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Ring-Duell: Freunde als Rivalen

VonThomas WolferundManfred HönelWenn morgen in Berlin Marco Huck und Ola Afolabi um den WM-Titel im Cruisergewicht kämpfen, kommt es auch zum Wettbewerb der ...

Helden in Unterhosen: Marco Huck (rechts) und Ola Afolabi wollen morgen den Titel. [KT_CREDIT] FOTO: Martin Schutt

VonThomas Wolfer
undManfred Hönel

Wenn morgen in Berlin Marco Huck und Ola Afolabi um den WM-Titel im Cruisergewicht kämpfen, kommt es auch zum Wettbewerb der besten deutschen Box-Trainer Ulli Wegner und Fritz Sdunek.

Berlin.Wenn sich Ulli Wegner und Fritz Sdunek unterhalten, wirkt das mitunter wie das Gespräch eines alten Ehepaares. Kein Wunder. Die beiden Trainerlegenden des deutschen Boxens kennen sich seit 44 Jahren, trinken privat gerne mal ein Bier zusammen und sind immer für einen Scherz über den anderen zu haben. Doch wenn morgen ihre Schützlinge Marco Huck (Wegner) und Ola Afolabi (Sdunek) in Berlin erneut um den WM-Titel im Cruisergewicht kämpfen, ruht die Freundschaft für wenige Stunden. „Diesmal werden wir deutlich siegen, Marco hat einen riesigen Siegeswillen“, sagt Wegner über WBO-Champion Huck. Doch auch der fünf Jahre jüngere Sdunek ist sich seiner Sache sicher und glaubt an einen Erfolg des britischen Pflichtherausforderers Afolabi: „Ola ist technisch besser. Er ist variabler und auch schneller als Marco.“
Es ist erst das vierte Mal, dass sich Wegner und Sdunek hinter den Ringecken mit ihren Profiboxern gegenüberstehen, etwas Spezielles ist es für die gebürtigen Mecklenburger, die beide einst den Beruf des Traktoren- und Landmaschinenschlossers gelernt haben, aber nicht. „Für mich ist das keine besondere Sache. Ich kann mich mit dem Begriff Trainer-Duell auch nicht anfreunden. Die Boxer stehen im Ring“, sagte Sdunek. Auch Wegner sieht die Situation vor dem mit Spannung erwarteten dritten Fight zwischen Huck und Afolabi in der Max-Schmeling-Halle gelassen. „Für das deutsche Publikum hat es natürlich einen Reiz, wenn sich zwei erfolgreiche deutsche Boxtrainer mit ihren Kämpfern gegenüberstehen“, sagte der 71-Jährige: „Auf der anderen Seite haben Fritz und ich uns schon früher zu Amateurzeiten gegen die Konkurrenz aus der ganzen Welt mit unseren Athleten durchgesetzt.“ Zum ersten Mal in einem Profikampf trafen beide vor 13 Jahren aufeinander, als Sduneks Witali Klitschko den Hallenser Timo Hofmann im Schwergewicht bezwang. Sieben Jahre später triumphierte Wegners Arthur Abraham gegen Khoren Gewor im Mittelgewicht durch K.o. Im vergangenen Jahr hatte es zwischen Huck und Afolabi in Erfurt ein Unentschieden gegeben. Zur ersten Begegnung kam es aber schon viel früher. 1969 war Sdunek Amateurboxer (120 Kämpfe/99 Siege) und bestritt in Gera einen Kampf gegen Wegners Schützling. „Ich gewann nach Punkten“, sagt Sdunek, der sich noch genau an den Fight erinnert. Ab den frühen 70er Jahren förderten dann beide den Boxsport in der DDR: Sdunek in Schwerin, Wegner in Berlin. „Der Fritz hatte es leichter, weil sie in Schwerin die besseren Talente hatten“, sagt Wegner. Als Mitgestalter des erfolgreichen DDR-Systems lernten sich die Lehrmeister kennen, teilten sich sogar ein Zimmer. „Mich nervte, dass Fritz immer die Mutter der Kompanie sein wollte. Ständig kamen in der Mittagspause Boxer in unser Zimmer, die von ihm massiert werden wollten. Oder er störte, weil er Wäsche waschen musste“, erinnert sich Wegner. Zumindest diese Geschichte nervt Sdunek an seinem Weggefährten: „Das mit dem Waschen war nur zwei- oder dreimal, aus reiner Kollegialität.“ Ansonsten sprechen beide mit viel Respekt voneinander.