StartseiteRegionalUckermarkWo Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam tanzen

Inklusion

Wo Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam tanzen

Templin / Lesedauer: 3 min

Jeder, der tanzen möchte, sollte die Möglichkeit dafür bekommen. Der Verein UMtanz hat sie mit einem inklusiven Projekt geschaffen.
Veröffentlicht:10.02.2024, 12:12

Artikel teilen:

Inklusion ist ein Thema, das auf dem Waldhof der Stephanus-Stiftung in Templin gelebte Praxis ist. So lernen in der Schule der Einrichtung seit vielen Jahren Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam im Klassenverband. Jetzt nutzten Kinder sowie Erwachsene, die dort in den Werkstätten arbeiten, die Gelegenheit, um gemeinsam zu tanzen.

Eltern und Großeltern mit dabei

Wer schon einmal öffentliche Veranstaltungen und Feste auf dem Waldhof besucht hat, der weiß, wie gern sich die Bewohner mit körperlichen und geistigen Behinderungen zum Takt der Musik bewegen. Sabrina Schmidt ist deshalb Yeri Anarika vom Verein UMtanz dankbar, dass sie ein Projekt aufgelegt hat, bei dem Ferienkinder und Beschäftigte der Werkstätten gemeinsam tanzen können. "Es war so schön anzusehen. Von den Kindern waren Eltern mit dabei, von manchen die Großeltern. Dazwischen unsere Beschäftigten aus den Werkstätten, teilweise im Rollstuhl. Alle hatten viel Freude", schwärmte die Mitarbeiterin im Begleitenden Dienst.

Tanz als Ausdruck der Gefühle

Unter ihnen war auch Michael, ein 34-jähriger junger Mann, der im Waldhof betreut wird, aber bei seinen Eltern lebt. Er gestand, dass er leidenschaftlich gern tanzt. Und dass er Yeri Anarika kennt. "Ich tanze bei UMtanz mit", erzählte Michael voller Stolz. Sogar bei einigen ihrer Shows habe er bereits mitwirken können. Für ihn war es daher selbstverständlich, dass er an Yeris Tanzprojekt im Waldhof teilnimmt.

So, wie auch die achtjährige Hannah. Sie kennt die Tänzerin und Tanzpädagogin ebenfalls, hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen Kindern eine Show einstudiert. Bei dem jüngsten Projekt im Waldhof gefiel ihr am besten, "dass ich frei tanzen konnte, so wie ich mich fühlte".  Hannah kann es kaum erwarten, dass im März der neue Kurs "Kreativer Kindertanz" startet. Dann will sie wieder mit dabei sein, verriet sie.

Angebot für Ferienkinder

Den Tanz - so wie die Musik oder den Gesang - als Angebot in Templin und der Region zu etablieren, gehört zu den Zielen des Vereins UMtanz. e.V.  Für einzelne Zielgruppen gibt es bereits Kurse und Workshops - kostenpflichtige, mit denen der Verein seine Kosten deckt, oder kostenlose, wenn es gelingt, Fördermittel dafür zu erhalten, so wie für das Projekt "TanzVisionen" für Kinder und Jugendliche. Ein Angebot für die gerade zu Ende gegangenen Winterferien, das von "ChanceTanz", einem Projekt des Vereins „Aktion Tanz - Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft e. V.“ im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesbildungsministeriums gefördert wurde.

Echte Inklusion

Dass es einen Bedarf gibt, ein gemeinsames Angebot für Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene mit und ohne Handicap zu unterbreiten, habe die Aktion auf dem Waldhof gezeigt. Circa 80 Beschäftigte der Werkstätten hatten dort nach kleinen Choreografien von Yeri Anarika getanzt, berichtete Sabrina Schmidt. 

Angesichts des Erfolgs möchte Yeri Anarika, Vorstandsmitglied im Verein, ein niedrigschwelliges Angebot verstetigen, das alle Generationen anspricht: Kinder und Jugendliche genauso wie Einheimische und ausländische Mitbürger, die eines gemeinsam haben: die Lust am Tanzen. "Das wäre echte Inklusion", sagte sie. Der Verein will deshalb versuchen, über die "Aktion Mensch" beziehungsweise über das sogenannte Erasmus-Programm Fördermittel zu erhalten.