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Ringen um Konzepte für Obdachlose

VonPaulina JasmerEtwa 190 000 Euro müssen für das Obdachlosenhaus eingespart werden. Die Stadtverwaltung und der Arbeiter-Samariter-Bund buhlen nun mit zwei ...

VonPaulina Jasmer

Etwa 190 000 Euro müssen für das Obdachlosenhaus eingespart werden. Die Stadtverwaltung und der Arbeiter-Samariter-Bund buhlen nun mit zwei Vorschlägen um die Gunst der Stadtvertreter.

Neubrandenburg.Siegt am Ende der Sparzwang oder doch die Verpflichtung zur Fürsorge? So könnten sie sich in der Tat gegenüberstehen, die beiden Konzepte rund um die Neuausrichtung des Obdachlosenhauses. Laut Haushaltskonsolidierungskonzept müssen 190 000 Euro eingespart werden (der Nordkurier berichtete).
Da wurde in der Vergangenheit zwar auf das über zwei Jahrzehnte währende Engagement des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) verwiesen, doch mit Beginn der Kreisgebietsreform ist der Komplex des Sozialen auf den Landkreis übergegangen. Einzig Ordnung und Sicherheit verbleiben im Aufgabenbereich der Stadt. Und die muss sparen.
Deshalb sollen die Mitarbeiter des ASB künftig nicht mehr für die Wohnungslosen da sein. Ihre Finanzierung falle schließlich nicht mehr in städtische Kompetenz. So soll der Vertrag mit dem ASB bis 30. Juni zum Ende des Jahres hin gekündigt werden, bestätigt Peter Modemann, zweiter stellvertretender Bürgermeister.
Das will Frank Brehe, Geschäftsführer des ASB, verhindern. So lange hätten sich seine Mitarbeiter nun schon um die Menschen gekümmert und das habe bisher gut funktioniert. „Man hat doch eine soziale Verantwortung“, merkt er an. Brehe hat den Stadtvertretern jetzt ein Konzept zukommen lassen, das aufschlüsselt, wie der ASB Kosten einsparen und dennoch gleichzeitig weiterhin für die Obdachlosen da sein will. Das könne über die Gebührenerhöhung von fünf Euro auf 8,15 Euro pro Nacht, durch Verringerung des Personalbestandes und durch Minimierung der Bettenzahl gewährleistet werden.
„Doch das können wir besser“, sagt Peter Modemann. So habe die Stadt ebenso eine Idee entwickelt. Die Übernachtungsstätte mit zwölf Plätzen soll über der jetzigen ASB-Tagesstätte, die über den Kreis finanziert wird, eingerichtet werden. Aus dem jetzigen Obdachlosenhaus soll ein Haus für niederschwelliges Wohnen entstehen. Das Städtische Immobilienmanagement (SIM) trete dabei als Vermieter auf.
Um Ordnung und Sicherheit in der Übernachtungsstätte sollen sich zwei Personen kümmern und ab und zu nach dem Rechten sehen. Eine 24-Stunden-Aufsicht wie jetzt falle damit weg, so Modemann. Notschalter sollen Feuerwehr oder Polizei alarmieren, wenn es zu brenzligen Situationen kommt.
In den Maßnahmen sieht die Stadtverwaltung ein höheres Einsparpotenzial als im ASB-Konzept. Diese Einsparungen würden laut Modemann auch dadurch erreicht, dass die Betroffenen aller Voraussicht nach nur einen Monat in der Übernachtungsstätte bleiben dürften. „Das gewährt ihnen die Zeit und Chance, sich eine Wohnung zu suchen“, so Modemann. Dass es für einige schwierig sein könnte, wegen Mietschulden eine Wohnung zu bekommen, dessen sei sich die Stadt bewusst. „Da muss man dann vermitteln.“

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p.jasmer@nordkurier.de