StartseiteRegionalUeckermündeMotocrosser vom Haff machen klare Ansage an Umwelt-Rowdies

Motorsport

Motocrosser vom Haff machen klare Ansage an Umwelt-Rowdies

Eggesin / Lesedauer: 4 min

Nachwuchs-Talent Finn Lange und seine Vereinskollegen aus Ueckermünde sind verärgert über Fahrer, die durch die Heide brettern. Denn das würde ihren Sport in Misskredit bringen.
Veröffentlicht:06.02.2024, 06:00

Artikel teilen:

Genau wie seine Vereinskollegen vom Motorsportclub (MC) Ueckermünde ist auch Finn Lange verärgert. „Irgendwie werden wir jetzt alle über einen Kamm geschert“, befürchtet der fast 15-jährige Teenager vom Haff.

Was den Deutschen Meister (85 Kubikzentimeter) im Motocross so verärgert? Es geht um die Motocrosser, Quadfahrer und Mountainbiker, die unerlaubt mit ihren Maschinen querfeldein durch die Ueckermünder Heide jagen, die mit über 9000 Hektar größte Naturerbefläche der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Richtige Motocrosser würden so etwas niemals tun“, versichert der Eggesiner.

In der Ueckermünder Heide wurden zuletzt immer wieder Spuren von Motorrädern oder Quads gefunden, die unerlaubt hier die Natur stören.
In der Ueckermünder Heide wurden zuletzt immer wieder Spuren von Motorrädern oder Quads gefunden, die unerlaubt hier die Natur stören. (Foto: Christina Möller/Bundesforst)

Unwiderstehliches Angebot an Enthusiasten

Und auch sein Verein möchte für Klarheit sorgen und ein eindeutiges Statement abgeben. „Wir als MC Ueckermünde distanzieren uns deutlich von diesen sogenannten ‚Motocrossern‛, die mit ihrem Verhalten nicht nur der Umwelt und Natur schaden, sondern unter Umständen auch dem Image unseres Vereins. Alle unsere Mitglieder sind sich ihrer Verantwortung und Pflicht bewusst, unsere Sportgeräte nur auf dafür vorgesehene Strecken zu bewegen“, heißt es vom Vereinsvorstand, der ausdrücklich betont, nicht mit diesen „Wald-und-Wiesen-Rowdies“ in Verbindung gebracht werden zu wollen.

Und der MC Ueckermünde geht sogar noch weiter, um die Natur zu schützen: „Den Fahrern, die ihre Maschinen illegal durch unsere schöne Naturlandschaft jagen, bieten wir an, unsere Strecke zukünftig legal an den bekannten Zeiten und unter Aufsicht zu benutzen. Andernfalls scheuen wir nicht davor zurück, solche illegalen Ausfahrten bei namentlich bekannten Fahrern zur Anzeige zu bringen, um die langjährige Tradition des Motorsports in unserer Region nicht weiter zu gefährden“, macht der Vereinsvorstand zugleich ein Angebot wie auch eine deutliche Ansage.

Finn Lange aus Eggesin gehört zu den besten Nachwuchsfahrern Deutschlands.
Finn Lange aus Eggesin gehört zu den besten Nachwuchsfahrern Deutschlands. (Foto: privat/ZVG)

Auf der Crossbahn am Rande des Seebades wird nämlich nicht nur fleißig trainiert, sie steht auch jährlich mindestens einmal im Rampenlicht der Motocrosser aus ganz Mecklenburg-Vorpommern. Gut 2000 Zuschauer aus nah und fern sind dann jedes Jahr dabei, wenn die Motorsportler vom Haff spektakulär um Landesmeisterschafts-Punkte fahren und dabei ganz vorn mitspielen.

So wie beispielsweise Ole Schmidt, Ronny Müller und natürlich Finn Lange, dessen ganze Familie seit vielen Jahren vom Benzinfieber befallen ist und sich enthusiastisch dem Motorsport verschrieben hat. Finns großer Bruder Erik kam auf den Geschmack - und seitdem bestimmt der Sport auf zwei Rädern den Familienalltag.

Start in diesem Jahr in höherer Kubik-Klasse

Im zurückliegenden Jahr hatte sich der 14-jährige Teenager voll und ganz auf die Deutschen Meisterschaften und die ADAC-Masters konzentriert. „Ich möchte Deutscher Meister werden und bei den ADAC-Masters in den Top Ten landen“, hatte der dreimalige Landesmeister im letzten Juli seine Ziele umrissen. Nur wenige Wochen später hatte Finn sein großes Ziel erreicht, sogar vorzeitig. Er holte im Team von KTM Christoph Lessing den Meisterschaftspokal nach Eggesin und durfte sich später auch über Platz 7 im ADAC Masters Ranking freuen. 

Nun wartet der nächste Schritt auf den jungen Ausnahme-Motocrosser vom Haff. „Ich werde in diesem Jahr in der 125 Kubik-Klasse starten“, kündigt Finn Lange an. Gerade ist der Gymnasialschüler dabei, die neue KTM-Maschine einzufahren, bevor es am 24. März beim ersten Deutschen Meisterschaftsrennen in Schneidheim (Baden-Württemberg) ernst wird.

Bisher in der 85-Kubik-Klasse unterwegs, will Finn nun mit 125-Kubik-Maschinen um den Sieg kämpfen.
Bisher in der 85-Kubik-Klasse unterwegs, will Finn nun mit 125-Kubik-Maschinen um den Sieg kämpfen. (Foto: privat/ZVG)

Natürlich stehen auch die MX Masters wieder auf dem Rennplan der gesamten Familie, die dann wie in jedem Jahr die Wochenenden auf den Crossplätzen der Republik verbringen wird. 

Bis dahin wird fleißig trainiert und das nicht nur auf der Crossbahn, sondern auch im Kinderzimmer, denn „Crosser werden im Winter gemacht“, wie Familie Lange weiß. Die in Zusammenarbeit mit dem Greifswalder Fitnesstrainer Andreas Wolframm erarbeiteten Trainingspläne steigern sich wöchentlich. Hierzu gehören neben dem Radfahren natürlich auch Kraft- und Koordinationstrainingseinheiten. Die Fortschritte beziehungsweise Zwischenstände der körperlichen Leistungsfähigkeit werden regelmäßig überprüft.

Und nebenbei wird Fahrerlaubnis gemacht

Bereits seit Januar trainiert der junge Eggesiner täglich bis zu eineinhalb Stunden. „Ich nehme die Vorbereitungen sehr ernst, denn ohne diese körperliche Leistungsfähigkeit hat man keine Chance, an der nationalen Spitze oder bei den ADAC MX Masters vorn mitzufahren“, berichtet Finn. Obwohl der Sport natürlich auch Spaß mache, sei es angesichts der dafür nötigen Zeitaufwandes manchmal schon sehr schwierig, Freunde, Schule und den Sport unter einen Hut zu bekommen.

Aber auch auf der Straße wird es in diesem Jahr ernst für den Deutschen Meister vom Haff, denn Finn ist gerade dabei, seinen Moped-Führerschein zu machen. Dann möchte er, so oft es sein Trainingsplan zulässt, seine KTM gegen die Simson tauschen und wie andere Jugendliche auch durch die Haffregion knattern. Und zwar nur auf erlaubten Wegen, wie der junge Motorrad-Enthusiast noch einmal betont und damit auch einen Appell an diejenigen schickt, die das nicht machen.