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Depressionen, Krebs, Schlaganfall, Sucht

Wie Menschen sich in Krisen selbst helfen

Vorpommern / Lesedauer: 4 min

In Vorpommern–Greifswald gibt es eine Informations– und Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen. Noch ist viel zu wenig bekannt, dass es dort wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe gibt.
Veröffentlicht:18.04.2023, 06:07

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Wer die eigenen Probleme selbst in die Hand nehmen, sich mit anderen Betroffenen austauschen und nach Lösungen suchen will, für den ist eine Selbsthilfegruppe genau der richtige Anlaufpunkt. Zu verschiedenen Krankheitsbildern, zu psychischen Problemen oder sozialen Anliegen gibt es Selbsthilfegruppen, auch in Vorpommern–Greifswald. Zurzeit sind hier 106 Gruppen gelistet, weiß Elke Landgraf. Von Haus aus Sozialpädagogin, leitet Landgraf die 2020 gegründete Kontakt– und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen in Vorpommern–Greifswald, kurz: KISS, im Auftrag der Volkssolidarität Uecker–Randow.

„Unsere Kontaktstelle ist eine zentrale Anlaufstelle für jegliche Informationen zum Thema Selbsthilfegruppen, hier gibt es zudem Unterstützung in der Gründungsphase, Hilfe bei Förderanträgen, wir können kostenlos Räume für Treffen, Technik und Literatur bereitstellen und sind breit vernetzt“, sagt Elke Landgraf. Anderenorts im Land haben sich solche Kontaktstellen bereits etabliert, weiß die KISS–Chefin, aber in Vorpommern sei immer noch zu wenig bekannt, dass die Kontaktstelle eine richtig gute Starthilfe für Selbsthilfegruppen ist.

Frauen nach Krebs und Schlaganfall–Gruppe besonders aktiv

Besonders viele Selbsthilfegruppen gebe es zum Thema psychische Erkrankungen, aber auch bei anderen Krankheitsbildern fänden sich Betroffene, die sich austauschen und einander helfen. Sehr bekannt und aktiv in der Region seien beispielsweise die Schlaganfall–Selbsthilfegruppe und die Selbsthilfegruppen Frauen nach Krebs. Die Leistungen der Gruppen würden inzwischen als wichtige Ergänzung zum professionellen Gesundheitssystem von den Kostenträgern anerkannt. Daher würden Selbsthilfegruppen, die sich mit gesundheitlichen Problemen befassen, von der gesetzlichen Krankenversicherung gefördert.

Ärzte und Therapeuten würden ihren Patienten oft empfehlen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. „Wir können solche Gruppen wohnortnah empfehlen“, sagt Elke Landgraf. Sie wisse aber, dass die Nachfrage gerade bei psychischen Krankheitsbildern groß ist. „Gern helfen wir bei der Gründung neuer Gruppen, ich bin dann auch beim Ersttreffen dabei, helfe bei der Moderation sowie beim Finden und Anleiten eines Gruppensprechers, denn das ist erfahrungsgemäß immer eine Hürde.“

Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen und Ängsten in Gründung

Wenn Elke Landgraf über ihre Arbeit in der Kontaktstelle berichtet, dann kann sie aktuell auf eine Gruppe der jungen Selbsthilfe verweisen, die sich derzeit in der Gründungsphase befindet. Es sind Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die mit Depressionen und Ängsten zu tun haben. Sie treffen sich regelmäßig in den Räumen der KISS in Pasewalk, sprechen über ihre Probleme, erste Schritte zu Therapien, geben einander Mut und Hoffnung für den Alltag. Die Gruppe hat einen Flyer entworfen, da heißt es „Alles kann, nichts muss“. Wer in einem Tief steckt und nicht weiter weiß, könnte sich in dieser Runde aufgehoben fühlen, meint Elke Landgraf. (Kontakttelefon 039771/529222 oder 0151 1157 6891)

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Betroffene und Angehörigen tauschen sich aus, finden praktische Lebenshilfe, emotionale Unterstützung und Motivation — genau das können Selbsthilfegruppen leisten, sagt Elke Landgraf. Erst vor Kurzem habe sie eine junge Mutter angesprochen, ob es nicht eine Selbsthilfegruppe für Eltern hochsensibler Kinder gebe. Die gebe es noch nicht, aber sie wolle mit Hilfe der Kontaktstelle die Gründung einer solchen Gruppe unbedingt unterstützen, versichert die KISS–Leiterin.

Keine festen Regeln für Arbeit der Selbsthilfegruppen

„Für die Arbeit von Selbsthilfegruppen gibt es keine festen Regeln, jede Gruppe kann ihren eigenen Arbeitsstil entwickeln“, erklärt Elke Landgraf. Alle Mitglieder seien gleichgestellt, es gelte Verschwiegenheit nach außen. „Wir beraten die Gruppen in organisatorischen Fragen, vermitteln auch Referenten, schulen Gruppensprecher und helfen in Krisensituationen“, ergänzt Elke Landgraf das Hilfespektrum durch die Informations– und Kontaktstelle. Ihre Sprechzeiten sind donnerstags von 9 bis 12 Uhr im Ueckermünder Büro in der Chausseestraße 25 (Telefon 039771 529 222) und von 13 bis 17 Uhr im Pasewalker Büro An der Festwiese 38 (Telefon 03973 200 751 3). E–mail: [email protected]