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Meeresbiologin gibt Entwarnung

Ringelrobbe in Mönkebude fühlt sich offenbar pudelwohl

Mönkebude / Lesedauer: 4 min

Dem seltenen Gast im Yachthafen am Haff geht es gut, so die Einschätzung einer Meeresbiologin. Sie konnte auch die genaue Robbenart bestimmen. Das Tier bekommt in diesen Tagen viel Besuch.
Veröffentlicht:04.01.2024, 18:04

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Von einem Massentourismus ist der Mönkebuder Yachthafen weit entfernt, da ist sich Carena Gresenz, Betriebsleiterin des Tourismusbetriebs der Gemeinde, sicher. Doch viele Einheimische schauen in diesen Tagen immer wieder nach der Robbe, die seit dem Jahresende 2023 im Hafen anzutreffen ist. Dort schwimmt sie im Yachthafen oder im Fischereihafen, legt sich am liebsten auf den leeren Anlegersteg für das touristische Zeesenboot „Ghost“, weiß Carena Gresenz. Manchmal taucht sie auch ab.

Mit dem Farhrad auf Robben-Tour

Doch die Zahl der Schaulustigen wächst. Am Donnerstagmittag steuerten immer wieder Pkw, Fußgänger und Radfahrer das Hafengelände an. Darunter waren auch Daniela und Armin Koop aus Leopoldshagen, die bei dem regnerischen und stürmischen Wetter mit ihren Fahrrädern auf Robbenschau gegangen waren. „Das ist ja etwas Besonderes“, sagte Daniela Koop.

Michael Ruthenberg und sein Enkel Matti waren extra aus Ueckermünde gekommen, um nach der Robbe Ausschau zu halten.
Michael Ruthenberg und sein Enkel Matti waren extra aus Ueckermünde gekommen, um nach der Robbe Ausschau zu halten. (Foto: Eckhard Kruse)

Michael Ruthenberg aus Ueckermünde versuchte sein Glück gemeinsam mit seinem Enkel Matti. Aber auch Pasewalker und Insassen eines Autos mit Vorpommern-Rügen-Kennzeichen waren unter den Besuchern. Sie alle hatten aber gegen Mittag wenig Glück, die Robbe auf einem Steg oder beim Schwimmen zu entdecken. Vielleicht war es dem Meeressäuger einfach zu stürmisch und der Wasserstand zu hoch.

Die Robbe in Mönkebude ist aber proper und gut genährt, schätzte Meeresbiologin Anja Gallus vom Ozeaneum in Stralsund ein, nachdem sie sich für den Nordkurier einige Fotos des Tieres angesehen hatte. Zu der gleichen Ansicht war auch die Tierrettung Vorpommern-Greifswald bei einem Besuch vor Ort kommen, so Carena Gresenz.

Mit den Augen dieser Robbe ist nach Einschätzung einer Meeresbiologin alles in Ordnung.
Mit den Augen dieser Robbe ist nach Einschätzung einer Meeresbiologin alles in Ordnung. (Foto: Harald Viestenz)

Auch um die Sehkraft des Tieres muss sich auch niemand Sorgen machen, meinte Anja Gallus. Denn im Tourismusbetrieb in Mönkebude war schon die Frage gestellt worden, ob diese Robbe vielleicht blind sei. Zwar mögen die Augen des Raubtiers ein wenig verschleiert wirken, das sei aber normal, meinte die Meeresbiologin. Robben hätten eine zusätzliche Schutzhaut, die sie über die äußere Hornhaut ihrer Augen ziehen können.

Seltener Gast

Anja Gallus konnte anhand der Bilder auch die genaue Art feststellen. Es handele sich weder um einen Seehund noch um eine Kegelrobbe, sondern um eine Ringelrobbe. Das sei an ihrer Fellzeichnung sehr gut zu erkennen. „Die sind bei uns nicht so häufig, leben eher in Nordschweden, Finnland und Estland.“ Im Winter würden sie jedoch mitunter auch südlichere Gefilde aufsuchen. Die Tatsache, dass das für gewöhnlich in Kolonien lebende Tier offenbar allein unterwegs ist, sei ebenfalls kein Grund zur Sorge. Hin und wieder gebe es solche Einzelgänger, meinte Gallus.

Liebt die Kälte

Ringelrobben sind laut der Stiftung Deutsches Meeresmuseum ausgesprochen kälteliebend. Sie seien die häufigsten Robben des Nordpolarmeers, wo sie Treib- und Packeis zur Verfügung haben. Es gebe aber auch Ostsee-Ringelrobben.

Daniela und Armin Koop aus Leopoldshagen und weitere Besucher wollten am Donnerstag einen Blick auf die Ringelrobbe im Mönkebuder Yachthafen erhaschen. Vielen war das nicht vergönnt. Dabei soll sie hier am Anleger des Zeesenbootes am liebsten gelegen haben.
Daniela und Armin Koop aus Leopoldshagen und weitere Besucher wollten am Donnerstag einen Blick auf die Ringelrobbe im Mönkebuder Yachthafen erhaschen. Vielen war das nicht vergönnt. Dabei soll sie hier am Anleger des Zeesenbootes am liebsten gelegen haben. (Foto: Eckhard Kruse)

Die Ostsee-Ringelrobbe sei die kleinste in der Ostsee vorkommende Robbenart. Die Tiere würden maximal 140 Zentimeter groß, könnten aber trotzdem bis zu 100 Kilogramm wiegen. Auf der Jagd nach Fischen und Krebsen könnten sie bis zu 45 Minuten unter Wasser bleiben. Sie kommen aber selten an Land und verbringen ihr Leben schwimmend. In der Ostsee seien die Bestände durch reduzierten Lebensraum, Robbenjagden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und durch Schadstoffeintrag geschwächt. Aktuell werde der gesamte Ostseebestand an Ringelrobben auf 7000 bis 10 000 Tiere geschätzt.

Erste Robbe im Ort

Am Freitag vor dem Silvesterwochenende, am 29. Dezember, wurde die Robbe erstmals im Yachthafen in Mönkebude gesichtet. Mitarbeiter des Tourismusbetriebs hatten sie entdeckt. Seither haben schon viele Neugierige nach der Robbe geschaut. Das zeigen die viele Fotos und Videos, die im Internet kursieren und von Hafenbesuchern dort eingestellt wurden.

Carena Gresenz vom Mönkebuder Tourismusbetriebdenkt, dass die Ringelrobbe die momentane Ruhe im Yachthafen genießt. „Im Hafenbecken findet sie auch genug Nahrung.“ Doch wenn die Fischer in einigen Tagen wieder rausfahren, werde wieder mehr Leben am Hafen einkehren. Dann werde man sehen, ob die Robbe es noch weiter in Mönkebude hält. Spätestens mit dem Saisonbeginn werde sie aber sicherlich verschwunden sein. Es sei übrigens auch das erste Mal in der Geschichte von Mönkebude, dass eine Robbe hier aufgetaucht ist, berichtete sie.