Sommerurlaub

Touristiker auf Usedom wollen Verkehrskollaps zur Hauptsaison verhindern

Wolgast / Lesedauer: 3 min

Zweieinhalb Stunden brauchten neulich Gäste von der Insel Usedom zurück aufs Festland. Der Frust unter den Urlaubern sei groß, sagt ein Touristiker. Der dürfte wohl noch anwachsen.
Veröffentlicht:27.05.2023, 06:50

Von:
  • Silke Voß
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Deutschlands beliebter Ferieninsel Usedom droht kurz vor der Hauptsaison der Verkehrsinfarkt: Beide Brückenzugänge zur Insel müssen repariert werden. Das „Blaue Wunder“ erleben Autofahrer mit der Reparatur Anfang September des Dauerpatienten Peenebrücke Wolgast, zudem drohen Vollsperrungen der Zecheriner Brücke im Juni, wegen „Notinstandsetzungen“. Die 1996 eingeweihte Brücke weise große Fahrbahnschäden auf, hieß es dazu jüngst aus dem Schweriner Verkehrsministerium. Erst 2028 soll eine neue Hochbrücke Abhilfe schaffen.

Lesen Sie hier mehr dazu: Verkehrskollaps auf Usedom - Tourismus in Gefahr?

Zweieinhalb Stunden von Usedom aufs Festland

Die Saison aber hat bereits begonnen und lässt nichts Gutes erahnen. Rolf Seelige–Steinhoff, Chef der Seetel–Hotelgruppe, brauchte jüngst geschlagene zweieinhalb Stunden für die 50 Kilometer von Ahlbeck nach Anklam für einen Gästetransfer, wie er verärgert mitteilte. „Der Frust ist groß. Wenn die überhaupt wiederkommen, können wir von Glück reden.“

Wie das erst werden solle, wenn die Baustellen pulsieren? Touristiker wie Seelige–Steinhoff sehen einer Verkehrskatastrophe entgegen. „Es ist doch furchtbar, wenn die Gäste einen schönen Urlaub verleben und dann dieser letzte katastrophale Eindruck bleibt.“ Er findet, es reicht mit den Krisen seit den letzten drei Jahren, es müsse da nicht noch eine, hausgemachte, auf die ohnehin gebeutelte Branche zukommen. Hotelier Rolf Seelige–Steinhoff jedenfalls findet, dass ein parallel stattfindender Brückenbau verhindert werden müsse. Gewisse Arbeiten ließen sich auch im Oktober und November bei den derzeit erwartbaren milden Wintern beziehungsweise in anderen Schichten vollziehen, die zumindest die Wochenenden entlasten.

Genervte Touristen, genervte Usedomer

Auch Regine Raffelt vom Koserower Hotel Hansekogge beobachtet jetzt schon, dass Touristen genervt ankommen und die Hoteliers bereits deren Ärger abbekommen. Und ihr Mann Michael Raffelt, Mitglied der Usedomer Tourismusgesellschaft, findet deutliche Worte: „Die Politik ist derzeit, die Unterstützung des Tourismus betreffend, ein Buch mit sieben Siegeln.“ Michael Raffelt sieht diesen wichtigen Wirtschaftszweig in den letzten Jahren ohnehin als Stiefkind Schwerins. Das habe sich bereits bei den längsten Schließungen bundesweit im „Tourismusland“ MV während der Coronapandemie gezeigt. 

Touristiker wie Rolf Seelige-Steinhoff fürchten einen Verkehrskollaps auf Usedom. (Foto: Stefan Sauer)

Mehr noch: Es betrifft ja nicht nur die Gäste, die bereits auf alle möglichen (Feld)wege ausweichen und in Kolonnen an den Häusern der Insulaner vorbeiziehen. Auch die Lebensqualität der Einwohner ist stark eingeschränkt, weiß Jörg Hasselmann, Vizelandrat von Vorpommern–Greifswald. Zudem müssen Hotelmitarbeiter regelmäßig von und auf Usedom fahren.

Swine–Tunnel könnte neues Problem verursachen

Ist die Insel etwa nicht für solch einen Tourismus–Ansturm ausgelegt? Eine Frage, die den Kreispolitiker nachdenklich macht. Zwar sei der Auswuchs von Bettenburgen in den letzten Jahren gebremst worden, so Hasselmann. Immerhin aber seien weitere Großbauprojekte im Tourismus–Sektor auf der Insel geplant — was aber Sache der Kommunen sei. Hasselmann setzt zur Entlastung auf Fahrradtourismus — doch auch diesbezüglich sei die Infrastruktur nicht besonders gut. Auf jeden Fall passe „die Verkehrssituation nicht mehr zur Anzahl der Touristen“.

Der im September zu eröffnende Swinemünde–Tunnel werde zwar einiges an Verkehr an der Insel vorbeilenken, glaubt Hasselmann. Doch auch dieses Projekt weise einen Haken auf: Denn dann kommen alle Autos am Kreisel in Ahlbeck an, der schon jetzt überlastet ist.

Die Touristiker vermissen eine langfristige und für alle transparente Planung seitens der Landespolitik. Um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wollen sie in der kommenden Woche mit Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) an einem Tisch zusammenkommen. Geklärt werden müsse, welche Bauarbeiten jetzt tatsächlich absolut notwendig seien und wie, etwa durch Ampelschaltungen, ein fließender Verkehr gewährleistet werden kann.