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Energiekrise

Union sammelt den Protest der Uckermark

Prenzlau / Lesedauer: 3 min

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion organisierte am Samstag eine Protestveranstaltung in Prenzlau. Rund 200 Teilnehmer – Unternehmer, Politiker und Bürger – kamen auf den Marktberg.
Veröffentlicht:08.10.2022, 20:55

Von:
  • Oliver Hauck
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Landrätin Karina Dörk (CDU) sprach auf dem Podium erneut die verfahrene und verzweifelte Situation des PCK in Schwedt an. Baudezernent Dr. Andreas Heinrich sagte, es sei nicht zu verstehen, dass unser Land „einen selbstmörderischen Kurs der Deindustrialisierung und der Wirtschaftsvernichtung fährt”. Im Namen der Stadt versicherte er, dass die Verwaltung und ihre beiden Töchterunternehmen, Stadtwerke und Wohnbau GmbH, in dieser schweren Zeit an der Seite der Bürger stehen.

Viele zahlen nur noch in Raten

Gabriele Manteufel, Inhaberin der OderGas in Schwedt, versorgt 2500 Haushalte mit Flüssiggas, einem Abspaltprodukt aus Erdöl, das über die Druschba-Pipeline in Schwedt angeliefert wird. Bei einer Veranstaltung in Schwedt hatte sie feststellen müssen, dass der grüne Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Michael Kellner, den Unterschied zwischen Erdgas und Flüssiggas nicht kennt. Sie berichtete, dass viele ihrer Kunden nur noch in Raten zahlen könnten. „Wie kann ich in Ländern wie Saudi-Arabien und Katar um Öl betteln, die Menschenrechte mit den Füßen treten”, fragte sie.

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Darüber wunderte sich auch Steffen Knauthe, Inhaber der Werbedruckerei SKDiamond in Schwedt. Und darüber, dass an diesem Vormittag keiner der uckermärkischen Bundestagsabgeordneten auf dem Marktberg erschienen war. Seine monatlichen Energiekosten seien von 120 auf 540 Euro monatlich gestiegen. Man werde Putin nicht mit einem Ölboykott in die Knie zwingen.

Ellen Fährmann, Leiterin eines Pflegesachverständigenbüros in Angermünde, sagte, die Bundesregierung mache Schulden, an denen noch die Enkel zu tragen hätten. Sie schilderte die Verzweiflung von Senioren, die ihre Rechnung nicht mehr bezahlen können. Pflegedienste und Einrichtungen blieben auf ihren Mehrkosten für Energie sitzen.

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Architekt Hellmuth Picht erntete Applaus für seine Forderung nach dem Rücktritt der „Gurkentruppe in Berlin”. Es sei eine Übergangsregierung aus Experten zu bilden und Neuwahlen anzusetzen. Die gegenwärtige Regierung sei vor Gericht zu stellen. Weiter forderte er die Aufklärung der Sabotageakte an den NordStream-Pipelines.

Keine Antwort auf Briefe

Die Kreishandwerkerschaft wurde vertreten durch Geschäftsführerin Katrin Grothe sowie Kreishandwerks- und Bäckermeister Klaus Schreiber. Sie beklagten die gestiegenen Kosten überall im Handwerk. Auf ihren offenen Brief an die Landesregierung, Wirtschaftsminister Habeck und Bundeskanzler Scholz hätten sie nie eine Antwort erhalten.

Der Brief hier: Uckermärker Handwerker kritisieren Russlandpolitik des Bundes

Unter den Besuchern der Veranstaltung auch Zahnärztin Dr. Judith Schmitz und Steffen Trost, Vorstandsmitglied der VR-Bank. „Viele haben noch nicht begriffen, dass es uns bald sehr viel schlechter gehen wird, wenn wir nichts verändern. Die gegenwärtige Bundesregierung ruiniert unsere Wirtschaft”, sagen die Beiden. Sie befürchten auch den Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhaltes und Engagements, wenn vermehrt Menschen um ihre Existenz kämpfen müssten.

Robert Muchow und Thomas Liermann sind in der Landwirtschaft tätig. Muchow als Landwirt und Abteilungsleiter bei der Agrarprodukte Dedelow GmbH, Liermann als Landhändler bei Agravis Ost. Beide berichten über die Unsicherheit, die sich in der Branche ausgebreitet hat. Aufgrund der ständig neuen Öko-Gesetze sei Planung kaum noch möglich. Gegenwärtig seien Produkte wie Dünger und Treibstoffzusätze kaum erhältlich oder für Landwirte unbezahlbar, weil ihre Herstellung sehr energieintensiv sei.