BODDENHECHT-FORSCHUNG

Keine Schuldzuweisung an Angler auf Rügen

Wie geht es dem Boddenhecht in den Gewässern um Rügen? Ein Nordkurier-Bericht dazu hat für Wirbel gesorgt.
Für das Monitoring sind einem Teil der Hechte Peilsender implantiert worden, zu erkennen an der Naht hinter der Brustflos
Für das Monitoring sind einem Teil der Hechte Peilsender implantiert worden, zu erkennen an der Naht hinter der Brustflosse. Robert Arlinghaus
Rügen.

Die Nordkurier-Berichterstattung über die Zwischenergebnisse im Boddenhecht-Monitoring vom Donnerstag ist bei den beteiligten Forschern auf ein gemischtes Echo gestoßen. Zwar freuen sich die Wissenschaftler, wie sie in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme schreiben, über die öffentliche Wahrnehmung ihrer Arbeit. Allerdings fühlen sie sich in einigen Punkten nicht korrekt wiedergegeben.

Inwiefern Angler der Hauptgrund für den Bestandsrückgang sind, ist umstritten

In dem Zwischenbericht verweisen die Wissenschaftler darauf, dass die Hechtbestände in den ostdeutschen Boddengewässern abgenommen haben. Zugleich fügen sie an, dass die Zahl der Angler in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat und die Bodden inzwischen einem Angelaufwand von 400 000 Angeltagen pro Jahr ausgesetzt sind.

Inwiefern Angler der Hauptgrund für den Bestandsrückgang sind, ist aber umstritten – und die Forscher betonten jetzt noch einmal, sie wollten ihre Ergebnisse nicht dahin gehend interpretiert wissen, dass Angler die Hauptschuld für die Bestandsentwicklung trügen. So gebe es weitere Faktoren wie den Einfluss von Stichlingen auf die Hechtbrut, die Vernichtung von Hechtlaichwiesen, den Rückgang von Krautbereichen, die Verschmutzung im Greifswalder Bodden und den Rückgang des Beutefisches Hering. Darauf hatte der Nordkurier allerdings auch schon in seiner ersten Berichterstattung zu diesem Thema hingewiesen.

Forscher wollen offenbar bislang gute Zusammenarbeit mit Anglern am Bodden nicht gefährden

Dennoch weisen die Forscher insbesondere die im Nordkurier-Bericht aufgestellte These, der Fisch sei überangelt, vehement zurück. Diese einseitige Auslegung gäben die bisherigen Forschungsergebnisse nicht her, schreiben sie. Insbesondere hätten sie keine Empfehlung abgegeben, das Angeln nach dem Fisch einzuschränken oder zu reglementieren – auch wenn solche Maßnahmen in ihrem Bericht explizit erwähnt werden, nur eben ohne, dass diese auch empfohlen werden.

Die Reaktion der Wissenschaftler zeigt auch, wie heiß das Thema Überfischung/Überangelung derzeit diskutiert wird. Die Forscher wollen offenbar keinesfalls riskieren, dass die bislang gute Zusammenarbeit mit Anglern am Bodden gefährdet wird. In einer Befragung durch die Forscher selbst hatten 85 Prozent der Angelguides und fast ebenso viele Angler eingeschätzt, dass die Hechtbestände stark beziehungsweise etwas gesunken seien. Künftige Bewirtschaftungsformen sollen unter Beratung der Forscher von einer Arbeitsgruppe erarbeitet werden, die aus mehreren Interessensgruppen bestehen soll.

 

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