Arbeitsplätze bis 2023 sicher

Ueckermünder MAT-Gießerei und Gewerkschaft einigen sich

Ueckermünde / Lesedauer: 4 min

Aufatmen bei 320 Mitarbeitern! Die Verhandlungen zu einem Tarifvertrag zwischen der Gießerei und der IG Metall sind abgeschlossen. Das sieht der Vertrag vor:
Veröffentlicht:08.06.2021, 05:45
Aktualisiert:06.01.2022, 21:59

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Für 320 Beschäftigte der Ueckermünder Gießerei „MAT Foundries“ ist die Zukunft gesichert. Man habe sich auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt, teilten die MAT-Werksleitung und die Gewerkschaft IG Metall am Montag mit. So ein Vertrag gibt dem Unternehmen auf der einen Seite Luft, Investitionen zu tätigen und sich wirtschaftlich stabilisieren zu können. Auf der anderen Seite gibt es für die Belegschaft eine Beschäftigungs- und Standortgarantie. Denn MAT sichert in dem Vertrag zu, mindestens 320 Mitarbeiter bis Ende des Jahres 2023 zu beschäftigen und das Werk bis dahin nicht zu schließen. Außerdem garantiert MAT, dass der Gesellschafter finanzielle Defizite ausgleicht, um eine Zahlungsunfähigkeit auszuschließen.

Allerdings müssen die Beschäftigten bis 2023 auch finanziell zurückstecken. Die Jahressonderzahlung sowie das Urlaubsgeld werden 2021 um 66 Prozent, 2022 um 50 Prozent sowie 2023 um 33 Prozent reduziert. Zumindest alle Beschäftigten, die Mitglied bei der IG Metall sind, werden aber finanziell anderweitig unterstützt. „Alle Mitglieder erhalten pro Jahr einen Bonus von 1.100 Euro“, sagte der Geschäftsführer der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg, Guido Fröschke, nach dessen Angaben rund 240 Beschäftigte der Ueckermünder Gießerei in der Gewerkschaft organisiert sind. Weiterhin bestehen bleibt die Kluft zum Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie. Die Differenz beträgt sechs Prozent. „Sollte es Erhöhungen beim Flächentarif geben, werden diese Erhöhungen übernommen, sodass die Differenz nicht mehr als sechs Prozent betragen wird“, sagte Fröschke.

„Die Arbeitsbedingungen werden sich verbessern!“

In dem Vertrag ist außerdem festgelegt, dass MAT mindestens 200.000 Euro in die Erneuerung der Be- und Entlüftungsanlage investiert und sich das Unternehmen verpflichtet, bis zum Ende der Sommerstilllegung die Atemluftbelastung zu beseitigen. Darüber hinaus verpflichtet sich das Unternehmen, pro Jahr zwölf Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. „Der Altersdurchschnitt bei uns ist hoch. Wir versuchen deshalb, viel Werbung zu machen, und sind immer auf der Suche nach Jungingenieuren und Gießereifacharbeitern“, sagte Jörg Hünike, der als Leiter der Fertigungstechnologie in der Ueckermünder Gießerei tätig ist. Hünike sagte, dass sich die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten künftig verbessern werden. „Wir arbeiten da eng mit dem Betriebsrat zusammen.“ Der neue Betriebsratsvorsitzende Martin Thurow kündigte an, dass es demnächst eine Begehung der Sanitäranlagen geben werde. Über den Zustand der Anlagen hatten sich die Mitarbeiter Anfang 2020 im Rahmen eines Warnstreikes beklagt. „Die Mängel sollen dann abgestellt werden“, sagte Thurow, der Jürgen Bolduan im vergangenen Jahr als Betriebsratsvorsitzender abgelöst hat, nachdem dieser in den Ruhestand gegangen war.

Werksleitung räumt Handlungsbedarf ein

Die Werksleitung bezog am Montag auch Stellung zu der Kritik der Anwohner sowie der Bürgerinitiative „Unser Ueckermünde“ zu den Umweltbelastungen durch die Gießerei. „Was die Staubbelastung angeht, liegen wir deutlich unter dem Limit und bei maximal 30 Prozent von dem, was zulässig ist“, sagte Hünike, der aber auch einräumte: „Probleme gibt es bei der Beladung der Lkw. Dieses Konzept müssen wir überarbeiten und den Beladungsvorgang im geschlossenen Raum durchführen.“ Die Werksleitung gab zu, dass es hinsichtlich der Lärmbelastung Handlungsbedarf gibt, denn während der Nacht sorgt die Gießerei für mehr Krach, als zulässig ist. „Wir haben da Nachholbedarf. Wir liegen 14 Prozent über dem Limit“, sagte Hünike. Mehrere hunderttausend Euro will das Unternehmen investieren. Unter anderem sollen die Schalldämpfer-Anlagen ausgetauscht werden. „Die alten Anlagen sind verschlissen“, sagte Hünike. Des Weiteren sollen die Hallentore mit Doppeltoren ausgestattet werden. Im Dezember 2020 hatte das Unternehmen die Auflage erhalten, die Tore ständig geschlossen zu halten. „Wir haben Widerspruch eingelegt, denn rein technisch ist das nicht möglich. Es gibt bei uns materialintensive Abläufe“, sagte Hünike. Genau für diese Abläufe sollen die Tore im Ausnahmefall geöffnet werden. „Leider sind die Tore aber häufiger offen, weil die Leute noch nicht zu 100 Prozent diszipliniert sind“, sagte Hünike und informierte, dass Umweltminister Till Backhaus (SPD) der Gießerei am 21. Juni einen Besuch abstatten wird. Was die Maßnahmen zur Senkung der Umweltbelastung angeht, erhielt MAT am Montag von der IG Metall Unterstützung. „Man muss dem Betrieb jetzt einmal ein wenig Luft zum Handeln lassen“, sagte Fröschke.

Gute Auftragslage: „Es geht aufwärts“

Währenddessen sollen die Fertigungsprozesse aufgrund der Umweltbelastung in der Mutabor-Halle aufgegeben und wieder vollständig in die Gießerei verlegt werden. Die Produktion werde dadurch aber nicht reduziert, stellte die Werksleitung klar. Insgesamt sei die Auftragslage in diesem Jahr sehr gut, betonte Hünike: „Es geht aufwärts. Wir produzieren in diesem Jahr 47.000 Tonnen und 18 Millionen Bremsteile.“ Und inzwischen produziere die Gießerei auch für Elektroautos. „Wir liefern erste Teile, zum Beispiel für VW.“