Ein Meer aus Lichtern

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Schiffsleuchten vom Toplicht bis zur Ankerlaterne

Harald Krabbe
Die Steuerboard-Laterne eines Frachters gehört zu den großen Exemplaren in der Sammlung von Harald Krabbe.
Ralph Sommer

Harald Krabbe hat auf der Insel Poel Deutschlands größte Privatsammlung historischer Schiffslaternen erschaffen. Mittlerweile gehören schon über 500 Bordlampen aus aller Welt zu seinem Fundus.

Irgendwie erinnert der Garten von Harald Krabbe auf der Insel Poel ein bisschen an einen Tonnenhof. Zwar stehen hier nicht hunderte Seezeichen und Schifffahrtstonnen herum. Stattdessen wird die Szene von unzähligen alten Schiffslaternen beherrscht. Abends, wenn es dunkelt, zündet der 61-Jährige oft einige Toplichter und versucht die Geschichten der verwitterten alten Leuchten zu ergründen.

„Die Laternen könnten einiges erzählen“, sagt Krabbe. „Doch leider ist in den meisten Fällen nicht mehr belegt, auf welchem Schiff sie einst strahlten.“ Nur das jeweilige Zulassungsdatum ist in das Laternenglas eingraviert.
Seine Leidenschaft für die historischen Schiffslaternen hatte im Jahre 2005 begonnen. „Damals spazierte ich während meines Urlaub in Jütland über einem sogenannten Lobbemarked“, erinnert er sich. „Ich stieß auf eine Schiffslaterne aus dem Jahre 1937 und erstand sie.“

Ankerlaternen, Rundumlaternen und echte Raritäten

Inzwischen reicht ein umgebauter Carport kaum noch aus, um die größte deutsche Privatsammlung von Schiffslaternen aufzunehmen. Zu den 504 zerbeulten und mit Patina überzogenen Laternen in den Regalen gehören klassische Steuerbord- und Backbord-Lampen, Top- und Hecklichter, Ankerlaternen, Rundumlaternen und echte Raritäten. Sie stammen von 22 deutschen und 17 ausländischen Herstellern, darunter aus den USA, Italien, Schweden, den Niederlanden, Großbritannien und sogar aus Japan – gefunden auf Flohmärkten, im Internet und auf Abwrackwerften. Den Wert eines Mittelklassewagens habe er bereits in die einzigartige Sammlung investiert, schätzt Krabbe.

Zu sehen sind Uralt-Laternen, die noch mit Petroleum oder Gas ihr Positionslicht über das Meer warfen. Später wurden sie durch elektrisch betriebene Lampen ersetzt. Inzwischen werden fast ausschließlich nur noch LED-Lampen eingesetzt. „Die interessieren mich aber nicht“, sagt Krabbe. „Die haben keinen Charme.“

Ältestes Exponat ist weit über 100 Jahre alt

Der Bauingenieur im Vorruhestand zeigt auf die Gravur einer verrosteten Lampe, die vor fünf Jahren beim Aufräumen in einer Scheune in Rendsburg entdeckt wurde. Auf der trüben Glasscheibe ist das Datum 12.12.08 eingeritzt. Die größte Leuchte bringt es auf 80 Zentimeter Höhe. Die kleinste stammt aus den USA und ist kaum größer als ein Hühnerei. Auch die kleinen Motorbootlampen aus DDR-Produktion sind in dem Mini-Museum zu sehen, durch die Harald Krabbe angemeldete Besuchergruppen hin und wieder führt. Inzwischen ist Krabbe so etwas wie eine Institution geworden. Längst hat sich sein Hobby herumgesprochen. Nicht nur Besucher sind interessiert. Oft ersuchen auch Seeleute bei ihm Hilfe.