KURTAXE AUF RÜGEN

Am Binzer Strand zahlen jetzt auch Zwölfjährige

Fast 4900 Menschen haben die Petition gegen eine Kurtaxe für Einheimische auf Rügen unterschrieben. Doch die Gemeindevertretung von Binz winkt die neue Satzung durch.
Binnen eines Tages haben fast 5000 Rüganer eine Petition gegen eine Kurkarte für Einheimische unterschrieben.
Binnen eines Tages haben fast 5000 Rüganer eine Petition gegen eine Kurkarte für Einheimische unterschrieben. Stefan Sauer
Binz ·

Binnen eines Tages haben fast 500 Rüganer die von Kirsten Hagemann initiierte Petition gegen eine Kurkarte für Einheimische unterschrieben. Doch Binz scheint das wenig zu beeindrucken. In einer Sondersitzung haben die Gemeindevertretung am Montag die von Kurverwaltung und Hauptausschuss vorgeschlagene neue Satzung durchgewunken, wie Bürgermeister Karsten Schneider (Pro-Binz) dem Nordkurier bestätigte.

Damit müssen mit Ausnahme der Binzer selbst nicht nur Urlauber und Tagesgäste, sondern auch Rüganer und Kinder ab dem zwölften Lebensjahr zum Beispiel für das Betreten des Strandes ganzjährig eine Tagesgebühr von 2,80 Euro zahlen. „De facto wird aber auch von den Binzer Einwohnern selbst eine Kurabgabe eingezogen, nur zahle diese die Gemeinde selbst“, unterstrich der 55-Jährige.

Unterdessen plädiert Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) dafür, die Kurtaxe in Mecklenburg-Vorpommern generell abzuschaffen und stattdessen durch eine Tourismus-Abgabe für Firmen zu ersetzen, die vom Tourismus profitierten. „Für mich ist eine Kur-Abgabe ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert“, sagte er der „Ostseezeitung“. Das vom Land geplante neue Abgabengesetz sollte auf moderne Instrumente der Tourismus-Finanzierung setzen. Dazu gehöre auch eine freiwillig zu erwerbende Gästekarte mit Extra-Nutzen wie die Nutzung von Erlebnisbädern, Theatern und kostenlosem Nahverkehr.

„Kurtaxe stellt Heimatgefühl in Frage”

Die Idee habe durchaus Charme, gesteht der Binzer Bürgermeister Schneider. Es bleibe aber die Kardinalsfrage, wie man konkret Tourismus künftig finanzieren und auf solide Füße stellen will. Auch Schneider plädiert für mehrere Finanzierungssäulen wie die Tourismusbranche, aber auch das Land.

Unterdessen haben fast 4900 Menschen die Rügener Petition gegen eine Kurabgabe für Einheimische unterzeichnet. Zu ihnen gehört auch Rügens ehemaliger Umweltamts-Chef Dr. Bodo Noack, der in Bergen wohnt und oft mit seiner Frau entlang der Inselstrände wandert. „Die Kurabgabesatzungen von Binz und weiterer Gemeinden Südostrügens schränken für Tagesgäste und damit für viele Bürger der Insel Rügen die freie Zugänglichkeit der Landschaft, der Siedlungen und somit auch des Strandes ein, denn sie machen sie entgeltpflichtig“, kritisiert er. Das sei so nicht hinzunehmen, weil es das Heimatgefühl in Frage stelle. Die Kurabgabesatzungen seien ein Beispiel für die „Kleinstaaterei auf dieser Insel“ und gehörten insgesamt auf den Prüfstand.

Wolfgang Bethge aus Sassnitz findet es inakzeptabel, wenn sich Bürgermeister der Insel, an die ja die Petition gerichtet sei, nicht verantwortlich fühlten, weil sie ja angeblich nur ein Landesgesetz umsetzten. „Wenn es um den Kommunalausgleich geht, dann können sie ja auch sehr nachdrücklich werden.“

Urlauber solidarisieren sich mit Rüganern

Nicht die Landesregierung, sondern jede Gemeinde könne über ihre Kurtaxenregelung entscheiden, pflichtet Hans Homann aus Bergen bei. Binz tue ja gerade so, als ob jeder Binzer Bürger maximal die Vorteile der Kurtaxe in Anspruch nehme und dem Ort dadurch 450.000 Euro Kosten entstünden.

Und auch immer mehr Urlauber solidarisieren sich mit den Inselbewohnern: „Ich bin als Tourist gerne auf Rügen und wünsche mir, dass ich in dieser Eigenschaft von den Rüganern wertgeschätzt werde. Ich befürchte, dass sich das ändert, wenn Einheimische mit Touristen gleichgestellt und trotz der lokalen Besteuerung, sowie des aufgrund des Tourismus ohnehin hohen Preisniveaus durch eine Kurtaxe zur Kasse gebeten werden“, sagt zum Beispiel Tobias Oehlsen aus Wolfsburg.

Und Sabrina Wollnik aus Bremen schreibt: „Ich selbst lebe zwar leider nicht auf Rügen, aber auch als Tourist, finde ich, sollten die Einwohner kostenlos den Strand nutzen dürfen.“

 

Zurück nach MV

Wir informieren Sie bei aktuellen Entwicklungen und Entscheidungen über die Reisebeschränkungen für Zweitwohnsitzler in Mecklenburg-Vorpommern per E-Mail.

Keine Sorge, das Angebot ist für Sie kostenlos und mit keinerlei Verpflichtungen verbunden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Binz

zur Homepage

Kommentare (3)

Hier trennt man arm und reich am strand. Wer sich das entgeld nicht leisten kann darf sich auch nicht mit den dicken vermögenden im sand und wasser suhlen. Heute gehts ums geld, früher wurde man wegen der gesinnung diskriminiert.

trennt euch von dieser Gemeindevertretung - ihr werdet nur benutzt

Selber dran schuld, mehr fällt mir dazu nicht ein