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Ehrenamt 

Gemeinde in Vorpommern-Greifswald plant Rentenversicherung für Feuerwehrleute

Vogelsang-Warsin / Lesedauer: 3 min

Eine kleine Gemeinde am Haff will einen neuen Anreiz für ihre Feuerwehrleute schaffen. Damit könnte sie im Landkreis Vorpommern-Greifswald Vorreiterin werden.
Veröffentlicht:08.02.2024, 06:00

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Die Gemeinde Vogelsang-Warsin möchte eine private Rentenversicherung für ihre Feuerwehrleute abschließen. Dabei würde sie die erste Gemeinde im Amtsbereich „Am Stettiner Haff“ und auch im Landkreis Vorpommern-Greifswald sein, sagte Kreiswehrführer Marko Stange. Ihm sei keine Wehr mit einer solchen Rentenversicherung bekannt.

Gemeindevertreter haben Plan abgesegnet

Bürgermeister Ingo Grönow geht davon aus, dass es ab 2025 losgehen könnte. Die Gemeinde wolle laut Plan eine Summe x für die derzeit 18 Kameraden pro Jahr einzahlen. Das haben die Gemeindevertreter so abgestimmt.

Vogelsang-Warsins Bürgermeister Ingo Grönow macht sich für eine private Rentenversicherung für die Feuerwehrleute stark.
Vogelsang-Warsins Bürgermeister Ingo Grönow macht sich für eine private Rentenversicherung für die Feuerwehrleute stark. (Foto: NK-Archiv)

„Die Idee ist, dass wir unsere Feuerwehr attraktiv machen und das Ehrenamt stärken“, betonte der Bürgermeister. Die Feuerwehr sei eine Pflichtaufgabe, und die Gemeinden seien in der Verantwortung, dass es auch in Zukunft genügend Mitglieder in der Wehr gibt. Man ziele auf eine kapitalbildende Rentenversicherung für die Kameraden ab.

Ingo Grönow übte in diesem Zusammenhang Kritik an der großen Politik. Denn dort werde schon seit vielen Jahren über eine richtige Rentenversicherung für die Feuerwehrleute oder ein „Stiefelgeld“ für die Teilnahme an Einsätzen nachgedacht. Es sei aber nichts passiert. „Die Politiker denken eher an sich“, sagte er. „Wir wollen aber, dass die Kameraden etwas davon haben.“

So funktioniert das Modell in Düsseldorf

Der Bürgermeister hatte recherchiert und dann mit der Stadt Düsseldorf Kontakt aufgenommen. Dort gebe es einen Vertrag mit einem privaten Rentenversicherer und ein besonderes Modell. Die Stadt zahle für jeden Kameraden eine Summe im Monat ein. Durch die Teilnahme an Übungsstunden, Lehrgängen und Einsätzen könnten die Feuerwehrleute weitere Punkte sammeln, die am Jahresende in Geld umgewandelt und zusätzlich bei dem Versicherer eingezahlt werden. Nach dem Ende der Dienstjahre werde die Versicherungssumme an die Kameraden ausgeschüttet oder als eine geringe monatliche Rente gezahlt.

Genehmigung fehlt noch

Ingo Grönow sagte, er wisse nicht, ob die Kommunalaufsicht des Landkreises grünes Licht für diese Idee in Vogelsang-Warsin gibt. Denn die Gemeinde habe kaum Geld und stecke wie andere Gemeinden in der Haushaltssicherung. Bei der Rentenversicherung handele es sich auch um eine freiwillige Aufgabe. Das hielt auch die Leitende Verwaltungsbeamtin in Eggesin, Bianka Schwibbe, für einen fraglichen Punkt. Aber sie wisse, wie wichtig dieser Schutz durch die Feuerwehrleute ist, die noch dazu in ihrer Freizeit Dienst tun, erklärte sie dem Nordkurier.

Im Jahr 2022 brannte eine Wohnung in Vogelsang-Warsin aus. 52 Feuerwehrleute rückten an.
Im Jahr 2022 brannte eine Wohnung in Vogelsang-Warsin aus. 52 Feuerwehrleute rückten an. (Foto: Christopher Niemann)

Doch um die Pflichtaufgabe Feuerwehr in der Zukunft erfüllen zu können, brauche es solche Wege wie die Rentenversicherung, sagte Ingo Grönow. Die Gemeinde veranstalte auch ein Dorffest oder baue Straßenlaternen, was ebenfalls freiwillige Aufgaben seien. Die Feuerwehr sei auch wichtig.

Die Gespräche über eine Feuerwehrrente könnten auch auf Amtsebene geführt werden, sagte Bianka Schwibbe. Man müsse erst eine Versicherung finden und schauen, welche Beiträge nötig wären. Sie sehe auch das Problem, dass ältere Kameraden nur noch anteilig profitieren würden. Das solle alles diskutiert werden.

"Es ist ein Versuch"

So eine Rentenversicherung wäre eine gute Sache, sagte Vogelsang-Warsins Wehrführer Manfred Müller. Auch er bemängelte, dass die Politik dabei nicht weiterkommt. Ob mit der Idee Nachwuchsprobleme gelöst werden, könne er noch nicht beurteilen. Schließlich würden junge Leute noch nicht so sehr auf ihre Rente schauen. „Es ist aber ein Versuch“, sagte er. „Wir müssen etwas machen.“

Kreiswehrführer Marko Stange sagte, dass der deutsche Feuerwehrverband und das Bundesinnenministerium an einem Modell arbeiten, bei dem es echte Punkte der gesetzlichen Rentenversicherung geben soll. Aber das gestalte sich schwierig. Vielleicht wäre eine private Rentenversicherung sogar die bessere Alternative, meinte er.

Die Stadt Röbel bietet Feuerwehrleuten seit 2020 schon eine ähnliche Rentenversicherung wie Düsseldorf an. Mitglieder können eine spezielle Versicherung abschließen. Solange sie aktiv sind, zahlt Röbel 25 Euro monatlich ein. Der Feuerwehrmann, der im Jahr 2044 aus dem Dienst austreten würde, bekäme dann eine garantierte Kapitalabfindung von 6500 Euro oder eine Mindestrente pro Monat von 20 Euro.