Uckermärkische Entdeckungen

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„Perle“ in einer Burgen-Kette

Erhaltenswert und kulturhistorisch interessant: Der mittelalterliche Bergfried und das barocke Herrenhaus im uckermärkischen Zichow.
Hartwig K. Neuwald

Die Uckermark bietet viele kulturhistorische Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen – nicht nur die, die in jedem Reiseführer zu finden sind.

Neben jenen bekannten Baudenkmälern, deren Besuch zum Pflichtprogramm der meisten Urlauber und Touristen gehört, gibt es abseits der großen Orte und Straßen viel Interessantes zu entdecken. Mit etwas Spürsinn stößt man selbst in kleinsten Ortschaften der Uckermark auf bemerkenswerte Zeugnisse der Kulturgeschichte. So auch in Zichow, einem kleinen Dorf zwischen Prenzlau und Schwedt. Wann der Ort gegründet wurde, ist nicht bekannt. Schon 1288 taucht das Dorf in einer Urkunde des Klosters Gramzow auf. Interessant ist seine Erwähnung als „veste Zcichow“ 1354, die auf die Existenz einer Befestigungsanlage an diesem Ort hindeutet.

Grenzsicherung nicht immer erfolgreich

Wahrscheinlich gehörte die Zichower Feste zu einer Kette von Burgen entlang der Oder und Randow, die damals die Grenze zwischen Pommern und Brandenburg sichern sollten. Dass diese Grenzsicherung nicht immer erfolgreich war, zeigt die wechselnde Zugehörigkeit des Dorfes im 13. und 14. Jahrhundert: So gehörte Zichow bis 1250 zu Pommern, danach zur Mark Brandenburg. Durch den Vertrag von Oderberg gelangte es 1354 erneut unter die Herrschaft der pommerschen Herzöge.

Erst mit einem Vergleichsvertrag zwischen Friedrich I. und seinem Schwager, dem Pommernherzog Joachim, fällt der Ort schließlich 1446 endgültig an Brandenburg. Seit 1456 bis zu ihrer Enteignung war die Burg dann Sitz der Familie von Arnim. Als letzter Zichower Vertreter dieses uckermärkischen Adelsgeschlechts verließ Hans-Georg Graf von Arnim den Ort erst im April 1945 in Richtung Holstein.

Burgreste im Dorfzentrum

Wer heute nach den Spuren der mittelalterlichen Burganlage sucht, findet deren Reste im Zentrum des Dorfes. Dort bildet der alte Bergfried mit dem benachbarten barocken Herrenhaus und dem ehemaligen Gutspark ein sehenswertes historisches Ensemble.

Obwohl es sich bei dem freistehenden Wehrturm nur um den kläglichen Rest der einstigen Burg handelt, beeindruckt dieses Bauwerk noch immer. Mit einer Mauerstärke von bis zu 2,50 Meter und einer Höhe von knapp 20 Meter lässt die Turmruine die einstige Größe und Wehrhaftigkeit der Feste erahnen.

Wohnschloss der Familie von Arnim

Nachdem die Burg im Laufe der Zeit immer mehr an militärischer Bedeutung verlor, begann Ende des 16. Jahrhunderts ein Umbau der Anlage. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurde aus der Befestigung ein „Wohnschloss“, mit dem die Familie von Arnim ihre gestiegenen Ansprüche an Wohnqualität und Repräsentation verwirklichte. Der Bau des stattlichen Herrenhauses, das im Dorf noch heute „das Schloss“ genannt wird, erfolgte dann unter Georg Dietloff I. von Arnim (1679-1753) in der Zeit um 1745.

Dem Bau vorausgegangen war ein Brand auf dem Burggelände, durch den ein Großteil der alten Gebäude unbewohnbar wurde. Beim Neubau des Barockstil-Gebäudes, nutzte man teilweise die mittelalterlichen Mauerreste weiter. Davon zeugen die bis heute erhaltenen Kellergewölbe aus dem 14. Jahrhundert sowie bis zu 2 Meter dicke Mauerteile des Gebäudes. In der Folgezeit wurde die ursprünglich dreiflüglige Anlage mehrmals um- und ausgebaut. So stammen die beeindruckenden Stuckarbeiten in den Innenräumen erst von der letzten größeren Umgestaltung zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man das Gebäude dann für sehr unterschiedliche Zwecke. Schon in den ersten Nachkriegstagen fanden hier Flüchtlinge und Umsiedler eine Unterkunft. In den fünfziger Jahren zog dann die Schule in einen Teil der Räume. Weitere Nutzer waren die Maschinen-Traktoren-Station, die hier ihr Büro einrichtete sowie der Kindergarten des Ortes. Auch die Poststelle des Dorfes und eine Betriebsküche fanden hier ihren Platz. Nach dem Ausbau des Dachgeschosses diente dieses als Wanderstützpunkt, den viele Schulklassen für ihre Ausflüge nutzten. Seit 1990 steht das ehemalige Herrenhaus leer.

Wer sich für Kulturgeschichte interessiert, sollte dem Dorf Zichow einen Besuch abstatten. Neben der Burgruine und dem barocken Herrenhaus überrascht dort auch die frühgotische Dorfkirche mit ihrer reichenInnenausstattung.