StartseiteRegionalUeckermündeDiese Bäckermeisterin übernimmt Lehrlinge von Lila Bäcker

Ausbildung

Diese Bäckermeisterin übernimmt Lehrlinge von Lila Bäcker

Uecker-Randow / Lesedauer: 3 min

Nach der Insolvenz des Lila Bäcker ist auch die Zukunft für viele Lehrlinge ungewiss. Zwei junge Männer aus Pasewalk haben jetzt ihre neue Backstube gefunden.
Veröffentlicht:10.02.2024, 07:12

Artikel teilen:

Es ist 7.30 Uhr in der Backstube in Grambin. Wo seit dem frühen Morgen Brote und Brötchen gebacken wurden, ist es noch schön warm und bereits aufgeräumt und sauber gemacht. Zwei neue Lehrlinge waren seit 23 Uhr am Vorabend mit dabei, denn dann beginnt in der Bäckerei Reichau die Arbeit: Mehl, Salz, Zucker und andere Zutaten abwiegen, Teig zubereiten, formen und backen.

Abends um 23 Uhr beginnt die Handarbeit: Bäckermeisterin Nicole Reichau an der Teigknetmaschine.
Abends um 23 Uhr beginnt die Handarbeit: Bäckermeisterin Nicole Reichau an der Teigknetmaschine. (Foto: Oliver Hauck)

Marko Dittmer und Florian Juhl sind seit dieser Woche neu im Team. Die beiden 21-Jährigen befinden sich im dritten Jahr ihrer Ausbildung zum Bäcker. Begonnen haben sie diese in der Großbackstube von Lila Bäcker in Pasewalk. Dass dort Schluss ist, haben die beiden Lehrlinge in der Pause erfahren, als sie gerade in der Berufsschule in Torgelow saßen. Aber nicht vom Konzern selbst, sondern im Internet auf der Facebook-Seite des Nordkurier.

Hatten Glück im Unglück

Nach der offiziellen Kündigung hätten sie sich sofort in Grambin beworben, erzählen Marko Dittmer und Florian Juhl. Nun stehen sie neben Bäckermeisterin Nicole Reichau und haben ihre zweite Schicht an der Seite von erfahrenen Bäckergesellen beendet. Sie seien ein wenig erschöpft, doch sehr zufrieden und sich einig, dass sie Glück im Unglück hatten: "Wir werden hier handwerklich definitiv sehr viel lernen."

"Die beiden haben nicht schlecht gestaunt bei ihrer ersten Schicht", lacht Nicole Reichau. "Wir produzieren mengenmäßig nicht so viel wie die Großbäckerei, wo sie vorher waren, aber dafür wird bei uns von Grund auf alles von Hand zubereitet." Das bedeutet Zutaten einwiegen, verschiedene Teige ansetzen, Brötchen und Brote formen und natürlich backen.

Auf Wohnungssuche in der Haff-Region

Florian Juhl kommt aus Boock bei Löcknitz, Marko Dittmer aus Pasewalk. Derzeit fahren sie die Strecke nach Grambin mit dem Auto und sind auf Wohnungssuche. Seit der Berufsschule seien sie befreundet, erzählen die beiden, und könnten sich auch gut vorstellen, zusammen eine Bleibe zu mieten, um nicht so viel fahren zu müssen. Wenn bloß die Kautionen nicht so hoch wären ....

Der Boocker und der Pasewalker haben Verwandte, die Bäcker sind, daher kennen sie den Beruf schon lange. Beiden gefällt die Arbeit in Grambin, soweit sie das nach zwei Arbeitstagen oder besser -nächten beurteilen könnten. "Ich kann mir gut vorstellen, sie zu übernehmen, wenn sie ihre Gesellenprüfung bestehen", sagt die Meisterin. In den vergangenen Jahren habe ihre Firma immer wenigstens einen Lehrling in der Backstube gehabt.

Will drei Verkäuferinnen einstellen

Sie plane auch, drei Fachverkäuferinnen neu einzustellen. "Wir sind gut aufgestellt und merken schon am Verkauf, dass die Lila Bäcker-Filialen geschlossen haben“, so Nicole Reichau. In den sieben Filialen, die sie 2022 von Vater Jörg Reichau übernahm, beschäftigt sie derzeit 36 Mitarbeiter, darunter zwei Frauen aus der Ukraine.

Im April ist schriftliche, im August praktische Prüfung. Was kommt da auf die beiden Auszubildenden zu? "Woraus besteht Marzipan? Welche Typen von Mehl gibt es?" nennt die Meisterin zwei leichte Fragen. Im praktischen Teil gelte es, auch Süßes zuzubereiten, zum Beispiel Mandelhörnchen und Ochsenaugen. Die beiden jungen Männer hätten noch keine Zeit gehabt, die Süßtheke bei Reichau durchzuprobieren." Ich esse lieber Brot und bin kein großer Fan von Süßem", sagt Florian Juhl. Marko Dittmer hingegen mag Mohn- und Puddingschnecken. Ob ihm sein Naschzahn im Sommer die Prüfung erleichtern wird?