auf die Schilder rechts und links der Fahrbahn.

Schilder weisen auf Rechte der Radfahrer hin

Direkt unter dem Einbahnstraßenschild ist hier der entsprechende Hinweis angebracht. Gemeckert wird offenbar trotzdem. Gerade das hatte man im September 2018 aber abstellen wollen. Damals war nämlich festgestellt worden, dass es in der City ein Problem gibt. Die Begründung der späteren Anordnung las sich wie folgt: „Die Führung der Fahrradfahrer in der Friedrichstraße ist unvollständig. Die Fußgängerzone ist für Radfahrer freigegeben, danach endet die Führung für den Fahrradverkehr. Fahrradfahrer müssten absteigen und den Gehweg benutzen. Deshalb soll in der Einbahnstraße der Fahrradverkehr in der Gegenrichtung zugelassen werden.” Für Autofahrer ist das doppelt heikel, denn „wenn eine Einbahnstraße mit einem Zusatzzeichen für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet wurde, müssen sie nicht nur im Verlauf der Einbahnstraße, sondern auch beim Einbiegen und beim Vorbeifahren auf Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung achten. Auch hier gilt nämlich, dass Vorfahrt hat, wer von rechts kommt”, sagt Roland Huhn, Rechtsreferent beim Bundesverband des ADFC.