StartseiteRegionalUckermarkSüßes Eis hat bitteren Beigeschmack

Billiglöhne kritisiert

Süßes Eis hat bitteren Beigeschmack

Prenzlau / Lesedauer: 2 min

Die Gewerkschaft beklagt: „Wer am Band steht oder im Lager arbeitet, muss jeden Euro dreimal umdrehen. An den Jobs ist nur das süß, was produziert wird.“ 
Veröffentlicht:11.06.2023, 05:18

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Eis geht immer — gerade jetzt, wenn es wärmer wird. Der Landkreis Uckermark lässt sich rund 950 400 Liter Eis pro Jahr schmecken, umgerechnet rund 13,6 Millionen Kugeln. Die Statistiker vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) haben den durchschnittlichen „Eis–Hunger“ ermittelt: 8,1 Liter Speiseeis konsumiert jeder — von jung bis alt. Das sind 116 Kugeln pro Kopf. „Was die Industrie nicht verrät: Sie produziert süßes Eis gerade mit einem bitteren Beigeschmack — jedenfalls für die Beschäftigten. Denn denen schmecken die Löhne schon lange nicht mehr“, sagt Sebastian Riesner von der Gewerkschaft Nahrung–Genuss–Gaststätten (NGG) dem Uckermark Kurier.

Kein Entgegenkommen

Das sei ein Problem der gesamten Branche, setzt er hinzu: „Wer in der Produktion am Band steht oder im Lager arbeitet, muss am Ende des Monats jeden Euro dreimal umdrehen. Gerade in den unteren Lohngruppen ist an den Jobs nur das süß, was produziert wird“, so der Geschäftsführer der NGG–Region Berlin–Brandenburg. Viele würden deshalb der Branche  den Rücken kehren. Trotzdem zeigten die Arbeitgeber keine Bereitschaft, mit einem angemessenen Lohnangebot zu reagieren.

Die NGG habe deshalb die Tarifverhandlungen vorerst abgebrochen: „Mit Peanuts lassen sich die Beschäftigten nicht abspeisen. Jetzt gibt es flächendeckende Warnstreiks. Der Juni wird zum ‚Streikmonat fürs Süße‘“, so Gewerkschafter Sebastian Riesner.

Prenzlau macht dicht

Die NGG will die hohen Preissteigerungen auffangen und fordert monatlich 500 Euro mehr für die unteren Lohngruppen. Alle übrigen sollen ein Lohn–Plus von 400 Euro bekommen. Für Azubis will die Gewerkschaft 200 Euro mehr im Monat erreichen. Ebenso ein „Ticket–Geld“ — eine monatliche Fahrtkostenpauschale von 50 Euro. Für die Uckermark kommt dieser Arbeitskampf indes ohnehin zu spät: Die Deutsches Milch Kontor GmbH (DMK) hat entschieden, zum Jahresende den Betrieb des Prenzlauer Eiskremwerkes ganz einzustellen. Betroffen sind 80 Fest– und eine große Anzahl Saisonarbeitsplätze.