StartseiteRegionalUeckermündeKätzchen verschüchtert und Kleinkinder schreien – Leben am Truppenübungsplatz

Bundeswehr übt Kanonenschüsse

Kätzchen verschüchtert und Kleinkinder schreien – Leben am Truppenübungsplatz

Uecker-Randow / Lesedauer: 2 min

Einwohner der Uecker-Randow-Region brauchen seit fast zwei Wochen starke Nerven. Soldaten üben auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück Schießen mit Kanonen. Es gibt aber eine gute Nachricht. 
Veröffentlicht:09.02.2024, 06:11

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Einwohner der Uecker-Randow-Region können aufatmen. Fast zwei Wochen lang wurden ihre Nächte und Tage von Kanonendonner, Gewehrsalven und Pistolenschüssen untermalt. Ab Freitag, dem 9. Februar, ist endlich wieder Ruhe auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück, teilte Kommandant Markus Ludwig mit. Und das Beste: In diesem Jahr soll es kein zweites Mal so laut werden.

Betroffene richtig genervt

Seit dem 29. Januar übten Soldaten aus Niedersachsen auf dem 10.000 Hektar großen Gelände zwischen Eggesin, Torgelow, Viereck, Borken, Glashütte, Hintersee und Ahlbeck Schießen mit teils großen Kalibern. Das blieb natürlich nicht ungehört und ging Betroffenen richtig auf die Nerven. Auch Peter Hintzpeter aus Ahlbeck empfand die Situation als unzumutbar. 

"Maß des Zumutbaren überschritten"

„Wir hatten vor sechs Jahren geglaubt, in eine ruhige Region zu ziehen, in der man seinen Lebensabend in Frieden verbringen kann“, schreibt er. Mittlerweile sei man eines Besseren belehrt worden. „Seitdem die Losung ausgeben wurde, Deutschland müsse kriegstüchtig werden, wird rund um uns herum eine Übung nach der anderen abgehalten“, beschreibt er seine Wahrnehmung. Sicherlich müsse jeder unter den aktuellen politischen Vorzeichen gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen, aber inzwischen würde die Lärmbelästigung den Rahmen des Zumutbaren sprengen.

„Seit nunmehr 14 Tagen wird aus den Haubitzen so viel geschossen, wie es zusammengenommen in den vergangenen sechs Jahren nicht erfolgt ist.“ Selbst weit nach 20 Uhr sei an manchen Tagen noch nicht Schluss. „Das Maß des Zumutbaren ist damit eindeutig überschritten“, schreibt er mit der Betreffzeile "immer wenn die Haubitzen krachen".

Gläser wackeln in Schränken

Dabei betone die Bundeswehr doch immer wieder, "dass sie mit der Zivilbevölkerung in friedlicher Koexistenz leben möchte". "Das ist auch gut so. Nur können diese Regeln nicht einseitig festgelegt werden“, moniert er. Der Krach sei so heftig, dass Gläser in den Schränken wackeln, Hunde bellen, Kätzchen sich verschüchtert abducken und Kleinkinder schreien. „Es darf nicht so weit kommen, dass man sich wie in einem Kriegsgebiet fühlt. Wer übernimmt den Wertverlust der Immobilien für diejenigen, die hier vor einigen Jahren neu gebaut haben? Darf man in einer Touristenregion eine derartige Geräuschemission überhaupt zulassen“, fragt Hintzpeter und erklärt: „Es geht mir darum, die Menschen zu animieren und eine Diskussion anzuschieben.“

Auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück wurde in den vergangenen zwei Wochen mit Kampfpanzern Leopard 2 geschossen. Die Übung geht am 9. Februar zu Ende.
Auf dem Truppenübungsplatz Jägerbrück wurde in den vergangenen zwei Wochen mit Kampfpanzern Leopard 2 geschossen. Die Übung geht am 9. Februar zu Ende. (Foto: NK-Archiv)

Oberstleutnant Markus Ludwig weist darauf hin, dass der rechtlich zugelassene Maximallärmpegel selbstverständlich berücksichtigt und zu keiner Zeit überschritten werde. Die subjektive Wahrnehmung könne sich jedoch ändern und hänge auch von den Wetterbedingungen ab. „Manchmal höre ich in meinem Büro überhaupt nichts, und an anderen Tagen habe ich das Gefühl, dass ich auf dem Maschinengewehr sitze“, verdeutlicht der ehemalige Panzerkommandant. Das letzte Kampfpanzer-Schießen liege schon eine Weile zurück, sei im Dezember 2022 durchgeführt worden. Er bitte Anwohner um Verständnis. Rechtzeitig informiert worden seien sie immerhin. Geschossen wurde in den vergangenen Tagen unter anderem mit der 120 Millimeter-Glattrohrkanone des Kampfpanzers Leopard 2.