Offiziellen Angabe zufolge wurden an dem Gewässer insgesamt 31 Tonnen Fischkadaver eingesammelt.
Offiziellen Angabe zufolge wurden an dem Gewässer insgesamt 31 Tonnen Fischkadaver eingesammelt. Stefan Sauer
Umweltkatastrophe

▶ Neue Erkenntnisse zum Massen-Fischsterben auf Rügen

Im Kleinen Jasmunder Bodden ist ein für Fische giftiger Stoff festgestellt worden. Ob er als Ursache für das Fischsterben infrage kommt, ist eine von mehreren Unklarheiten.
Schwerin

Im Kleinen Jasmunder Bodden auf Rügen ist ein für Fische giftiger Stoff festgestellt worden. Wie ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums auf Nordkurier-Anfrage mitteilte, handelt es sich dabei um 2,4-Di-tert-butylphenol. Diese Substanz könne etwa beim Abbau von Holz entstehen. „Sie findet sich aber auch als Industriechemikalie in zahlreichen Produkten und Anwendungsbereichen”, heißt es aus dem Umweltministerium.

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Nachdem ein Angler den Nordkurier Anfang Januar informierte, wurde ein massenhaftes Fischsterben im Kleinen Jasmunder Bodden auf Rügen erstmals öffentlich bekannt. Offiziellen Angabe zufolge wurden an dem Gewässer insgesamt 31 Tonnen Fischkadaver eingesammelt. Ob der nun festgestellte giftige Stoff dafür verantwortlich ist, steht noch infrage, da er laut Umweltministerium „nur in sehr geringer Konzentration” vorgefunden wurde. Mittels weiterer Proben soll ausgeschlossen werden, „dass der Stoff auch in einer tatsächlich fischtoxisch wirksamen Konzentration in dem Gewässer auf der Insel Rügen vorkommt.”

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Gesamte Ausmaß und Ende des Fischsterbens noch nicht bekannt

Zudem ist wohl auch noch unklar, welches konkrete Ausmaß die Umweltkatastrophe hat und, ob weiterhin Fische deshalb sterben. Denn laut Schweriner Umweltministerium sollen jetzt „wissenschaftlich begleitete Befischungen” abgestimmt werden, „um einen Überblick zu erhalten, wie weit der Fischbestand beeinträchtig ist und ob das Fischsterben noch andauert.” Nach einer Expertenberatung Mitte Januar gingen Teilnehmer noch davon aus, dass das Fischsterben beendet sei.

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Als Ursache bereits ausgeschlossen wurde eine organische Belastung etwa durch Abwasser oder Gülle, hieß es aus Schwerin zu Jahresbeginn. Die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF hatte zuvor eine Vergiftung in Folge mehrerer Faktoren ins Spiel gebracht. Dabei sollen neben dem Wetter und Dünger aus der Landwirtschaft auch Abwasser-Altlasten zum Tragen gekommen sein.

DDR-Abwasser und Landwirtschaft machen Bodden zu schaffen

In der Tat ist das Wasser im Bodden alles andere als sauber. „Der nach der Wasserrahmenrichtlinie einzustufende ökologische Zustand ist 'schlecht' (Zustandsklasse 5), der chemische Zustand ist 'nicht gut'", teilt der Ministeriumsprecher mit. Demnach ist das Gewässer mit organischen Stoffen und Nährstoffen „aus der zu DDR-Zeiten jahrzehntelang erfolgten Einleitung unzureichend geklärter kommunaler Abwässer belastet. Die Belastungen vor allem mit Nährstoffen aus der Landwirtschaft dauern noch an.”

Obwohl diese Stoffe „unter ungünstigen Bedingungen zur Rückbelastungen des Wasserkörpers führen” können, schließt das Umweltministerium sie nach wie vor als Ursache aus. Es gebe „keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit dem Fischsterben”, so der Ministeriumsprecher.

Dennoch wollen Experten nun „Maßnahmen entwickeln”, um den Zustand des Kleinen Jasmunder Boddens zu verbessern. Es solle nichts unversucht gelassen werden, um dem Gewässer wieder auf die Beine zu helfen, hieß es dazu von MV-Umweltminister Till Backhaus.

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