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Naturschutz

Moorbirken in Ueckermünder Heide streng geschützt

Bellin / Lesedauer: 3 min

Als Erstes wächst die Moorbirke, trotzdem sind die Bestände stark gefährdet, denn ohne Moore keine Moorbirke. Am Stettiner Haff gibt es aber noch viele Standorte.
Veröffentlicht:22.07.2023, 11:54

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Sie wachsen schnell, sind genügsam und frosthart, und Moorbirken mögen es nass. Doch Feuchtwälder oder gar intakte Moore sind vergleichsweise selten geworden in Deutschland. Umso wichtiger war es der Dr. Silvius Wodarz Stiftung, mit der Nominierung der Moorbirke als „Baum des Jahres 2023“ auf die oft dramatische Situation der zu 95 Prozent entwässerten Moore in Deutschland hinzuweisen.

Auf einer rund 9.700 Hektar großen Naturerbefläche in der Ueckermünder Heide am Stettiner Haff gibt es sie noch — an 248 Standorten. Die gemeinnützige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, das DBU–Naturerbe, ließ als Besitzerin die gesamte Fläche im Zuge ihrer Managementplanungen kartieren. Damit ist die Ueckermünder Heide von den 71 DBU–Naturerbeflächen in zehn Bundesländern das Gebiet mit dem zweitgrößten Vorkommen. Einen größeren Bestand im DBU Naturerbe gibt es nur in Peenemünde auf Usedom.

Natürliche Pioniere

Charakteristisch für die bis zu 30 Meter hohe Moorbirke ist ihre mattweiße bis grau eingefärbte glatte Rinde, die sich in papierdünnen Schichten ablösen lässt. Sie kann an trockenen, mineralischen Standorten vorkommen, aber auch in sehr nassen Mooren leben. Birken–Moorwälder sind ökologisch äußerst wertvoll: An den Bäumen leben nach Angaben der DBU einige ganz besonders spezialisierte Tierarten, wie der in Deutschland vom Aussterben bedrohte Große Birken–Prachtkäfer. Laut Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Bayern kommen mehr als 160 Insektenarten an ihnen vor. Mehr Insekten finden sich an heimischen Bäumen nur an Weiden oder Eichen.

So sehen die Blätter er Moorbirke aus.
So sehen die Blätter er Moorbirke aus. (Foto: ©Tobias Leikauf/DBU Naturerbe)

Außerdem ist die Moorbirke ein typischer Pionierbaum. „Sie ist darauf spezialisiert, neu entstandene Lebensräume zu erobern. Nach Stürmen oder Schädlingsbefall sind es oft Birken, die als Erstes wieder wachsen“, erläutert Christian Sürie, Förster und Leiter Betriebsmanagement im DBU–Naturerbe. Der zuständige Bundesforstbetrieb Vorpommern–Strelitz lässt auf der Naturerbefläche Moorbirken nicht fällen. Sie wachsen solange wie es der Lebensraum zulässt und bleiben auch als Totholz in der Fläche.

95 Prozent der Moore in Deutschland sind entwässert

Die naturnahen, nassen Lebensräume des „Baum des Jahres 2023“ verschwinden zunehmend. Moore sind in Deutschland in der Regel so stark entwässert, dass sie den Namen kaum noch verdienen. Mehr als 85 Prozent der im Jahr 1700 vorhandenen Feuchtgebiete existierten laut Weltbiodiversitätsrat im Jahr 2000 nicht mehr. Der Verlust an Feuchtgebieten geschieht damit prozentual dreimal so schnell wie der an Waldgebieten. Birken–Moorwälder gelten sind inzwischen bundesweit gesetzlich geschützt. Trockengelegte Moore stoßen fortwährend Treibhausgase aus — in Deutschland mit sieben Prozent der Emissionen genauso viel bei wie der hierzulande startende Flugverkehr.

„Verlangsamen oder gar stoppen können wir den Prozess nur, wenn wir die Wasserstände in den Mooren und Feuchtgebieten optimieren“, betont Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU–Naturerbe. Auf vielen Flächen, auch im Martenschen Bruch in der Ueckermünder Heide, plante oder setzte die Stiftungstochter bereits Wiedervernässungen um — als Maßnahme sowohl für den Klimaschutz als auch für den Schutz der biologischen Vielfalt. „Indem wir Gräben verschließen oder regulierbare Staue einbauen, kann mehr Wasser in der Landschaft gehalten werden. Wenn ein Moor dann wieder richtig nass wird, kann ein lichter Birken–Moorwald mit Torfmoosen und moortypischen gefährdeten Pflanzen entstehen“, so Belting.