StartseiteRegionalUckermarkWirt schließt Gasthof bei Prenzlau

„Hilfe, wir haben kein Personal mehr”

Wirt schließt Gasthof bei Prenzlau

Uckermark / Lesedauer: 3 min

Sieben Jahre nach Eröffnung gehen in Nechlin die Türen zu. Den Restaurantbetrieb könne er mit der Belegschaft nicht mehr absichern, so Andreas Krieser.
Veröffentlicht:26.08.2022, 08:47

Artikel teilen:

Andreas Krieser hat sein Restaurant in Nechlin dichtgemacht. Als Hauptgrund für die Schließung des Gasthofes benennt der Uckermärker die immer größer werdende Personalnot in der Region. „Es ist kein Ende in Sicht“, bilanzierte der Unternehmer in dieser Woche: „Wir sehen aktuell leider keinen anderen Ausweg, als die ‚Alte Brennerei‘ zuzuschließen.“ Reguläre Öffnungszeiten – zuletzt von mittwochs bis samstags – seien nicht mehr abzusichern mit den verbliebenen zwölf Kollegen. In Hoch-Zeiten standen hier 18 Frauen und Männer in Lohn und Brot. Das beste Konzept einer Gaststätte nütze nichts, wenn nicht genug Mitarbeiter am Start seien, um es umzusetzen, erklärte der Wirt auf Nachfrage des Uckermark Kurier.

+++ Uckermärker Speicher-Wirt bringt Bräute zum Weinen +++

In der Vergangenheit habe er viele Alternativen ausprobiert, um den finalen Schritt abzuwenden; angefangen von der Verkleinerung der Speisekarte über verkürzte Öffnungszeiten und Ruhetage bis hin zur Minimierung der Platzanzahl, betonte Andreas Krieser: „Doch all das konnte den Flächenbrand, wenn überhaupt, nur oberflächlich löschen. Um ein gepflegtes Gastronomieangebot an den Gast bringen zu können, braucht es mehr als nur Räumlichkeiten und eine hochwertige Ausstattung. Einen versierten Kellner kann man sich leider nicht einfach eben per Mausklick im Internet bestellen.“ Fakt sei, dass die Gäste bei guten Gerichten zu fairen Preisen automatisch kämen, „aber wo gibt es noch Personal?“

Amt schickt keine Leute

Alle Versuche, mit Hilfe der Arbeitsagentur und des Jobcenters die Lücken zu schließen, seien gescheitert. Von den wenigen Interessenten, die kamen, hätten die meisten entweder unangemessene Lohnvorstellungen gehabt oder aber keine Bereitschaft gezeigt, an den Abenden, Wochenenden und Feiertagen zu kommen. „Gastronomie und Hotellerie sind nicht familienfreundlich. Das kann man nicht wegdiskutieren. Doch vor allem die jungen Leute verlangen genau das.“

Kollegen nicht verschleißen

Seine verbliebenen Kollegen wolle er auf keinen Fall verschleißen, bekräftigte der Firmenchef im Interview. Der 37-Jährige versichert, dass er diese brauche, um weiterhin den Pensionsbetrieb mit 15 Zimmern und die Ausrichtung von Hochzeiten und Feiern im „Speicher“ abzusichern. Hier kämen dann auch Pauschalkräfte auf Zuverdienstbasis zum Einsatz, die leichter zu engagieren seien.

Lesen Sie auch: Gute Nachricht für Ü 30-Tanzmäuse in der Uckermark

Das Stammpersonal trägt wiederum Verantwortung für die sich gut entwickelnde Sparte „Essen auf Rädern“ und die Mittagsversorgung von Schulen und Kitas. „Das alles wird es wie unsere großen Veranstaltungen weiterhin in vollem Umfang geben“, manifestierte Andreas Krieser am Donnerstag. Nicht in den Kopf wolle ihm, woher diese Personalnot plötzlich rühre, setzte er abschließend hinzu: „Ich sehe da teilweise auch ganz klar mangelnde Bereitschaft, überhaupt zu arbeiten.“ Die „Alte Brennerei“ ist nach dem „Hof Kokurin“ in Naugarten nun schon das zweite Lokal, das wegen fehlender Mitarbeiter seinen Betrieb einstellen musste, der Uckermark Kurier berichtete.

Telefon: 039740 299792