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Drei Monate Swinetunnel auf Usedom – eine erste Bilanz

Swinemünde/Heringsdorf / Lesedauer: 3 min

Die Insel Usedom ist seit drei Monaten über einen Tunnel auf polnischer Seite erreichbar. Wer benutzt diesen besonders oft? Und wurde das befürchtete Verkehrschaos Realität?
Veröffentlicht:30.09.2023, 09:00

Von:
  • Deutsche Presse-Agentur
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Seit Eröffnung des polnischen Swinetunnels hat der Verkehr zwischen den Ostseeinseln Wollin und Usedom deutlich zugenommen. Im Schnitt fahren täglich 16.000 Autos durch den Tunnel unter dem Ostsee-Meeresarm Swine, der die beiden Inseln trennt, wie ein Sprecher der Stadt Swinemünde (Swinoujscie) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Vor der Inbetriebnahme des Tunnels hätten nur 12.000 Fahrzeuge pro Tag die Fähren genutzt. „Es gibt mehr Tagesausflügler, vor allem an den Wochenenden“, sagte Sprecher Jaroslaw Jaz.

Ausbau einer Schnellstraße zur Anbindung

Der Swinetunnel hat auch Bedeutung für den Urlauberverkehr nach Usedom. Neben der Peenebrücke in Wolgast und der Zecheriner Brücke bei Anklam ist es die dritte feste Zufahrt auf die Insel. Die Strecke von Berlin oder Brandenburg über die A11 via Stettin (Szczecin) ist zwar etwas weiter als der Weg über die deutsche Seite, aber sie führt länger über Autobahnen. Außerdem läuft auf polnischer Seite der Ausbau einer Schnellstraße zur Anbindung.

„Der Tunnel wird gut angenommen und gerne von Gästen und Einheimischen in Anspruch genommen“, sagte die Bürgermeisterin der deutschen Nachbargemeinde Heringsdorf, Laura Isabelle Marisken. Viele berichteten, dass sie jetzt statt umständlich und lange an der Fähre zu warten, den Tunnel unkompliziert nutzten. Die Verkehrslage in dem Ostseebad ist zurzeit etwas angespannt, allerdings wegen einer großen Baustelle im Ortsteil Ahlbeck. Kritiker des Tunnelprojekts hatten mehr Durchgangsverkehr auf Usedom befürchtet.

„Chaotische Szenen im Verkehr, die auf den Tunnel zurückzuführen wären, sind mir nicht bekannt“, sagte die Bürgermeisterin. Bei den touristischen Übernachtungen in den ersten acht Monaten des Jahres liegt Heringsdorf knapp drei Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum. Marisken erwartet, dass die neue Route nach Fertigstellung der Schnellstraße Ende 2024 zu einem echten alternativen Zufahrtsweg nach Usedom wird.

Vor allem für Swinemünder von Bedeutung

Bislang ist der Tunnel vor allem für die Einwohner von Swinemünde von Bedeutung, wie Jaz erklärte. Das Zentrum der Stadt liegt nämlich westlich der Swine auf Usedom, der Fährhafen und der Bahnhof befinden sich jedoch auf der östlichen Seite auf Wollin. Die Fahrt zwischen den beiden Inseln dauere nicht mehr 30 bis 40 Minuten, sondern nur noch 10 bis 12. Taxis könnten jetzt ungehindert zwischen den Inseln verkehren. „Man kann eine Pizza bestellen und der Lieferant bringt sie durch den Tunnel“, sagte Jaz.

Seit der Eröffnung des Tunnels am 30. Juni haben ihn rund 1,5 Millionen Fahrzeuge passiert. Die Durchfahrt ist kostenlos. Gefahrguttransporter und langsam fahrende Fahrzeuge müssen die weiter südlich verkehrende Fähre nutzen. Der Bau des rund 1,8 Kilometer langen Tunnels kostete mehr als 200 Millionen Euro. Ein Großteil des Geldes kam von der EU. 2019 waren die ersten Vorarbeiten gestartet. Eine mehr als 3000 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine brauchte rund sechs Monate, um sich ab Mitte März 2021 unter der Swine durchzugraben.