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Dieser Stabsfeldwebel macht sich zum Clown

Eggesin / Lesedauer: 4 min

Ein Eggesiner, der Reservist bei der Bundeswehr und Lotse für geschädigte Soldaten ist, verwandelt sich innerhalb einer Stunde in einen Clown. Das tut er gern und immer wieder.
Veröffentlicht:20.09.2023, 18:00

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Gut eine Stunde braucht Ralf Wendlandt, um sich in sein zweites Ich zu verwandeln. Dann wird aus dem Reservisten der Bundeswehr und Lotsen für einsatz- und inlandsgeschädigte Soldaten und deren Angehörige ein richtig bunter Clown: Hobbyclown „Ralfi“.

Egal, ob zu Kindergeburtstagen, Hochzeitsfeiern, Einschulungen, Gartenfesten, Dorffesten oder sonstigen Festivitäten ‐ mit Clown Ralfi ist Riesenspaß garantiert, denn er bringt alles mit, was gute Laune macht.

Beleuchteter Bollerwagen zieht alle Blicke auf sich

„Meistens passt alles in meinen Bollerwagen“, sagt der Eggesiner und zeigt auf die Fotos vom jüngsten Randowfest. Hier schmückten kleine Lichterketten den vollbeladenen Bollerwagen beim Lampionumzug. Der Wagen habe ihm selbst fast die Show gestohlen, weil er beleuchtet alle Blicke auf sich zog.

Mittlerweile hat Ralf Wendlandt auch seine Frau mit dem Clownsfieber angesteckt.
Mittlerweile hat Ralf Wendlandt auch seine Frau mit dem Clownsfieber angesteckt. (Foto: ZVG)

Natürlich wollten die Lütten wissen, was sich alles in dem Wagen verbirgt. Kurze Zeit später versammelte sich auch schon eine Traube neugieriger Kinder zum Teil mit Eltern oder Großeltern, um zu schauen, was der bunte Clown dort macht. Alle warteten geduldig auf ihre modellierten Luftballonfiguren.

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Clown Ralfi wartete auch, nämlich darauf, dass das Grummeln im Bauch verschwindet, denn das begleitet den 60-Jährigen auch nach gut 16 Jahren Clownerie noch vor jedem Auftritt.

Schöner Ausgleich zum anstrengenden Job

Doch wie wird man eigentlich ein Clown? Kostüm an und fertig ‐ funktioniert vermutlich nur beim Karneval. Sein zweites Ich sei eigentlich aus einer Not heraus entstanden, sagt Ralf Wendlandt. „Darüber bin ich heute sehr froh, denn mein Hobby ist ein schöner Ausgleich zum anstrengenden Job.“ Seine Tätigkeit bei der Bundeswehr gehe jedoch immer vor, er liebe die Arbeit mit den Menschen, die seine Hilfe benötigen.

So fing vor gut 16 Jahren alles an.
So fing vor gut 16 Jahren alles an. (Foto: ZVG)

Gerade war er als Lotse mit zwei einsatzgeschädigten Soldaten und deren Familien bei den „Invictus Games“ in Düsseldorf. Hierbei handelt es sich um ein internationales Sportereignis für Soldaten, die Verletzungen im Auslandseinsatz, im Dienst oder durch Erkrankungen an Körper und Seele bleibende Beeinträchtigungen erlitten haben.

Mit Frauenkleidern fing alles an

Mittlerweile hat der Stabsfeldwebel sogar seine Ehefrau mit dem Clownsfieber angesteckt, sodass das Paar neben seiner Liebe zum Kleingarten nun auch die Liebe zur Clownerie teilt.

Im Eggesiner Kleingartenverein Teerofen V. fing damals auch alles an, allerdings nicht im Clownskostüm, sondern in Frauenkleidern. „Vom Verein aus wollten wir 2007 zum Sommerfest für die Kinder etwas Besonderes machen“, erinnert sich Ralf Wendlandt. Also  schlüpften er und ein weiteres Spartenmitglied in die Kleider von Frauen. Mit bunten Schirmen, Taucherflossen und jeder Menge Improvisation zauberten sie allen Kindern ein Lächeln ins Gesicht und sicherten sich gleich im nächsten Jahr einen weiteren Auftritt.

Hobbyclown Ralfi hat alles, was er braucht, in seinem Bollerwagen.
Hobbyclown Ralfi hat alles, was er braucht, in seinem Bollerwagen. (Foto: ZVG)

„Da waren wir dann schon etwas besser aufgestellt“, erinnert sich der Soldat, dessen Clownerie nur von Mund-zu-Mund-Propaganda und der Weitergabe von Visitenkarten lebt. Werbung brauchte der Eggesiner mit den zahlreichen Lollys in den Taschen, den Riesenseifenblasen und den bunten Kübelspritzen noch nie. Wer ihn sucht, kann ihn inzwischen auch in den sozialen Medien finden. 

Aus Ruhestand in den Dienst zurückgekehrt

„Ich hätte nie im Leben gedacht, dass sich die Idee von 2007 mal so entwickelt. Es gibt eben nichts Schöneres als leuchtende Kinderaugen“, sagt der Hobbyclown, der seine Auftritte immer weiter perfektioniert und aufgrund der hohen Nachfrage vor ein paar Jahren dann auch ein Gewerbe angemeldet hat. „Die Coronapandemie machte den Gewerbestart jedoch sehr schwierig“, erinnert er sich

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„Mich kann man einfach buchen“, erzählt er weiter und betont, dass aufgrund seines Jobs als Reservist bei der Bundeswehr dies in der Regel ab sofort wieder nur an den Wochenenden möglich ist. Der 60-Jährige kehrt nämlich aus seinem Ruhestand zurück in den Dienst, weil er hier für die Lotsentätigkeit und Betreuung weiterhin benötigt wird.