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All-inclusive-Urlaub kann teuer werden

Bei All-inclusive-Reisen gibt es einiges zu beachten. Nicht immer ist alles enthalten, was Urlauber zunächst erwarten.
Bei All-inclusive-Reisen gibt es einiges zu beachten. Nicht immer ist alles enthalten, was Urlauber zunächst erwarten.
© anyaberkut-Fotolia.com

All-inclusive-Ferien sind beliebt. Für Familien mit Kindern bietet die  Rundumverpflegung im Hotel finanzielle Sicherheit. Doch das Bändchen am Arm heißt nicht überall das Gleiche – für Urlauber gibt es einiges zu beachten.

Der All-inclusive-Urlaub boomt. Der Anteil der Reisen mit der beliebten Vollverpflegung ist bei den Veranstaltern im vergangenen Touristikjahr um zwölf Prozent gestiegen. Das ergab eine neue GfK-Studie zum Reiseverhalten der Deutschen. Dieses Jahr könnte es noch mehr sein. Denn durch den schwachen Euro zahlen Urlauber in vielen Ländern tendenziell mehr, wenn sie das Hotel verlassen und sich auswärts verpflegen.

All inclusive ist aber nicht gleich all inclusive. „Das ist kein Begriff, der irgendwie definiert ist“, sagt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Man erwartet vielleicht Vollpension und dass alle nicht-alkoholischen Getränke im Preis inbegriffen sind. Als Urlauber sollte ich aber nachfragen, was tatsächlich eingeschlossen ist.“ Gerade besondere alkoholische Getränke seien nicht selbstverständlich. „Der Umfang kann wirklich sehr unterschiedlich sein. Da sind die Veranstalter völlig frei.“

Das bestätigt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV): „All inclusive definiert jeder Veranstalter für seine Produkte selbst.“ Hier muss der Urlauber letztlich im Reisekatalog nachschauen, was für Leistungen enthalten sind. „Essen und Trinken sind in der Regel inbegriffen – das zählt klassischerweise zu all inclusive.“ Mittlerweile gibt es aber viele Spielarten, die zum Beispiel auch Wellness- oder Sportangebote einbeziehen können.

Das Konzept sei je nach Zielgruppe anders, erklärt Stefanie Schulze zur Wiesch, Marketing-Chefin bei Tui Deutschland. „All inclusive für Familien heißt zum Beispiel, dass die Kinder immer Softdrinks und Eis aus der Truhe bekommen. Und die Kinderbetreuung im Hotel ist inkludiert.“ Bei Tui ist der Magic-Life-Club „die Mutter des all inclusive“, wie Schulze zur Wiesch sagt. Dort gibt es ein vielfältiges Sportangebot inklusive. „Der Urlauber kann Wasserski fahren, Tennis spielen und sich Mountain-Bikes leihen.“

All inclusive ist viel mehr als bloße Vollverpflegung

Bei den All-inclusive-Sportangeboten von Thomas Cook ist oft alles dabei, was man auf dem Wasser machen kann: Katamaran-Fahrten, Schnuppertauchen, Wasserski. Es gibt aber auch Tennis- oder Golfschnupperkurse. „Das ist etwas für Reisende, die ihren Urlaub im Wesentlichen im Hotel verbringen und zwischendurch ein wenig Sport machen möchten“, erklärt Markus Leutner, der sich bei Thomas Cook und Neckermann um die Produkte auf der Nah- und Mittelstrecke kümmert.

„All inclusive hat beim Karibik-Urlaub angefangen“, erzählt Leutner. „In der Dominikanischen Republik gab es um die Hotels herum kaum Infrastruktur, deshalb sind die Urlauber oft in den Hotels geblieben.“ Im Hotelpreis enthalten waren dann Verpflegung und Drinks, aber auch Sportarten wie Tennis und Segeln. „Später hat man gemerkt, dass das in anderen Zielgebieten auch funktioniert.“

In Europa ist heute vor allem die Türkei als Destination für All-inclusive-Urlaub bekannt, der Anteil an entsprechenden Hotels ist hoch. „In Ägypten, in der Türkei und in der Dominikanischen Republik ist weit über 90 Prozent der Angebote all inclusive“, sagt Thomas-Cook-Experte Leutner.

Viele neue Hotelanlagen wurden nämlich in Regionen gebaut, die nicht in der Nähe eines Ortes liegen. „Gerade dort, wo es nur wenig gewachsene Infrastruktur gibt, lohnt sich das Konzept“, erläutert DRV-Sprecherin Sibylle Zeuch.

Das Bändchen am Arm kommt aus der Mode

Tui nennt als Beispiel für eine solche Situation die Kapverden. „Dort zum Beispiel kann ich nicht vor die Tür gehen und zwischen zehn Restaurants auswählen“, sagt Schulze zur Wiesch. „Dort liegt der All-inclusive-Anteil bei über 90 Prozent.“ Im Gesamtmarkt schätzt ihn Tui auf 25 Prozent. Bei dem Veranstalter selbst ist es auf der Mittelstrecke deutlich mehr.

Und für wen lohnt sich all inclusive? Verbraucherschützerin Beate Wagner denkt vor allem an Urlauber, die – logischerweise – viel essen und trinken und von den Einrichtungen der Hotels und Clubs regen Gebrauch machen. „Und für Familien ist das Konzept immer relevant, weil sie Budgetsicherheit haben möchten und nicht jedes Mal mit den Kindern verhandeln wollen“, ergänzt Schulze
zur Wiesch. „Das reduziert den Stress.“

Die GfK-Zahlen belegen: All inclusive ist keineswegs ein überholtes Konzept. Alle großen Veranstalter – von Tui über Thomas Cook und
Der Touristik bis FTI – bieten All inclusive. „Der Trend ist, dass es immer noch ein Trend ist“, sagt die Tui-Marketingchefin. Früher erkannte man die All-inclusive-Urlauber an einem Bändchen am Handgelenk. „Das wird es sicher noch geben, aber es kommt immer mehr aus der Mode“, sagt Sibylle Zeuch.

Mit dem Klischee des hamsternden Buffetplünderers hat der All-inclusive-Urlauber nicht viel gemein. Im Gegenteil, den Trend zu dem Konzept gibt es sogar im Luxussegment. „Beispielsweise sind dann auch Spezialrestaurants im Paket enthalten und nicht nur das Hauptrestaurant“, berichtet Markus Leutner. „Oder der Butlerservice ist im Preis mit inbegriffen.“

Was sich hinter all inclusive verbirgt, ist also ganz verschieden – genauso wie der Urlauber, der solche Angebote in Anspruch nimmt. Stefanie zur Schulze Wiesch sagt: „Es gibt keinen typischen All-inclusive-Urlauber.“