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Todesfall Leonie

Eigener Bruder distanziert sich von David H.

Torgelow / Lesedauer: 3 min

David H. soll seine Stieftochter Leonie in Torgelow getötet haben. Sein Bruder und dessen Familie erleben seither eine Hexenjagd und haben Angst um ihre eigenen Kinder.
Veröffentlicht:21.01.2019, 10:04

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Wie sprechen über einen solchen Menschen? Der dein Bruder ist und ein Mörder sein soll. Das Leben von Jan H. ist aus den Fugen geraten. Sein jüngerer Bruder war sieben Tage auf der Flucht, wurde am Montag jedoch von der Polizei gefasst. Er soll die kleine Leonie totgeschlagen haben. Jan H. und seine Familie sehen sich seither einer Hexenjagd ausgesetzt.

Ihm ist die Aufregung anzumerken, als er darüber spricht, wie furchtbar diese Tat ist, wie unvorstellbar grausam, und wie sie das Leben seiner Familie schlagartig verändert hat. „Wir haben Angst vor Übergriffen“, sagt Jan H. In den sozialen Netzwerken wird seine Familie bedroht. Unbekannte haben ihre Anschrift ins Internet gestellt. Es gibt Aufrufe, dass bei ihm nach dem Flüchtigen gesucht werden soll. Nachts parken Autos in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses, Fahrzeuge, die dort nicht hingehören.

Hier gibt es eine Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Artikel zum Todesfall Leonie.

Verwandte müssen für Familie einkaufen

Die Familie fühlt sich beobachtet. Selbst seine Kinder bringt der 29-jährige Familienvater nicht mehr in den Kindergarten — aus Sorge, ihnen könne etwas passieren. Jan H. sucht einen Ausweg und wagt den Schritt an die Öffentlichkeit. „Was können wir für die Tat meines Bruders?“, sagt er und richtet diese Frage auch an die Menschen, die ihn anfeinden.

Die letzten Tage haben Spuren hinterlassen. Tränen laufen dem Mann über das Gesicht. „Nachts bin ich wach, um aufzupassen, dass hier niemand reinkommt“, schildert er. Es habe Aufrufe zum Einbruch gegeben. Selbst zu Verwechslungen sei es gekommen. Das hat auch Ehefrau Aline getroffen: „Ich habe Angst, auf die Straße zu gehen“, sagt sie. Ein normales Leben ist derzeit unmöglich. Einkäufe erledigen Verwandte.

Jan H.: „Dieser Mensch ist nicht mehr mein Bruder”

Die Möglichkeiten, sich von seinem Bruder zu distanzieren, hat die Familie beinahe ausgeschöpft. Bilder in den sozialen Netzwerken wurden gelöscht, Freundschaften beendet. Mit der Polizei arbeitet die Familie zusammen. „Ich habe die Beamten immer reingelassen“, sagt Jan H. und stellt klar: „So jemanden decke ich nicht!“

Im Gespräch mit der Zeitung sieht er eine Chance, die empörte Öffentlichkeit zur Vernunft zu bringen. Die Familie hofft inständig, dass sich der Bruder stellt oder schnell gefasst wird, damit er eine gerechte Strafe bekommt. „Dann können wir wieder ohne Angst auf die Straße gehen“, sagt Jan H. Den Satz „Dieser Mensch ist nicht mehr mein Bruder“, sagt er mehrfach.

Aktualisierung, 21. Januar: Die Polizei hat den gesuchten 27-Jährigen gefunden. Die Fahndung ist damit beendet, Fotos und Beschreibungen wurden daher aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen entfernt.