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Oben ohne immer rund um den Plauer See

Oben ohne durch die Landschaft: Bei schönem Wetter fährt der rote Doppeldecker mit offenem Verdeck, so dass die Fahrgäste den freien Blick auf die idyllische Natur genießen können.
Petra Konermann

Wenn der rote Doppeldecker Fahrt aufnimmt, dann rollt er rund um den siebtgrößten deutschen Binnensee – eine Landschaft zum Genießen mit viel Geschichte und Geschichten.

Busfahrer Willi Eggert kann nichts aus der Ruhe bringen. Auch nicht der Malchower Kreisel, der so gar nicht als Bushaltestelle ausgelegt ist – schon gar nicht für einen so großen Doppeldecker-Bus. In diesem Jahr aber muss der Kreisel am Malchower Ortseingang eine Haltestelle sein, denn die Baustelle der neuen Drehbrücke verhindert, dass der rote Bus wie sonst durch die Altstadt-Straße rollen kann. Macht nichts: Wer mitfahren möchte in dem besonderen touristischen Linienbus, findet den provisorischen Haltepunkt mitten auf dem Erddamm-Kreisel trotzdem.

Oben, in der zweiten „Etage“ des Busses, ist schon richtig was los: Eine Hortgruppe der Kita „Eichhörnchen“ aus Meyenburg hat sich dort niedergelassen. „Wir machen einen Ausflug ins Schullandheim Zislow“, berichtet Erzieherin Petra Hahn. Als der ungewöhnliche Bus die Kinder ausnahmsweise direkt aus Meyenburg abholte, seien die Kinder in Begeisterungsstürme ausgebrochen. „Der Bus sieht toll aus, kein Wunder, dass sie sich freuen mitzufahren“, sagt Petra Hahn.

Eine Etage tiefer am Lenkrad nimmt Busfahrer Eggert Kurs aus Adamshoffnung. Seit 1975 ist er Busfahrer, das 40. Berufsjubiläum möchte er erreichen. Seit drei Jahren lenkt er den großen Bus um den Plauer See, „eine gemütliche Reise“, wie er zugibt. Von drängelnden Brummi-Fahrern lässt er sich längst nicht mehr stören. Zwischen 35 und 40 Kilometer macht der Doppeldecker pro Stunde.

Zwischen Adamshoffnung und Zislow geht es gar nicht schneller: Dort ist das Asphaltband so schmal, dass sich Fahrzeuge aneinander vorbei quetschen müssen. Vorsichtig manövriert Eggert den Bus zum Haltepunkte Zislow. Hier ist die quirlige Hortgruppe am Ziel: Spielen, essen, toben – das wollen die Kinder jetzt in dem Urlauberdorf. In zwei Stunden kommt der Bus wieder und bringt sie zurück.

Die nächsten Gäste steigen zu. Willi Eggert schiebt das rote Faltdach zur Seite – der Cabrio-Bus setzt sich in Richtung Bärenwald in Bewegung. Dort haben die Gäste einen exklusiven Blick aus über vier Metern Höhe. „Ganz toll ist der Bärenwald“, sagt Eggert, der extra langsam fährt, damit die Gäste einen Blick auf die Braunbären erhaschen können.

Welche Aufgabe der Bärenwald in Stuer als Tierschutz- Einrichtung erfüllt, das erfahren die Busreisenden über den Audio-Guide. Ein Sprecher erzählt von Bären aus schlechten Haltungsbedingungen, von ihrem neuen, artgerechten Leben im Bärenwald, aber auch von der Bedeutung des Ortes als Gerichtsstand im Mittelalter. Die war sogar so groß, dass der Plauer See einst Stuerscher See hieß.

Gemütliches Tempo lässt Landschaft genießen

Diese Zeiten sind längst vorbei: Als Plauer See ist das Gewässer unter dem „neuen“ Namen deutschlandweit bekannt, und zwar nicht nur bei Wassersportlern, sondern auch bei Raubfisch-Anglern: Vor allem als gutes Hecht-Revier habe der See unter Kennern einen Namen.

Inge Ballmann aus Leipzig, zugestiegen mit ihrem Mann in Plau, kann mit dieser Information nicht viel anfangen, schließlich sei sie keine Anglerin. Aber die Informationen über Plau und das Land findet sie spannend. „Ich genieße das gemütliche Tempo, da sieht man wirklich was von der Landschaft.“

Willi Eggert weiß, wo die Sehenswürdigkeiten zu entdecken sind, und lässt den Bus langsamer rollen: Am „Moorochsen“, dem Aussichtspunkt am Nordufer des Plauer Sees, rasten unzählige Wildgänse, schräg gegenüber hat der Fischadler seinen Horst. Der Bus rollt durch Teile des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide. In Alt Schwerin lockt das neu gestaltete Agroneum, gleich dahinter, wieder in Malchow, der Affenwald.

Über die Autobahn geht es dann zurück nach Malchow. Hier steigen Jan und Maria Grezel aus dem niederländischen Emmen aus. Ihr Wohnmobil steht in Plau, der Rundbus führt sie bequem in die Nachbarstadt Malchow. Über den Erddamm schlendern sie in Richtung Altstadt. Busfahrer Eggert ist schon längst wieder unterwegs.

Kontakt zur Autorin: p.konermann@nordkurier.de