Vortrag zu Russland

Vermesser blickt in die Geschichte zurück

Prenzlau / Lesedauer: 4 min

Die Angehörigen des Traditionsvereins der Prenzlauer Vermessungseinheit 2 treffen sich jeden Monat. Diesmal gab es einen Gast, der über Russland sprach.
Veröffentlicht:03.03.2022, 17:47
Aktualisiert:03.03.2022, 17:50

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Robby Scholz kennt Russland wie seine Westentasche. Vor 40 Jahren hatte es den ehemaligen Geschäftsführer der Prenzlauer Firma GeoTec erstmals zum Studium dorthin verschlagen. An die Zeit in St. Petersburg denkt der Vermessungsingenieur bis heute gern zurück. Sie habe ihn geprägt und ihm gleichzeitig das Rüstzeug für seine spätere Karriere beschert. Erst vor einem Monat weilte der heute 60-Jährige abermals in St. Petersburg. Der Honorarprofessor der Hochschule Neubrandenburg nahm an einer Konferenz aus Anlass des „200. Jahrestages des Topographischen Dienstes“ teil. Als der Experte für Geodäsie am 11. Februar 2022 wieder in Richtung Heimat flog, war an Krieg noch nicht zu denken, ließ er am Mittwochabend bei einem Vortrag in Prenzlau wissen. Sein vorher anberaumtes Referat in der Gaststätte „Zur Fischerstraße” habe deshalb auch keinen aktuellen Hintergrund, stellte der Fachmann vorab klar.

+++ Brisanter Russland-Talk im Medienturm +++

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Er nahm an diesem Abend bewusst keinen Bezug zum momentanen Geschehen, sondern betonte den historischen Hintergrund seines Themas. Nichtsdestotrotz bat Robby Scholz die Anwesenden zu Beginn des Abends, einen Moment inne zu halten und dem Leid der Menschen in der Ukraine zu gedenken: „Wir leben in einer sehr schwierigen Zeit. Es ist keine friedliche Zeit. Alles, was derzeit passiert, ist nicht zum Wohle der Menschen.” Dann begann er mit seinem Exkurs in die Geschichte, der um ein Haar auf den Tag der Nationalen Volksarmee gefallen wäre. Diesen beging die DDR stets am 1. März. Doch weil das Datum 2022 auf einen Dienstag fiel und das Lokal, wo sich die Angehörigen des Traditionsvereins der Prenzlauer Vermessungseinheit 2 einmal monatlich treffen, coronabedingt Schließtag hat, war man auf den Mittwochabend ausgewichen.

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Robby Scholz würdigte seine ehemalige Einheit mit dem Hinweis, dass sie nach Einschätzung österreichischer Militärhistoriker einen hervorragenden fachlichen Ruf weit über Prenzlau und die DDR hinaus gehabt hat. Scholz war einer der Offiziere, die in Russland studierten. Aber die Tradition der ausländischen Studenten gab es dort schon länger, resümierte der Redner: „2021 wurde in St. Petersburg der 75. Jahrestag der Ausländerausbildung begangen. Zu meiner Zeit waren wir dort 100 Ausländer aus 13 Nationen. Mittlerweile liegt die Zahl bei 300 Studenten aus über 30 Ländern, was den hohen Stellenwert und die Qualität der dortigen Lehre unterstreicht.„Für sein Referat blickte Robby Scholz dann ganze 200 Jahre zurück – auf die Zeit nach dem Sieg über die napoleonische Fremdherrschaft. Die Russen hätten damals viele Schlachten verloren, weil das Heer so altmodisch aufgestellt war. Es fehlten beispielsweise topographische Karten zur besseren Planung und Orientierung. Anfang des 19. Jahrhunderts habe es dann eine fast 60-jährige Periode des Friedens gegeben, in der die Länder Europas die Chance nutzten, sich zusammenzutun und an einem Strang zu ziehen.

Akademiker angelockt

„Es war die Zeit der Industrialisierung, für die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden musste. Es war nötig, neue Herangehensweisen zu entwickeln und moderne Messgeräte und Messverfahren zu entwickeln, um auf mathematische Weise die Gestalt der Erde zu bestimmen.” In der Folge seien riesige Kartenwerke entstanden. Bereits Zar Peter I. hatte begonnen, ausländische Spezialisten nach Russland zu holen; nicht nur Militärs, sondern auch Ärzte, Wissenschaftler... In dieser Zeit entstand unter Leitung deutscher Geodäten dann auch der militärtopographische Dienst.

Kommunikation nicht abbrechen

Robby Scholz stellte im weiteren Verlauf des Abends die Festschrift vor, in welcher die Verdienste dieser Experten gewürdigt wurden. Das Buch wird Eingang finden in das neu entstehende Museum für Militärtopographie, ebenso wie eine Spezialkarte Russlands aus dem Jahr 1837, die Robby Scholz mit seinem kürzlich verstorbenen Geschäftspartner Michael Gröning in Graz erworben und nun der Stadt St. Petersburg übergeben hat. Man wolle mit diesen Initiativen an diese historischen Ereignisse erinnern und gleichzeitg Zeichen setzen, um die Kommunikation zwischen den Menschen nicht gänzlich abbrechen zu lassen.

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