Baustelle verwaist

:

B96-Vollsperrung auf Rügen ohne Straßenarbeiten

Bereits im vergangenen Jahr war die B96 bei Ralswiek für Monate voll gesperrt.
Bereits im vergangenen Jahr war die B96 bei Ralswiek für Monate voll gesperrt.
Stefan Sauer

Seit einer Woche ist ein Abschnitt der B96 auf Rügen gesperrt, weil die Fahrbahn erweitert werden soll. Doch bisher hat sich an dem Asphalt nichts getan.

Wenn im Sommer die Störtebecker-Festspiele in Ralswiek auf Rügen laufen, reist so gut wie jeder Gast über die B96 an. Vor Beginn und nach Ende der Vorstellungen auf der Freilichtbühne gibt es regelmäßig so starken Verkehr, dass Fußgänger es kaum schaffen, zwischen den vielen Autos die Straße zu überqueren.

Kaum sind die Festspiele vorbei, nimmt das Verkehrsaufkommen rapide ab. Ein Anlass zur Freude für die Inselbewohner, sollte man meinen. Ist es aber nicht. Im Gegenteil. In diesem Jahr erwarteten so manche Inselbewohner das Ende der Störtebecker-Festspiele mit Sorge. Der Grund: eine angekündigte Vollsperrung der B96 zwischen Bergen im Zentrum der Insel und Ralswiek weiter im Norden.

Nach Angaben des Straßenbauamts Stralsund wird die Strecke bis Juni 2019 gesperrt bleiben, weil die Fahrbahn erweitert werden soll. Seit einer Woche bereits blockieren Bauzäune den Weg. Schilder verbieten die Durchfahrt. Doch am Asphalt hat sich bisher nichts getan.

Geld für B96-Ausbau ist bereits ausgegeben

Das Straßenbauamt sieht darin wohl nichts ungewöhnliches und begründet den Stillstand mit Termin-Abstimmungen. Zunächst hätte es Baumfällarbeiten an der Strecke gegeben, heißt es. Dafür sei ein Zeitfenster von einer Woche eingeplant worden. Offenbar ging aber alles schneller als geplant. Straßenbauarbeiter waren auf dem Abschnitt der B96 bisher dennoch nicht zu sehen, da sie eben auch zu einem festen Termin beauftragt worden seien. Deshalb, so das Straßenbauamt, sei es bisher noch nicht zu Arbeiten an der Fahrbahn gekommen.

Die offizielle Umleitung über die B196 bedeutet nicht nur für Autofahrer mehr Zeit, mehr Kosten und mehr Ärger. Da auch der lahmgelegte Bahnverkehr auf der gesamten Insel durch Schienenersatz-Busse abgewickelt wird, hat sich beispielsweise die Reisezeit von der Hafenstadt Sassnitz im Nordosten Rügens bis nach Stralsund für Kunden der Deutschen Bahn nahezu verdoppelt.

Der Ausbau des etwa drei Kilometer langen B96-Abschnitts hat nach Auskunft der Straßenbauverwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bisher 4,32 Millionen Euro gekostet, und damit so viel, wie für die gesamte Bauzeit bis Juni 2019 veranschlagt worden ist.