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Rente immer öfter mini statt üppig

Statistisch macht auch die Rente dieser Bewohnerinnen des Seniorenzentrums in Frankfurt (Oder) 85 Prozent ihrer gesamten Alterseinkünfte aus.  FOTO: Patrick Pleul

Immer mehr Armut bei Älteren trotz Arbeit? Fast jeder zweite Rentner bekommt von der gesetz-lichen Rentenversicherung weniger als 700 Euro im Monat. Das ist ...

Immer mehr Armut bei Älteren trotz Arbeit? Fast jeder zweite Rentner bekommt von der gesetz-
lichen Rentenversicherung weniger als 700 Euro im Monat. Das ist nicht einmal das Niveau der Grundsiche-
rung im Alter. Christoph Slangen hat die Hintergründe zum Thema zusammengetragen.

Wie verbreitet sind
Mini-Renten?
Es gibt sie immer häufiger: Rund 48 Prozent aller Rentenbezieher erhielten 2012 weniger als 700 Euro Rente, mehr als 20 Prozent weniger als 300 Euro. Von den Neurentnern sind es 54,85 Prozent. Künftig dürfte die Zahl wachsen. Bert Rürup, der die rot-grüne Rentenreform vorbereitet hat, weist darauf hin: Derzeit müsste man mehr als
40 Jahre bei einem Stundenlohn von 10,50 Euro arbeiten, um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erhalten. Ein Viertel der Beschäftigten verdient aber weniger.

Welche Gründe für
Mini-Renten gibt es?
Das Rentenniveau ist in den vergangenen Jahren abgesenkt worden, um die Rentenfinanzen stabil zu halten. Niedrige Renten können zudem auf längeren Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Teilzeit beruhen. Unter jenen, die 2012 in Erwerbsunfähigkeitsrente gingen, liegt der Anteil mit weniger als 700 Euro bei rund zwei Drittel.
Auch hat die Erwerbstätigenquote von Frauen deutlich zugenommen. Wenn früher die Rollen meist getreu dem Schema des Alleinverdienerehepaars mit einer Frau, die sich um Kinder und Küche kümmerte, verteilt waren, arbeiten Frauen inzwischen viel häufiger – allerdings oft nur in Teilzeit. 73 Prozent der Westrentnerinnen erhalten deshalb eine Rente unter Grundsicherungsniveau.

Wie wichtig ist die
gesetzliche Rente?
Die Haushaltseinkommen aller Ehepaare und Alleinstehenden ab 65 Jahren liegen laut Rentenversicherungsbericht 2012 durchschnittlich bei 1818 Euro.
Ehepaare erreichen gemeinsam 2433 Euro, alleinstehende Männer 1560 Euro.
Daran zeigt sich: Die gesetzliche Rente ist längst nicht die einzige Einkommensquelle im Alter. Einnahmen beispielsweise aus Betriebsrenten, Riester-Rente, Mini-Job oder Vermietung und Verpachtung kommen hinzu. Im Westen macht die gesetzliche Rente im Schnitt 53 Prozent der Alterseinkünfte aus, im Osten 85 Prozent. Bei Ehepaaren mit Kleinstrenten (unter 250 Euro) macht die gesetzliche Rente nur vier Prozent des Haushaltsbruttoeinkommens aus, bei Alleinstehenden acht Prozent. Gerade Mini-Rentenempfänger haben oft hohe andere Einkünfte. Dies gilt jedoch nicht für alleinstehende Frauen.

Wie viele Menschen sind
im Alter arm?
Grundsicherung im Alter beziehen trotz weit verbreiteter Niedrigrenten laut Bundesarbeitsministerium nur
2,5 Prozent der Älteren. Das spricht dafür, dass niedrigere Renten durch Einkünfte des Ehepartners oder eigene Zusatzeinkünfte fast immer über das Grundsicherungsniveau angehoben werden.
Andererseits wird auch mit einer Dunkelziffer gerechnet: Senioren, denen Grundsicherung zwar zustehen würde, die dies aber nicht wissen oder sich schämen, staatliche Hilfe zu beantragen.
Zudem gibt es eine steigende Zahl von Rentnern, die Minijobs ausüben: Im Herbst 2012 waren 812000 über 65-Jährige nebenbei mit bis zu 400 Euro Einkommen tätig. Sozialverbände vermuten, dass diese Rentner in der großen Mehrzahl karge Renten aufbessern und womöglich erst durch die Minijob-Einkünfte den Gang zum Grundsicherungsamt vermeiden können. Wie viele aus Not, wie viele aus Spaß oder zur Aufbesserung einer auskömmlichen Rente im Alter arbeiten, ist unklar.

Was planen die Parteien gegen Altersarmut?
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Mini-Renten langjährig Versicherter unter bestimmten Bedingungen wie zusätzlicher privater Altersvorsorge auf bis zu 850 Euro aufstocken. Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, sollen zudem Beitragspunkte gutgeschrieben erhalten. Die SPD setzt auf eine Solidarrente für Geringverdiener, die mindestens 850 Euro nach 30 Rentenbeitragsjahren betragen soll, ähnliches sehen die Grünen unter dem Namen Garantierente vor. Die Linke fordert 1050 Euro Mindestrente. Die FDP sieht keine direkten Maßnahmen gegen Altersarmut vor.