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Uckermärkische Heimatdichterin (90) erhält Medaille zum Wohle der Stadt Templin

Uckermark / Lesedauer: 3 min

Knapp 100 Gäste sind ins Templiner Museum für Stadtgeschichte gekommen, um der Mundartautorin Annemarie Giegler zum 90. Geburtstag die Ehre zu erweisen.
Veröffentlicht:11.02.2024, 11:11

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Langjährige Mitstreiter und Weggefährten wie Dr. Annegret Lindow von der Max-Lindow-Literaturgesellschaft, Doris Meinke vom Verein Platt in Brandenburg, Friedrich Ninnemann vom Mundartverein „Oadbeernest“ aus Prenzlau sowie Bernd Lubs vom Bund Niederdeutscher Autoren mit Sitz in Neubrandenburg ließen es sich nicht nehmen, mit persönlichen Grußworten der Heimatdichterin Annermarie Giegler zu ihrem 90. Geburtstag zu gratulieren. Das Templiner Museum bot am Sonnabend das passende Ambiente dazu. Für seine musikalischen (und noch dazu meist in plattdeutscher Mundart dargebrachten) Ständchen erhielt der Chor „Querbeat“ unter Leitung von Ulrike Strohfeldt viel Beifall.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Annette Nitschmann zeichnete Annemarie Giegler mit der „Medaille zum Wohle der Stadt Templin“ aus. Diese ist nach dem Ehrenbürgerrecht die höchste Auszeichnung, mit der die Stadt besonders verdiente Bürger ehrt. Eine weitere Anerkennung erhielt die Jubilarin mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Bund Niederdeutscher Autoren.

Foto mit Symbolkraft: Annemarie Giegler (vorn links) und Heimatdichterin Erna Taege-Röhnisch (vorn Mitte) stellten 1995 im MKC Templin mit ihren Mitstreitern vom Uckermärk’schen Heidstruk das Buch „Mundartliches aus der Uckermark“ vor.
Foto mit Symbolkraft: Annemarie Giegler (vorn links) und Heimatdichterin Erna Taege-Röhnisch (vorn Mitte) stellten 1995 im MKC Templin mit ihren Mitstreitern vom Uckermärk’schen Heidstruk das Buch „Mundartliches aus der Uckermark“ vor. (Foto: Uwe Werner/Archiv)

„Das Erste, was ein Menschenkind hört, ist die Sprache, es ist ganz gleich, ob in Indien, in Afrika oder hier in der Uckermark. Die ersten Worte, die ersten Laute, die ein Mensch hört, werden ihm vertraut. Der Klang bleibt im Ohr. So auch bei mir – unser Uckermärker Platt … Sprache ist ein Instrument, um Gefühle zum Ausdruck zu bringen, ein Mittel zur Verständigung untereinander“, sagte Annemarie Giegler in ihrer Rede. Sie zitierte den deutschen Philosophen und Schriftsteller Johann Gottfried Herder, der zur Sprache sagte: „Jede Sprache ist ein Schatz, der einen Teil des menschlichen Wissens, Denkens, Fühlens, Handelns und Glaubens enthält.“

Geboren wurde Annemarie Giegler am 8. Februar 1934 als Bauerntochter auf einem Ausbau bei Klaushagen. In ihrem Berufsleben arbeitete sie als Angestellte in der Sozialversicherung sowie als Ökonomin und Betriebsteilleiterin im VEB Kohlehandel.

Dackel Seppel brachte sie zum Schreiben

Zum Schreiben auf „Plattdütsch“ sei sie gekommen, als sie mit dem Eintritt ins Rentnerdasein 1991 die Geschichten ihres Dackels Seppel aufschreiben wollte, für die Kinder, und die Familiengeschichte „Jahre im Sturm“. Dabei fasste sie sich ein Herz und rief die Heimatdichterin Erna Taege-Röhnisch an, die ihr kurz darauf sagte: „Du kannst schrieben un Platt räden, warum schriewst Du dänn nicht Platt?“ Und sie lud Annemarie Giegler ein, zum „Heidstruk“ zu kommen.

2021 wurde Annemarie Giegler für ihr jahrelanges literarisches Engagement und ihren beispielhaften Einsatz für die Regionalsprache mit dem Max-Lindow-Preis geehrt. Für ihre Verdienste in den Bereichen Heimat- und Kulturpflege wurde sie im Dezember 2023 mit der Ehrenurkunde und der Anstecknadel des Landkreises Uckermark ausgezeichnet.

Unzählige Texte in Regionalsprache veröffentlicht

Annemarie Giegler setzt sich unermüdlich für den Uckermärk’schen Heidstruk ein, den Templiner Freundeskreis für Plattdeutsch. Sie verfasst seit vielen Jahren Texte in der Regionalsprache, die in Anthologien oder als eigenständige Werke veröffentlicht wurden. Und nicht zuletzt erscheinen unter der Rubrik „Ganz nebenbei“ regelmäßig mundartliche Beiträge von ihr im Uckermark Kurier. Als Autorin bereichert sie zudem den „Templiner Heimatkalender“.

Zusammen mit der Heimatdichterin Erna Taege-Röhnisch arbeitete sie von Beginn an im „Uckermärk’schen Heidstruk“ mit. Annemarie Giegler ist seit 1993 Mitglied im Bund Niederdeutscher Autoren.

Bis heute gestaltet sie Lesungen und literarisch-musikalische Veranstaltungen, die das heimische Uckerplatt lebendig halten. Maßgeblich beteiligt war sie bei der Gestaltung und Aufstellung der plattdeutschen Tafeln an der Kurmeile, die auf besondere Weise die niederdeutsche Sprache und ihre zeitgenössischen Dichter und Literaten aus der Region ins Auge der Öffentlichkeit rücken.

In der Volkshochschule begeistert sie Teilnehmer für das Uckermärker Platt und ermuntert sie, es auch selbst zu sprechen.