Reise-Tipp

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Mit dem Schiff durchs Eisbärenland

Es ist das Jagdgebiet der Eisbären. Sie trotzen der Kälte, dem Schnee und Eis. Vom Deck aus kann man die Tiere beobachten.
Es ist das Jagdgebiet der Eisbären. Sie trotzen der Kälte, dem Schnee und Eis. Vom Deck aus kann man die Tiere beobachten.
Hurtigruten/Ilga Krimmelbein

Alfred Wegener durchquerte 1913 als erster Deutscher Grönland. Bis heute kommen nur wenige Urlauber – das gilt auch für Spitzbergen. Eine Expeditionsreise per Schiff in die weiße Wildnis.

Schon der Name klingt wie eine Verheißung: „Fram“, so hieß das legendäre Schiff, mit dem sich Fridtjof Nansen von 1893 bis 1896 im Nordpolareis einfrieren ließ. Nie zuvor hatte ein Holzschiff so dem Druck des Packeises widerstanden. Könnte es ein besseres Omen für die bevorstehende Kreuzfahrt ins ewige Eis geben?

Es ist alles andere als eine normale Kreuzfahrt. Die 14-tägige Tour mit der „Fram“ ist eine Expedition. So trifft man an Bord des Schiffs auch nicht auf eine Reiseleitung, sondern auf ein Expeditionsteam. „Wir werden auf unserer Reise Orte besuchen, auf denen nur wenige Menschen ihren Fußabdruck hinterlassen haben“, erklärt Expeditionsleiterin Anja Erdmann den 223 Gästen an Bord.

Die Expedition beginnt im hohen Norden Europas, in Spitzbergen – dort wo der Niederländer Willem Barents im Jahr 1596 Land entdeckte. Robben- und Walfänger, Fuchs- und Eisbärenjäger wagten sich auf diesen unwirtlichen Archipel. Nach der Entdeckung von Kohlevorkommen entstand 1906 in Longyearbyen eine erste Siedlung.

Der Rumpf streift die ersten Eisschollen

Am Abend nimmt die „Fram“ ihren Kurs nach Grönland auf. An Bord wird es windig, und während der über 1000 Kilometer langen Überfahrt melden sich die ersten Eisschollen mit einem dumpfen Klopfen an den stählernen Rumpf des Schiffes. Kapitän Arild Hårvik beruhigt seine Passagiere, die ihn besuchen: „Das ist Eis der Klasse 1b, also ungefährliches Neueis aus diesem Jahr. Alteis ist mächtiger, und Eisberge umfahren wir grundsätzlich.“ Er und seine Crew stehen nun Tag und Nacht auf der Brücke.

Weder während der Überfahrt noch an den langen Abenden kommt Langeweile auf. Dafür sorgen allein schon die elf Mitglieder des Expeditionsteams, zu dem gestandene Wissenschaftler und Grönlandexperten gehören. Mit Vorträgen, Dia-Shows und Videos zu Flora und Fauna, zum Leben von Inuit und Trappern in der Arktis bereiten sie ihre Gäste auf die bevorstehenden Landgänge vor. Schnell entwickelt sich eine familiäre Atmosphäre, wozu die kleine Zahl der Passagiere und die gemeinsamen Teestunden auf „Aussichtsdeck 7“ beitragen.

Am Nachmittag des folgenden Tages erreicht die „Fram“ die ostgrönländische Küste auf 76 Grad, 46 Minuten nördlicher Breite. So weit nördlich wagen sich nur selten Passagierschiffe vor. Auch Alfred Wegener war 1906 bei seiner ersten Grönlandfahrt als Mitglied einer dänischen Expedition an diesem Ort gelandet. Hier in Danmarkshavn baute der Wissenschaftler aus Berlin bis 1908 die erste meteorologische Station auf der größten Insel der Welt auf, und von hier startete er 1913 auf seine zweite Expeditionsreise – die Inlandeisüberquerung. Mit motorgetriebenen Gummibooten geht es an Land, wo das kleine Meteorologenteam bereits wartet.

Schneehasen und Polarfüchse zeigen sich

Auf der Weiterfahrt Richtung Süden fährt die „Fram“ in einstige Trappergegenden. Es geht durch enge Fjorde, vorbei an riesigen Eisbergen und Gletschern. Es lassen sich jetzt Schneehasen, Polarfüchse und Eisbären gut ausmachen. Besteigt man die Küstenberghöhen, ergeben sich herrliche Blicke auf eine kontrastreiche Naturlandschaft. Auf der Insel Ella Ø hat es sich ein Eisbär vor der Trapperhütte gemütlich gemacht, die ursprünglich besucht werden sollte. In Scoresbysund heißt es Abschied nehmen von Grönland, bevor die „Fram“ die Überfahrt nach Island antritt.