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Chaos im Wald - Soll das etwa so bleiben?

Torgelow / Lesedauer: 4 min

Die Bundesforst und die Landesforst fällten in den Wintermonaten viele Bäume in und um Torgelow. Anwohner stören sich nun am Anblick des Waldes. Denn sie schauen auf ein Durcheinander.
Veröffentlicht:27.04.2023, 06:07

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Die Anwohner im Torgelower Wohngebiet zwischen der Blücherstraße und Pasewalker Chaussee sind mit dem Anblick „ihres“ Waldes alles andere als zufrieden. „Es sieht aus, als wenn jemand wilde Sau gespielt hat“, wettert ein Anlieger mit Blick auf das Waldstück gleich hinter seinem Grundstück. „Es sieht schlimm aus“, sagt eine Frau in der Nachbarschaft.

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Alle Anwohner würden derzeit schimpfen, wenn sie auf den Wald schauen, der das Wohngebiet umgibt. Dort fällte die Bundesforst in den Wintermonaten Holz, zumeist Kiefern. Die Stämme aus dem neun Hektar großen Areal sind noch am Weg aufgestapelt. Die Anwohner hatten auch gehofft, dass jemand nach dem Einschlag mit dem Harvester für Ordnung sorgt. Doch das ist bisher nicht geschehen.

Äste liegen kreuz und quer im Wald herum

So liegen dicke Kronenäste und kleines Astwerk kreuz und quer im Wald herum. Sie blieben liegen, wo der Harvester sie abgetrennt hat. Für die Bewohner ist das eher ein Bild der Verwüstung als ein Wald, wie man ihn kennt. Sie sind enttäuscht, dass sich das wohl auch nicht ändern wird. Denn nach ihren Informationen soll das Astwerk so liegen bleiben, wie es ist. Und auch Bürgermeisterin Kerstin Pukallus hatte solche Stimmen aus dem Wohngebiet vernommen und die Bundesforst angeschrieben.

Bundesforstbetrieb: Beste Lösung für Wald

Beim Bundesforstbetrieb Vorpommern–Strelitz in Ueckermünde will man es tatsächlich so belassen, wie es ist. Christoph Heindrichs, Betriebsbereichsleiter Binnenland, wirbt um Verständnis für diese Entscheidung. Man führte einen Holzeinschlag und gleichzeitig Sicherungsmaßnahmen an den Straßen per Harvester und Handeinschlag durch. Es sehe derzeit auch noch ein wenig unordentlich aus, räumt er ein. Für den Wald und die Nährstoffzufuhr sei es aber so die beste Lösung. Es erfolge keine  „Vollbaumnutzung“ mehr. Mit den Ästen aus dem Kronenbereich würden so die Nährstoffe in der Fläche verbleiben. Deswegen wolle die Forst in dem Waldstück auch keine Selbstwerber zulassen. Für Brennholz habe man ganz andere Selbstwerber–Flächen, so Heindrichs. 

Forst setzt auf natürliche Verjüngung

Er geht davon aus, dass mit dem Austreiben der Vegetation und mit dem Wachsen von kleinen Kiefern sich das Waldbild für die Anwohner wieder verbessere. Man setze unter dem Dach von großen Kiefern auf einen natürliche Verjüngung, für die die Kiefer solchen offenen Rohboden brauche. Daneben würden in Zukunft auch Eichen, Birken und Ebereschen auf der Fläche wachsen. Alternativ hätte der Bundesforstbetrieb höchstens Buchen pflanzen können, so Heindrichs. Aber dabei hätte man keine Garantie gehabt, dass sie auch anwachsen.

Zwischen Torgelow und Heinrichsruh fanden Verkehrssicherungsmaßnahmen im Auftrag des Forstamts Torgelow am Waldrand statt. Auch hier liegt das Kronenholz noch am Boden.
Zwischen Torgelow und Heinrichsruh fanden Verkehrssicherungsmaßnahmen im Auftrag des Forstamts Torgelow am Waldrand statt. Auch hier liegt das Kronenholz noch am Boden. (Foto: Eckhard Kruse)

Maßnahme fördert Wuchs von kleinen Laubbäumen

Nicht viel anders präsentieren sich derzeit Waldränder an den Straßen von Torgelow nach Heinrichsruh und Liepgarten. Hier ist das Forstamt Torgelow der Landesforst zuständig. „Der Holzeinschlag im Wald sieht heute anders aus als früher“, sagt Forstamtsleiter Thomas König. Auch er spricht davon, dass Kronen für den Nährstoffeintrag oft im Wald zurückbleiben. „Für Förster ist das ein normales Bild.“ Man versuche aber, solche Anblicke an Wohnbebauungen zu vermeiden, und werde Selbstwerbern erlauben, sich Holz zu holen, so dass ein Großteil der Kronen noch verschwinde. Ein anderer Teil gehe an die Industrie.

Die Holzeinschläge an den beiden Straßen habe die Forst durchgeführt, um langfristig die Kosten für die Verkehrssicherung zu senken. Denn dafür würden in jedem Jahr mehrere Zehntausend Euro eingesetzt. Mit der Maßnahme fördere man den Wuchs von kleinen Laubbäumen, so König.

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