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Schlechte Ferien

Reise-Autorin schimpft über Urlaub auf Usedom

Usedom / Lesedauer: 5 min

Auf Usedom Ferien zu machen, kommt für eine Online-Reisereporterin nach negativen Erlebnissen kein zweites Mal in Frage. Was hat sie gestört? Und was sagen die Usedomer?
Veröffentlicht:09.07.2021, 10:30

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Unterm Strich war es für sie ein Reinfall. Redakteurin Angelika Pickardt macht auf der vom Axel-Springer-Verlag betriebenen Internetplattform Travelbook ihrem Ärger Luft. Ihr zweiter Urlaub auf der Insel Usedom sei auch der letzte, schreibt die Autorin für Urlaubs- und Reisethemen.

1. Unfreundliche Menschen

„Einer der Hauptgründe, warum mir die Lust auf Usedom vergangen ist: Ich bin leider vielen Menschen begegnet, die sehr unfreundlich waren. Ob der Kellner im Restaurant, der Verkäufer im Tabakwarenladen oder die Besitzerin der Imbissbude am Hundestrand – sehr viele waren pampig und machten auf mich den Eindruck, als hätten sie keine Lust auf Urlauber. Natürlich waren nicht alle Menschen unfreundlich, aber doch so viele, dass es bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat”, kritisiert Pickardt. Schränkt aber zumindest ein, dass sicher nicht alle Gäste auf dem Eiland so viele negative Erlebnisse hatten.

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2. Langweiliges oder teures Essen

Doch die Menschen allein seien es nicht gewesen, die ihr die Freude an den Ferien getrübt hätten: „Ebenfalls wenig begeistert hat mich die Gastronomie vor Ort – weder vom Angebot noch von den Preisen. Es gibt natürlich viel Fisch, was ich an sich toll finde, aber oftmals frittiert oder im Backteig. Dazu wahlweise Pommes oder Bratkartoffeln. Das mag am Anfang noch lecker sein, aber spätestens am dritten Tag habe ich mich nach gesünderen Alternativen gesehnt. Die findet man sicherlich auch in den gehobeneren Restaurants auf Usedom, aber dort sind die Preise dann nochmal höher, als es schon in vielen der einfacheren Lokale der Fall ist. Alles in allem war die Gastronomie einfach sehr touristisch”, beschreibt die Autorin ihre offenbar eher eingeschränkten kulinarischen Erfahrungen.

3. Schlechte Verkehrsanbindung

Fahren ist das Stichwort: Denn auch die Fahrt auf die Insel sei ein weiterer Grund, warum sie künftig lieber woanders Urlaub machen werde. Die Anbindung sei schlecht. „Von Berlin aus braucht man ins eigentlich nur 220 Kilometer entfernte Seebad Bansin mit dem Auto mehr als drei Stunden, wobei man mehr als die Hälfte der Zeit auf Bundesstraßen fährt. Zudem gibt es nur zwei Zufahrtsstraßen auf die Insel, und die sind vor allem im Sommer oft verstopft. Mit der Bahn ist man von Berlin aus mindestens viereinhalb Stunden unterwegs und muss mehrmals umsteigen. Zwar gibt es Pläne, die einstige Bahnstrecke Berlin-Usedom über eine neue Brücke bei Karnin wiederherzustellen, was die Fahrzeit um zwei Stunden verkürzen würde. Aber bis es tatsächlich so weit ist, dürften Jahre vergehen. Laut Berlins Tourismusbehörde sollen erst 2022 überhaupt Ergebnisse für eine Kosten-Nutzen-Rechnung vorliegen”, hat die genervte Urlauberin recherchiert.

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Tourismusverband hält dagegen

Diese Pauschal-Kritik lassen die Insulaner nicht auf sich sitzen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Frau während der ganzen Woche ihres Aufenthaltes auf der Insel so viele negative Begegnungen hatte, dass diese überwiegen und dass nichts Gutes zu berichten sei. Ich denke, es kommt auch darauf an, mit welcher Einstellung man anreist, und die Dame hatte ja bereits einen Aufenthalt bei uns in nicht so guter Erinnerung. Ich hoffe nicht, dass sie diesmal die Bestätigung dafür gesucht hat”, sagt Nadine Riethdorf auf Nordkurier-Nachfrage.

Die Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom hält nichts von derartiger „General-Schelte”. „Was das Service-Personal betrifft, habe ich so viel Freude nach Corona erlebt, wieder arbeiten und für die Gäste da sein zu dürfen. Natürlich hat jeder mal einen schlechten Tag. Aber das sollten die Urlauber in den seltensten Fällen spüren.”

Zum Thema Essen findet die Vereinschefin die Kritik auch überzogen: „Wir sind ja als Insulaner auch Gäste in den Restaurants auf der eigenen Insel. Ich kann solche schlechten Erfahrungen, wie die Urlauberin sie schildert, nicht unterschreiben. Zudem weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, seine so durchweg negativen Aussagen in einem Blog zu präsentieren. Ein Gespräch mit dem Personal oder in den Tourismusbüros sind doch auch ein Weg, seinem Ärger Luft zu machen. Vielleicht geht es da aber auch nur um die Anzahl von Leuten, die das lesen sollen”, gibt Nadine Riethdorf Kritik zurück.

In einem Punkt allerdings pflichtet sie der Berlinerin bei: „Die Situation mit der Infrastruktur stört uns ja auch. Die ist unbefriedigend. Aber so schnell kann man da trotz aller Bemühungen nichts machen. So etwas koste viel Geld und viel Zeit. Aber auch die Touristiker bleiben da dran. Und es ist ja auch nicht jeden Tag extremer Stau auf den Straßen. Aber ich kann den Ärger schon verstehen. Die meisten Menschen jedoch erleben bei uns einen schönen Urlaub und nehmen auch diese guten Eindrücke mit.” Vielleicht überlege es sich die tadelnde Touristin ja doch noch mal und gebe der Insel wieder mal eine Chance.

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Danach sieht es aktuell in ihrem Bericht nicht aus. Während es auch in diesem Jahr Tausende auf die Insel Usedom zieht und sicher nicht alle den Post von Travelbook lesen oder sich davon abschrecken lassen werden, hat Angelika Pickardt ein Fazit gezogen: „Wenn ich das nächste Mal Urlaub in Deutschland mache, dann sicher wieder an der Müritz oder am Scharmützelsee. Das ist näher, fühlt sich fast an wie am Meer – und die Menschen waren dort bisher immer durchweg freundlich.”