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Vogelkunde

Was fliegt und flattert oder piept denn da?

Eggesin / Lesedauer: 3 min

Am Stettiner Haff können sich Interessenten für einen Vogelbeobachtungskurs anmelden. Eine Ärztin, die diesen bereits mitgemacht hat, schwärmt von den Erlebnissen.
Veröffentlicht:10.02.2024, 15:45

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Als Hausärztin Dr. Sabine Westphal sich vor gut einem Jahr im Besucherzentrum des Naturparks Am Stettiner Haff zu einem Vogelbeobachtungskurs anmeldete, dachte sie eigentlich, über ein solides Wissen der hier lebenden oder zeitweise rastenden Vögel zu verfügen. „Weit gefehlt“, erinnert sie sich zurück. Heute schätzt sie ein, dass sie durch den überaus interessanten Kurs im vergangenen Jahr ihr Wissen über die heimische Vogelwelt nicht nur festigen und erweitern konnte, sondern zusammen mit den anderen Kursteilnehmern auch zwölf spannende Treffen unter der Leitung der beiden Experten Frank Joisten und Werner Lucas erleben durfte.

Riesige Zahl von Singschwänen auf Rapsfeld

„Wir haben gelernt, mit offenen Augen und Ohren durch die Natur zu gehen. Und habe jede Menge einmalige Beobachtungen machen können. Es begann mit einer riesigen Anzahl von Singschwänen auf den Rapsfeldern bei Ducherow, die übrigens jetzt auch wieder zu beobachten und zu hören sind“, erzählt die begeisterte Kursteilnehmerin. Sabine Westphal erinnert sich zudem gern an die Beobachtungen des großen Brachvogels und der zahlreichen Kiebitze. Auch eine Goldammer, die wie ein Fotomodell vor dem Aussichtsturm in Eggesin saß und sich in aller Ruhe beobachten und fotografieren ließ, ist der Eggesinerin besonders im Gedächtnis geblieben.

Kükenalarm auf dem Riether Werder
Kükenalarm auf dem Riether Werder (Foto: Katja Richter)

„Wir durften sogar die Lachmöwenkolonie auf dem Riether Werder besuchen“, schwärmt sie weiter und denkt dabei an die vielen tausend Nester am Boden, teilweise mit Eiern, teils mit Küken. „Sehr beeindruckend waren auch der Nachwuchs des Wiedehopfs und des Mauerseglers für mich“, erzählt sie.

Auch am Rande etliche Entdeckungen

Aber auch an zahlreichen Randerscheinungen durften die Teilnehmer während ihrer geführten Exkursionen teilhaben. „Wir haben Ameisenlöwen bei der Arbeit gesehen, erlebt, wie eine Wildschweinrotte uns begleitete und seltene Pflanzen gefunden“, so die Hausärztin. Für sie sei dieser Vogelbeobachtungskurs ein bunter Blumenstrauß für Körper und Geist gewesen. Besonders hebt sie hervor, dass die Whatsapp-Gruppe der Kursteilnehmer immer noch Bestand habe. Die ehemaligen Teilnehmer würden regelmäßig ihre Beobachtungen mitteilen und die Experten weiterhin über spannende Beobachtungen oder Flugstrecken der beringten Vögel informieren.

Westphals Begeisterung ist die beste Werbung für das aktuelle Angebot der beiden Experten. „Wir planen wieder einen Vogelbeobachtungs- und -bestimmungskurs“, erzählt Frank Joisten, der seit mehr als 20 Jahren im Auftrag des Fördervereins Naturpark Am Stettiner Haff die Vogelschutzinsel Riether Werder betreut. Zusammen mit Werner Lucas möchte er auch in diesem Jahr wieder sein Wissen an Interessierte weitergeben und so gleichzeitig dafür sorgen, dass wichtige Beobachtungen auch weitergeleitet werden.

Seltener Anblick - ein Wiedehopf-Küken
Seltener Anblick - ein Wiedehopf-Küken (Foto: ZVG)

„Unser Kurs dient dazu, die Grundbegriffe der Vogelbeobachtung und Vogelbestimmung zu erlernen. Ziel ist es, in der Region mehr Menschen auszubilden, die die Vogelarten unterscheiden können, sodass diese ihre Beobachtungen auch entsprechend melden könnten“, erklärt Frank Joisten. Die Region sei einfach zu groß dafür, als dass die wenigen Experten alles abdecken könnten. „Uns fallen zu viele tolle Beobachtungen durch den Kescher. Außerdem ist es doch auch schön, wenn man den Vogel bestimmen kann, der da gerade umherfliegt oder -hüpft“, so der Naturschützer, der seinen Teilnehmern auch moderne Mittel wie zum Beispiel Bestimmungs-Apps auf dem Handy erläutern möchte.

Die Kursteilnehmer lernen, mit offenen Augen und Ohren durch die Natur zu gehen.
Die Kursteilnehmer lernen, mit offenen Augen und Ohren durch die Natur zu gehen. (Foto: ZVG)

Auftaktveranstaltung zur Info und zwölf Folgetermine

Am 29. Februar um 18 Uhr seien alle Interessenten zu einer Informationsveranstaltung in die Eggesiner Naturparkstation eingeladen. Hier will Joisten alles Wichtige für den vermutlich einzigen in ganz Mecklenburg-Vorpommern stattfindenden Vogelbestimmungskurs erklären.

Für eine Gebühr von insgesamt 60 Euro werden die beiden Vogelexperten ihre Kursteilnehmer dann ein halbes Jahr lang - einmal im Monat, immer donnerstags - zu einer theoretischen Abendveranstaltung in der Naturparkstation begrüßen, auf die sich dann meist am Wochenende eine entsprechende Exkursion in die Vogelwelt der Region anschließt. „Wir planen also sechs Indoor-Abend-Veranstaltungen und sechs Exkursionen am Wochenende“, fasst Joisten zusammen, damit die zukünftigen Vogelexperten schon mal den zeitlichen Ausbildungsrahmen abschätzen können.