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Kirchenmusik

Verschenkte Orgel aus der Uckermark auf dem Weg nach MV

Templin / Lesedauer: 3 min

Eine Templiner Kirchengemeinde hat sich von ihrer alten Orgel getrennt. Ein Fachmann holte die wertvolle Fracht jetzt ab.
Veröffentlicht:31.01.2024, 15:54

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„Kirchengemeinde will Orgel verschenken“, titelte der Uckermark Kurier im November 2023. Die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Templin war auf der Suche nach einem neuen Besitzer für ein altes, wertvolles und renovierungsbedürftiges Instrument. Erbaut worden war es 1870 von August Ferdinand Wäldner aus Halle/Saale für die Dorfkirche in Trebitz bei Wittenberg. Mit elf klingenden Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.

Sogar aus Ungarn kam eine Anfrage

„Über die Reaktion auf diesen Beitrag haben wir uns sehr gefreut“, so Gemeindeleiter Manfred Chrzon. Es habe gleich mehrere Anfragen gegeben. Unter anderem aus dem Orgelmuseum in Malchow, von Kirchengemeinden aus dem Fläming, aus Nordrhein-Westfalen und Thüringen, aus dem Evangelischen Kirchenkreis Pommern der Nordkirche und sogar aus Ungarn.

Einige Interessenten seien wieder abgesprungen. Die Gemeindeleitung habe sich nach Rücksprache mit dem Orgelsachverständigen Stefan Zeitz entschieden, dass die Wäldner-Orgel aus Templin in den Evangelischen Kirchenkreis Pommern der Nordkirche gehen soll, berichtete Manfred Chrzon.

Einzelteile werden eingelagert

Andreas Arnold, Inhaber der Firma Mecklenburger Orgelbau in Plau am See, hat jetzt das vor drei Jahren abgebaute Instrument zusammen mit seinem Mitarbeiter Jan Grewe abgeholt. „Im Auftrag von Stefan Zeitz werden wir die Einzelteile eine Zeit lang bei uns einlagern. Welche Kirchengemeinde das Instrument bekommen wird, steht noch nicht fest. Infrage kommen drei“, erklärte der Orgelbaumeister.

Die Einzelteile der Orgel waren hier nach dem Abbau zwischengelagert worden.
Die Einzelteile der Orgel waren hier nach dem Abbau zwischengelagert worden. (Foto: Michaela Kumkar)

Für die Mitglieder der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Templin geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Im Zuge der umfassenden Sanierung und Umgestaltung des Saales sowie des Gebäudes der Kirche hatte die Gemeinde eine neue elektronische Orgel angeschafft. „Anders als bei den evangelischen Landeskirchen spielt die Orgel bei uns eine eher untergeordnete Rolle“, begründete Pastor Manfred Frank damals diese Entscheidung. „Die Musik in unseren Gottesdiensten geschieht durch zeitgenössische Instrumente.“

Gelten bei Kennern als Kleinode

Die Orgel werde eher als Kulturgut gesehen und erklinge hin und wieder bei besonderen Anlässen oder bei Konzerten.“ Man hoffe deshalb, dass sie anderenorts wieder zu hören sein werde. Wäldner-Orgeln gelten bei Kennern romantischer Orgeln als Kleinode.

Bevor Andreas Arnold und Jan Grewe die Orgelteile in einen Kleintransporter verluden, erfuhren sie von Manfred Chrzon, dass sich das Instrument seit 1982 in Templin befand. Die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Templin habe es damals von der Evangelischen Kirchgemeinde Trebitz bei Wittenberg gekauft. „Dadurch wurde die Orgel davor bewahrt, auch Opfer eines Tagebaues zu werden. Jetzt sind wir dankbar, dass sie wieder in gute Hände kommt.“

Gemeindeleiter Manfred Chrzon (links) zeigte Orgelbaumeister Andreas Arnold die neue elektronische Orgel, die die Gemeinde angeschafft hat.
Gemeindeleiter Manfred Chrzon (links) zeigte Orgelbaumeister Andreas Arnold die neue elektronische Orgel, die die Gemeinde angeschafft hat. (Foto: Michaela Kumkar)

Für Andreas Arnold war es nicht der erste Transport mit besonderer Fracht. „Sieben bis acht Instrumente, die in einer anderen Kirche erklingen beziehungsweise es sollen, haben wir schon abgeholt.“ Was die Wäldner-Orgel angehe, so wolle er sich beim Ausladen einen Überblick über den Zustand des Instrumentes verschaffen und ein Angebot für die Restaurierung unterbreiten. Man werde dann sehen, wie die Gemeinde, die das Instrument bekommt, damit umgeht.

Für den Orgelbaumeister aus Plau am See war dies übrigens nicht der erste Besuch in Templin. „Ich war am 1. April 1984 schon einmal hier. Damals wurde mein Gesellenstück, eine Windlade, in der Orgel der katholischen Herz-Jesu-Kirche verbaut.“