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Ladenschließung

Ueckermünder Modegeschäft macht dicht

Ueckermünde / Lesedauer: 2 min

Der Internet-Versandhandel wird immer beliebter. Die Leidtragenden sind die Innenstadthändler, wie ein aktuelles Beispiel in Ueckermünde zeigt.
Veröffentlicht:20.05.2020, 14:30

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Wer regelmäßig durch die Ueckermünder Innenstadt schlendert, dem werden die Aufkleber an den Scheiben des Modegeschäfts „Rostoff“ bestimmt nicht entgangen sein: „Räumungsverkauf – alles muss raus“ steht dort geschrieben. „Nach fast 23 Jahren in der Ueckermünder Innenstadt habe ich mir die Entscheidung, mich von diesem großen Laden zu trennen, nicht leicht gemacht“, sagt Ulf Roggow, der von 1997 bis 2009 auch ein Geschäft in Torgelow hatte.

Die Corona-Krise hat damit nichts zu tun

Wer nun denkt, Corona sei an dem ganzen Übel schuld, der irrt. „Es stand schon vorher fest“, sagt Roggow, nach dessen Angaben die Türen innerhalb der nächsten Wochen endgültig schließen. Nicht die Einschränkungen wegen des Corona-Virus, sondern andere Entwicklungen haben das Geschäft „Rostoff“ unfreiwillig in die Knie gezwungen. „Dieses Ladenlokal ist inzwischen zu groß, der Onlinehandel boomt und macht den kleinen Händlern arg zu schaffen. Zudem muss ein zu großer Warenbestand vorgehalten werden, der sich zu langfristig und mühsam umsetzen lässt“, sagt Roggow. Für seine Branche sei es deshalb äußerst schwierig geworden, so Ulf Roggow: „Im Fernsehen werden Tricks gezeigt, wie man erfolgreich am Preis feilscht. Da entwickelt sich eine Mitnahmementalität, die kleine Händler an ihre Grenzen zwingt.“

„Online-Kaffee schmeckt nicht”

Ulf Roggow wünscht allen anderen Händlern der Ueckermünder Innenstadt Durchhaltevermögen und sowohl freundliche als auch kaufkräftige Kunden. Erst, wenn das letzte Geschäft und das letzte Café schließen müssen, merkt man, dass Online-Kaffe nicht schmeckt“, sagt Roggow.

Gelebt hat Roggow vor allem von Urlaubern und von Stammkunden. „Ich möchte diese Tatsache mit der Mitnahmementalität nicht verallgemeinern. Liebe, nette Kunden haben uns viele Jahre die Treue gehalten. Inzwischen haben wir von einigen Stammkunden lieb geschriebene Zeilen und sogar Geschenke erhalten. Wir waren vor Freude den Tränen nahe“, sagt Roggow. Dass sich einige Kunden in dem Laden so wohlfühlten, hat Roggow besonders seiner Mitarbeiterin Cathleen Hoppe zu verdanken. „Mit ihrer offenen und freundlichen Art hat sie viele Kunden dazu animiert, immer mal wieder im Laden vorbeizuschauen“, sagt der 51-jährige Torgelower.

Vielleicht gibt es einen Neustart

Roggow, der gesundheitlich angeschlagen ist, macht seinen Stammkunden aber zumindest ein wenig Hoffnung auf eine Rückkehr. „Wenn es mir gesundheitlich hoffentlich bald besser geht, werde ich schauen, ob ich ein kleines, günstiges Lädchen finde. Das könnte ich dann allein betreiben und somit das Risiko begrenzen.“