StartseiteRegionalInsel UsedomFlughafen Heringsdorf kämpft noch mit „Corona–Folgen“

Subventionen

Flughafen Heringsdorf kämpft noch mit „Corona–Folgen“

Heringsdorf / Lesedauer: 3 min

Ein Betrieb ohne Subventionen scheint für den Airport nicht absehbar. Grund genug für die Grünen, sich erneut gegen Zuschüsse starkzumachen.
Veröffentlicht:08.08.2023, 07:24

Artikel teilen:

Das Corona–Virus, das fast drei Jahre lang den Flugverkehr weltweit zeitweise komplett zum Erliegen brachte, hat den kleinen Regionalflughafen Heringsdorf tief in die roten Zahlen getrieben. Während 2019 im Jahr vor dem Ausbruch der Pandemie noch 36 179 Passagiere auf der Usedomer Piste landeten oder starteten, waren es 2020 nur noch halb so viele.

Viele Defizite 

Seitdem gingen die Zahlen noch weiter zurück: 2021 wurden nur noch 14 741 Passagiere registriert, 2022 sogar 13 840. Und so schoss das jährliche Defizit des Flughafens während der Pandemie wieder auf 425 000 Euro, den Rekordwert von 2014.Und auch die ersten Zahlen aus diesem Frühjahr sind wenig ermutigend: Im April dieses Jahres sanken die Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahresmonat von 841 auf 310, im Mai von 2226 auf lediglich 1417.

Diese Bilanz hat die seit Jahren geführte Debatte über den ewig defizitären kreiseigenen Landeplatz neu entfacht. Rund 360 000 Euro hatte der Kreis Vorpommern–Greifswald im vergangenen Jahr zugeschossen. Weitere 125 000 Euro kamen von der Gemeinde Heringsdorf.

Erneut Anträge Mittel zu kürzen 

Anträge der Grünen, die jährlichen Zuschüsse zu kürzen, waren in den vergangenen Jahren im Kreistag stets gescheitert. Doch die Fraktion gibt nicht auf: Auf der Kreistagssitzung Anfang Juli hatte Angelika Bittner von den Grünen die hohen Subventionen angesichts der Mehrbelastungen für den Kreis in Höhe von 34,5 Millionen Euro in diesem Jahr und einer ausbleibenden Senkung der Kreisumlage kritisiert. Ihre Parteifreundin Frauke Fassbinder, die Passagierzahlen und die Zuschüsse einschließlich Fördermittel miteinander verglich, hat sogar ausgerechnet, dass — zugespitzt formuliert — de facto jedes Flugticket von den Bürgern des Kreises mit 34,50 Euro unterstützt wird.

Der Bevölkerungsforscher Prof. Herwig Birg hat jedoch stets davor gewarnt, den Flughafen aufzugeben. In einem Gutachten bezifferte er mögliche Steuerausfälle durch eine Flughafenschließung auf drei Millionen Euro, mehr als das Sechsfache des Flughafendefizits. „Eine Schließung würde den Interessen und Lebensbedingungen der Bevölkerung des Landkreises und im Land zuwiderlaufen“, hieß es in dem Papier. Aktuelle Befragungen zeigen zum Beispiel, dass Linienpassagiere wenigstens sieben Tage in der Region bleiben.

Lesen sie auch: Flughafen auf Usedom für 2,4 Millionen Euro modernisiert

Ein wenig Optimismus bleibt 

Trotz negativer Zahlen gibt sich Flughafen–Chef Dirk Zabel deshalb zur Halbjahresbilanz durchaus optimistisch. „Der Linienverkehr konnte weitestgehend mit unseren Topzielen Frankfurt am Main und Luxemburg stabilisiert werden. Die Maschinen sind aktuell sehr gut ausgelastet. Wir hoffen, auch bald wieder Stuttgart, Düsseldorf und Zürich zurückgewinnen zu können.“ Zabel verweist auch darauf, dass man während der Pandemie mit Kassel, Mannheim und Luxemburg neue Ziele und Angebote entwickelt habe. Problematisch seien die in Deutschland noch immer gedrosselten Flugkapazitäten, die aktuell bei etwa 80 Prozent vom Vor–Corona–Niveau lägen.

Die Bewegungen für Privat–, Charter– und Trainingsflüge hätten sich inzwischen wieder stabilisiert, betont der Flughafen–Chef. Die 2015 vereinbarte Kooperation mit der benachbarten polnischen Stadt Swinoujscie (Swinemünde) kam allerdings weitgehend zum Erliegen. Regelmäßige Treffen mit Swinemünder Hoteliers waren während der Pandemie eingestellt worden. Doch auch hier ist der Geschäftsführer eher zuversichtlich: „Denn die Bedingungen für Fluggäste der polnischen Region haben sich durch den neuen Swinetunnel deutlich verbessert.“