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Wolfsangriff

Wölfe sollen gesamte Hirsch-Zucht gerissen haben

Klein Ziethen / Lesedauer: 2 min

Sie hatten bereits Verluste durch den Wolf zu beklagen, sagen die Züchter. Nun sind alle Hirsche tot. Die Frau hat Angst, mit ihrem Hund im Wald zu spazieren.
Veröffentlicht:23.01.2024, 11:57

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Das war es jetzt erst einmal! Mario und Michaela Woelk haben in der Nacht von Sonntag auf Montag eigenen Angaben zufolge auch ihre letzten sechs Sika-Hirsche durch den Wolf verloren. Das Ehepaar betreibt gegenüber ihrem Wohnhaus in Klein Ziethen bei Angermünde (Uckermark) einen kleinen Pferdehof. Direkt daneben ist die Weide mit den Sikas.

Lautes Krähengeschrei kündigt Unheil an

Einen schlechteren Wochenbeginn konnten beide sich nicht vorstellen. Als Michaela Woelk gegen 8 Uhr von ihrem Wohnhaus über die Straße ging, war die Welt noch in Ordnung. „Ich versorgte die Pferde und wurde stutzig über das laute Geschrei der Krähen und Raben. Mit einer bösen Vorahnung blickte ich auf die Sika-Weide“, berichtet sie. „Als ich kein Sika-Hirsch über die Weide laufen sah, war mir sofort klar, die Wölfe haben erneut zugeschlagen.“

Wenig später sah Woelk das Massaker der Wölfe. Bei drei Sika-Hirschen wurde der Körper aufgerissen, eins wurde gar durch den Zaun nach draußen auf eine andere Wiese gezerrt, und die restlichen drei wurden einfach nur getötet. Eines der Tiere war tragend, dass Embryo wurde der Kuh förmlich aus dem Laib gerissen.

Mario und Michaela Woelk waren bereits beim ersten Wolfsangriff fassungslos.
Mario und Michaela Woelk waren bereits beim ersten Wolfsangriff fassungslos. (Foto: Kai Horstmann)

Mitte Oktober hatten die Wölfe nach Schilderungen des Ehepaares Woelk das erste Mal zugeschlagen, töteten 15 Sika-Hirsche, obwohl mehrere Häuser an die Weide angrenzen. „Darauf beantragten wir Fördermittel, um mit Elektrozäunen unsere Weiden zu sichern“, sagt Michaela Woelk. „Doch die Wölfe waren schneller. Vor etwa drei Wochen töteten sie den Zuchthirsch, eine Zuchtkuh und einen weiteren Sika.“

Vor Angst nicht mehr mit Hund im Wald unterwegs

Nun geht bei Michaela Woelk richtig die Angst umher. Mit ihrem Labrador Elsa traut sie sich schon gar nicht mehr, in eines der umliegenden Waldgebiete zu gehen. Verstärkt wird die Angst dadurch, dass ein Waldfachmann ihr sagte, dass es im Umkreis von zehn Kilometern um Klein Ziethen herum drei Wolfsrudel gibt. „Ich kann das nicht verstehen“, schimpft Michaela Woelk. „Alle Tierarten werden reglementiert, nur der Wolf nicht.“

Kommen jetzt nach den Sika-Hirschen die Pferde dran? Damit würden die Woelks ihre Lebensgrundlage verlieren, weshalb sie ihre Pferde mit aller Macht schützen wollen. Dabei hoffen sie auf eine schnelle Zusage für den Förderbescheid, auch wenn keiner der Sika-Hirsche mehr lebt.

Zugleich stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch einmal mit der Sika-Zucht von vorn beginnt sollte. Eine Frage, die beide Anfang dieser Woche unter der Last der Ereignisse nicht beantworten konnten. „Wir brauchen jetzt die Geldmittel, um unsere Weiden zu sichern. Da spielt es keine Rolle, welche Tiere darauf weiden“, fordert Michaela Woelk. „Ich bin nicht generell gegen den Wolf. Aber jetzt ist die Politik gefragt. Bei so vielen Wölfen im Umkreis von Klein Ziethen muss den Jägern endlich erlaubt werden, deren Bestand zu reduzieren.“