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Bürgerinitiative

Uckermärker warnt vor Lärm durch Windräder

Crussow / Lesedauer: 3 min

Die Bundesregierung lässt wieder Abweichungen zu nächtlichen Geräuschwerten bei Windkraftanlagen zu. Das kritisiert auch ein Uckermärker. 
Veröffentlicht:06.11.2023, 07:57

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Die Bundesinitiative „Vernunftkraft“ hat die für den Winter erneut eingeführte Herabsenkung der Vorgaben zu Geräuschwerten von Windkraftanlagen verurteilt. Darüber informierte Rainer Ebeling, Uckermärker Vorstandsmitglied der Initiative, die sich nach eigenen Angaben für eine Energiepolitik einsetzt, die „das Wohlergehen der Menschen, die weitestgehende Schonung von Natur und Lebensraum und den Erhalt der wirtschaftlichen Basis in den Mittelpunkt rückt“.  Der Initiative gehören Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute verschiedener Sparten an.

Befristet mehr Lärm zulässig

Mit dem Paragrafen 31 k aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) sollen Abweichungen zu nächtlichen Geräuschwerten bei Windenergieanlagen, die nach der BImSchG vorgeschrieben sind, befristet möglich gemacht werden.

Betreiber von Windkraftanlagen könnten auf Antrag bis zum 15. April 2024 nachts die Leistung ihrer Anlage bis zu einem um vier Dezibel höheren Schallpegel gegenüber dem bisher genehmigten Wert steigern. Ziel des Bundes ist es, damit die Erhöhung der Strommenge von Windkraftanlagen zu ermöglichen, deren Betrieb ansonsten Beschränkungen unterworfen wäre. Der Bund hatte diese Möglichkeit im Rahmen seines Notfallplanes Gas eröffnet, um die Stromproduktion erhöhen und die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. „In der Praxis bedeutet dies leider in vielen Fällen, dass ein schallreduzierter Betrieb, wie er zum Lärmschutz der Anwohner verfügt wurde, außer Kraft gesetzt wird und die Anlagen ungedrosselt nachts durchlaufen“, erklärt Ebeling.

Bernau besonders betroffen

Ebeling nennt als Beispiel die Stadt Bernau, die von mehreren Windparks umgeben sei und wo Anlagen auf Antrag des Betreibers nun bis zum 15. April 2024 auch nachts durchlaufen werden. Das sei bei einer parlamentarischen Anfrage des Landtagsabgeordneten Peter Vida (BVB/Freie Wähler) herausgekommen. „Die ursprüngliche Genehmigung sah zum Schutz der Anwohner einen gedrosselten Betrieb vor“, so Rainer Ebeling. Auch bei Angermünde (Mürow und Pinnow) stünden lärmgedrosselte Anlagen, für die Betreiber theoretisch solche Anträge stellen könnten. Im letzten Winter sollen für 45 Anlagen in der Uckermark solche Ausnahmen erteilt worden sein, so Ebeling.

Für lärmsensible Menschen sei diese Inkraftsetzung des Paragraphen 31 k ein unhaltbarer Zustand, so Ebeling. Er bezweifelt, dass die Maßnahme Engpasssituationen in der Stromversorgung vermeiden könne, die im Winter vor allem bei Dunkelflauten auftreten würden. Wenn kaum Wind wehe, helfe es nicht, mehr Windkraftanlagen ungedrosselt betreiben zu lassen, da diese dann auch stillstehen dürften. Deshalb sei ein Eingriff in die Gesundheit der betroffenen Bürger nicht zu rechtfertigen. Die Bundesinitiative „Vernunftkraft“ fordere daher die unverzügliche und ersatzlose Außerkraftsetzung dieser Regelung.

Bürgerinitiative „Crussow lebenswert“

Rainer Ebeling gehört in seinem Heimatort Crussow einer Bürgerinitiative „Crussow lebenswert“, einem nicht eingetragenen Verein an, der einen Ausbaustopp für Windenergie fordert. „Wir sind ein Erholungsort und wollen nicht gänzlich von Windkraftanlagen umzingelt werden“, begründet der Uckermärker sein Engagement auch bei „Vernunftkraft“. Schon jetzt würden sich 13 Anlagen rund um Crussow drehen.