StartseiteRegionalUckermarkWolf schleicht nachts zu Familien in Naugarten und Wilhelmshof

Schafe gerissen

Wolf schleicht nachts zu Familien in Naugarten und Wilhelmshof

Naugarten / Lesedauer: 4 min

In der vergangenen Woche wurden drei Lämmer in Naugarten und Wilhelmshof gerissen. Doch trotz hohem Schutzzaun: Die Besitzer bleiben wohl auf den Kosten sitzen.
Veröffentlicht:14.09.2022, 18:27

Artikel teilen:

Als Ronald Mante am Freitagmorgen um kurz vor 6 Uhr seine Morgenrunde machte und nach den zwei Schafen auf der Wiese hinter dem Haus schaute, wunderte er sich, dass beide Tiere im Gras lagen. „Als ich näher kam, sah ich die Bescherung: Der Bock wies den klassischen Kehlbiss auf, die tragende Zibbe lag etwas weiter entfernt und war teilweise schon aufgefressen.“ Kein schöner Anblick für den Familienvater. Der 39-Jährige entsorgte die Schafe sogleich, denn die Kinder im Alter von drei, zehn und zwölf Jahren sollten ihre geliebten Haustiere in guter Erinnerung behalten. „Wir haben sie im Mai als Lämmer bekommen, und sie waren mittlerweile handzahm. Unsere Jüngste saß auf der Wiese und hat sie gefüttert“, erzählte der Naugartener wehmütig.

+++ Nandu in Passow wohl von Wolf getötet +++

Verwundert ist Ronald Mante darüber, wie der Wolf – einen solchen vermutet er als Übeltäter, ob es tatsächlich einer war, ist nicht offiziell bestätigt – in den gesicherten Bereich gekommen ist. Das Gelände ist mit einem elektrischen Weidezaun von 1,20 Meter beziehungsweise Wildschutzzaun von 1,50 Metern Höhe in Richtung Acker gesichert. Von befreundeten Jägern weiß Mante aber inzwischen, dass ein Wolf diese Höhen überwinden kann.

Gemeldet habe der Naugartener den Vorfall nicht, wie das Landesamt für Umwelt in Potsdam mitteilte. Allerdings habe es am Sonnabend eine Meldung aus dem benachbarten Wilhelmshof gegeben. Dort hatten ein oder mehrere Wölfe ein Soaylamm gerissen. Betroffen ist Torsten Kautz, der acht Schafe hält. „Ich gehe von mindestens zwei Wölfen aus, denn es fehlten acht bis zehn Kilogramm Fleisch. Meine Hunde haben, Luftlinie rund 50 Meter entfernt, nichts mitbekommen“, so der Inhaber einer Tierfutterhandlung. Er erinnert sich, dass er sein Pferd, das mit den Schafen die Koppel teilt, gegen 1.30 Uhr gehört, dem aber nichts beigemessen hat. „Ich bin ja nicht davon ausgegangen, dass dort ein Wolf sein Unwesen treibt ...“

Lesen Sie auch: Wolf hat tragendes Mutterschaf gerissen

Kautz wird die finanziellen Konsequenzen wohl oder übel allein tragen müssen, denn obwohl er den nächtlichen Vorfall gemeldet, und ein Rissexperte vor Ort seine Annahme bestätigt hat, wird er keine Entschädigung für das tote Tier bekommen. Der 1,40 Meter hohe Wildzaun, der mit einer Stromlitze gesichert gewesen ist, hätte, so wurde Kautz vom Landesumweltamt mitgeteilt, noch besser verbaut sein müssen. „Ich hätte ihn 50 Zentimeter in den Boden buddeln und noch zwei bis drei Stromlitzen anbringen müssen“, gibt er die Antwort der Behörde wieder. Für einen Hobbytierhalter sei das kaum bezahlbar und völlig realitätsfern, sagt er.

Laut Landesumweltamt wurde im Raum Naugarten noch kein Wolfsrudel nachgewiesen, man gehe eher von durchwandernden Einzelwölfen aus. „Da sich Wildtiere – und damit auch Wölfe – nicht zählen lassen, können keine genauen Bestandszahlen von Wölfen in der Uckermark angegeben werden. Im gesamten Landkreis sind im Wolfsjahr 2020/2021 keine residenten Rudel nachgewiesen worden. Im Süden grenzen die Rudel Parstein-Oderberg und Groß Schönebeck an die Uckermark, im Norden gibt es mehrere Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern. In der Tangersdorfer Heide war der Territoriumsstatus im vergangenen Wolfsjahr unklar (keine Reproduktion)“, so Pressereferentin Wiebke Theuer-Glamann.

Ebenfalls interessant: Verdacht bestätigt – Wolf tötete fast die ganze Herde

Torsten Kautz sieht das anders: „Es ist bekannt, dass in der Zerweliner Heide und in der Großen Heide mehrere Wölfe leben. Darauf muss man reagieren, bevor es zu spät ist.“ Ronald Mante, der ebenfalls keine Entschädigung erhalten wird, weil er den Schadensfall nicht innerhalb von 24 Stunden über die landesweite Risshotline des Landesamtes für Umwelt gemeldet und die hohen Mindeststandards im Herdenschutz nicht umgesetzt hat, geht nicht davon aus, dass es sich in Naugarten um ein Rudel handeln könnte: „Dann würden hier weder die Wildschweine noch das Damwild auf der freien Fläche so aktiv sein“, erklärte er.

Herdenschutz:https://www.dbb-wolf.de/

Wolfsmonitoring:https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/aufgaben/natur/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/woelfe-in-brandenburg/wolfsmonitoring/