Stress für Kunden

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Fliegen wird teurer und die Bahn fällt oft aus

Ohne Air Berlin fehlen zehntausende angebotene Sitze. Die Lufthansa kann daher die Preise anziehen, wird jetzt aber von Verbraucherschützern und dem Kartellamt überprüft.
Ohne Air Berlin fehlen zehntausende angebotene Sitze. Die Lufthansa kann daher die Preise anziehen, wird jetzt aber von Verbraucherschützern und dem Kartellamt überprüft.
Wolfgang Kumm

Seit der Air-Berlin-Pleite hat das Angebot an Inlandsflügen abgenommen. Für Flugtickets müssen Reisende jetzt mehr zahlen. Viele steigen auf die Bahn um.

Seit der Air-Berlin-Pleite ärgern sich viele Kunden über deutlich gestiegene Ticketpreise. Die Bahn kann das zum Teil für sich nutzen. Auf den Fernverkehrsstrecken komme die wachsende Nachfrage auch von früheren Flugpassagieren, die nach der Insolvenz der ehemals zweitgrößten deutschen Airline auf die Schiene gewechselt seien, erklärte der Bundeskonzern am Wochenende.

Ärger über Ticketpreise

Preissprünge fürs Fliegen im Inland in Folge des geschrumpften Angebots dürften mit ein Grund dafür sein. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, berichtet von zunehmendem Kundenfrust. Derzeit sei „eine deutliche Steigerung der Beschwerden über Ticketpreise“ zu verzeichnen, sagte er. Es sei daher gut, dass das Bundeskartellamt die Preisgestaltung beim Branchenprimus Lufthansa überprüfe. „Dann erwarten wir natürlich auch, dass notfalls Konsequenzen gezogen und auch Preise zurückerstattet werden.“

Die Lufthansa hatte von normalen Marktmechanismen gesprochen. Müller sagte jedoch: Niemand verlange, dass Fliegen immer sehr günstig sein müsse. „Aber es darf eben auch nicht so sein, dass die Lufthansa hier Monopolgewinne abschöpft.“

Prüfung der Lufthansa angekündigt

Das Kartellamt hatte Ende November eine Prüfung bei der Lufthansa angekündigt. Der Konzern betont, die Tarifstruktur nicht verändert zu haben. Höhere Durchschnittspreise entstünden durch größere Nachfrage. Ein Teil dieser Nachfrage verschiebt sich nun auf die Schiene: Die Deutsche Bahn meldet mehr Fahrgäste auf ihren Fernstrecken. Das hänge mit der Pleite von Air Berlin sowie mit neuen eigenen Angeboten wie der Schnellbahn-Trasse Berlin-München zusammen – auf der es allerdings Probleme gibt.

„Explizit für die bisherigen innerdeutschen Hauptverbindungen von Air Berlin, nämlich München-Berlin, Köln/Düsseldorf-Berlin und München-Köln/Düsseldorf, haben wir deutlich mehr Buchungen“, sagte ein Sprecher. Insgesamt verzeichne die Bahn seit Oktober steigende Buchungszahlen – um „mehr als zehn Prozent für die nächsten Monate“.