LEBENSGEFÄHRLICHE VERWECHSLUNG

Sammler auf Rügen vergiftet: Diesen Pilz haben sie gegessen

Auf Rügen haben sich drei Menschen eine lebensgefährliche Pilz-Vergiftung zugezogen. Zwei von ihnen mussten mit Hubschraubern ins Krankenhaus gebracht werden. Jetzt ist klar, welcher Pilz für ihre Probleme verantwortlich ist.
Matthias Stiel Matthias Stiel
Den giftigen Pantherpilz (auf diesem Foto) kann man leicht mit dem Perlpilz (nächstes Bild ) verwechseln.
Den giftigen Pantherpilz (auf diesem Foto) kann man leicht mit dem Perlpilz (nächstes Bild ) verwechseln. ©fine pics - stock.adobe.com
Der Perlpilz (auf diesem Foto) sieht dem Pantherpilz zum Verwechseln ähnlich.
Der Perlpilz (auf diesem Foto) sieht dem Pantherpilz zum Verwechseln ähnlich. © plysuikvv - stock.adobe.com
Der Riesen-Schirmlings weist nur entfernte Ähnlichkeit zum Perlpilz auf und ist – wie dieser – essbar.
Der Riesen-Schirmlings weist nur entfernte Ähnlichkeit zum Perlpilz auf und ist – wie dieser – essbar. © Fotograf Jastorf - stock.adobe.com
Sellin.

Der Verdacht hat sich bestätigt: Auf der Insel Rügen haben sich vergangene Woche drei Menschen tatsächlich eine Pilzvergiftung zugezogen und sind an dieser schwer erkrankt. Dies bestätigte die Stralsunder Polizei am Montag. Mittlerweile ist auch klar, welche Pilze sie gegessen haben.

Den drei ausländischen Arbeitskräften, die in Sellin untergebracht sind, war am Donnerstag nach dem Essen übel geworden. Eine 22-Jährige verließ die Wohnung in Sellin, um Hilfe zu holen, kehrte aber nicht zurück. Ihr Betreuer wollte dann die anderen zwei Betroffenen – eine Frau und einen Mann – ins Krankenhaus nach Bergen fahren. Auf dem Weg dorthin ging es den beiden aber rapide schlechter.

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Mit Hubschraubern ins Krankenhaus

Der Fahrer rief daher die Rettungskräfte. Zwei Hubschrauber brachten den Mann und die Frau schließlich ins Krankenhaus, vor dem Abflug waren sie schon nicht mehr ansprechbar. Bereits im Verlauf des Freitags wurde jedoch mitgeteilt, dass sie nicht mehr in Lebensgefahr schwebten. Ebenso wie die 22-Jährige, die Hilfe holen wollte. Denn auch sie war zwischenzeitlich in das Stralsunder Krankenhaus gebracht worden.

Die Ärzte fanden sogar heraus, um welche Pilze es sich gehandelt hat. Demnach sollen es keine illegal erworbene „Drogenpilze” gewesen sein, sondern im Wald gesammelte. Was da aber im Korb gelandet war, ist kreuzgefährlich. Denn die drei hatten Pantherpilze gegessen.

Pilzexpertin wundert sich über Verwechslung

Petra Bonin, Pilzsachverständige aus Neubrandenburg, wird sofort hellhörig, als es um eine Pilzvergiftung durch Pantherpilze geht. Zwar kann die Polizei nicht sagen, welche Pilze die drei Vergifteten eigentlich sammeln wollten. Aber für Bonin kommt da im Grunde nur ein Verdächtiger in Frage: Der essbare und sehr schmackhafte Perlpilz.

Perl- und Pantherpilz werden häufig verwechselt, denn sie haben beide einen bräunlichen Hut mit vielen losen Tupfen darauf. Die Tupfen können jedoch vom Regen abgewaschen oder durch Berührung abgerieben werden. Die Pilze kommen auch an den gleichen Standorten vor, wachsen etwa zur gleichen Zeit und haben eine ähnliche Konsistenz.

Pantherpilz und Perlpilz unterscheiden

Bei genauerem Hinsehen lässt sich eine Verwechslung laut Bonin jedoch anhand von drei entscheidenden Merkmalen vermeiden. Der Pantherpilz hat zum einen immer ein schneeweißes Fleisch. Das Fleisch bei Perlpilzen ist hingegen an Fraßstellen und wenn man die Huthaut leicht abzieht rötlich.

Ein zweites Merkmal ist im Übergang vom Stiel zu Knolle zu finden: Der Pantherpilz wächst aus einer Knolle mit deutlich wulstigem Rand heraus. Die Knolle des Perlpilzes ist hingegen nicht wulstig.

Drittes Unterscheidungsmerkmal: Unter dem Hut der beiden Pilze befindet sich eine Manschette. Diese ist beim Pantherpilz glatt, während der Perlpilz an dem Ring immer längs gerieft ist. Bei jungen oder geschlossenen Pilzen ist die geriefte Manschette jedoch nicht erkennbar.

Laut des Portals „natur-lexikon.com” sind mehr als 100 Gramm frische Pantherpilze für einen Erwachsenen tödlich. Aber auch wer weniger als 100 Gramm isst, kann heftige Probleme bekommen. Diese reichen von Bauchschmerzen und Erbrechen über Angstzustände, Halluzinationen und Tobsuchtsanfälle bis hin zu Muskelkrämpfen, Lähmungen und Koma. Das Portal warnt davor, dass die drogenartige Wirkung die des Fliegenpilzes bei Weitem übersteigt. In ein bis zwei Prozent der Fälle stirbt der Vergiftete.

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Steinpilz-Zeit ist vorbei

Petra Bonin sieht beim Pilzesammeln derzeit ein generelles Problem: Aktuell sei die Steinpilz-Zeit praktisch vorbei. Daher nehmen die Pilzsammler mit, was sie stattdessen finden können und von dem sie meinen, es zu kennen. Gerade Menschen mit schwachem Immunsystem sowie Kinder und ältere Menschen müssten jedoch besonders vorsichtig sein. „Pilze sind ein heimtückisches Volk”, sagt Bonin und warnt davor, Pilze in die Pfanne zu werfen, bei denen man sich nicht zu 100 Prozent sicher ist.

Im Zweifelsfall sei es immer besser, einen Pilzexperten zu fragen. Oder man lässt den Pilz lieber im Wald stehen. Um sein Wissen über Pilze aufzubessern, empfehlen sich unter anderem die jährlichen Europäischen Pilztage auf dem Marktplatz in Neubrandenburg. Die Pilztage finden jeweils am 4. Samstag im September statt und wurden in diesem Jahr von mehr als 1000 Menschen besucht. Diese konnten sich 183 unterschiedliche Pilz-Arten genau ansehen und erklären lassen.

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Kommentare (1)

wird der Magen entleert, sofern der Verzehr nicht zu lange zurückliegt. Zur Bindung der Giftstoffe wird Aktivkohle verabreicht und der Darm wird durch die Gabe von Abführmitteln entleert, um die Pilzreste aus dem Darm zu befördern und die Aufnahme von noch mehr Gift zu verhindern. Gegen die Krämpfe werden krampflösende, gegen die Erregungszustände beruhigende Mittel (zum Beispiel Benzodiazepine) gegeben. Um die Nieren anzuregen und das Blut zu spülen, kann eine Infusion mit isotonischer Kochsalzlösung angelegt werden.