Biosphärenreservat
Robben-Baby auf Rügen gesichtet (Video)

Am Strand von Sellin auf Rügen ist das erste Robbenbaby des Jahres gesichtet worden.
Am Strand von Sellin auf Rügen ist das erste Robbenbaby des Jahres gesichtet worden.
Nico Offermann

Am Strand von Sellin auf Rügen ist das erste Robbenbaby des Jahres gesichtet worden. Mehrere Stunden lang gönnte sich die junge Kegelrobbe ein Sonnenbad, ehe sie am Abend wieder in die Ostsee abtauchte.

Ranger des Biosphärenreservates Südost-Rügen hatten das Jungtier am Mittag entdeckt und sofort den Strandbereich mit einem Absperrband gesichert. Damit sollte verhindert werden, dass sich Spaziergänger der kleinen Robbe näherten und sie störten, sagte Ranger Stefan Woidig. Experten gehen davon aus, dass sich die Mutter des Babys in unmittelbarer Nähe im Wasser aufhielt.

Zahlreiche Schaulustige hatten das seltene Naturschauspiel verfolgt. Erst gegen Abend kehrte die junge Kegelrobbe zurück in die Ostsee. Experten schließen nicht aus, dass die kleine Robbe auch in den nächsten Tagen wieder den Strandbereich aufsuchen wird.

Allein vier Jungtierfunde im vergangenen Jahr

In den vergangenen Jahren häufen sich an der vorpommerschen Küste die Funde junger Kegelrobben, die im Februar geboren werden. Im vergangenen Jahr hatten hier mindestens vier Jungtiere das Licht der Welt erblickt.

Am 15. April 2018 hatten zum Beispiel Spaziergänger am Strand von Heringsdorf ein plüschig-niedliches Robbenbaby entdeckt. Damals hatte ein herbeigerufener, aber unkundiger Feuerwehrmann das vermeintlich gestrandete Tier zurück ins Wasser gesetzt, das daraufhin ertrank. Weiterer Robbennachwuchs war bei Stubbenkammer, auf der Greifswalder Oie und in Gager gesichtet worden.

Experten schulen Mitarbeiter für richtigen Umgang mit Jungrobben

In den vergangenen Monaten hatten Experten des Meeresmuseums Stralsund zahlreiche Mitarbeiter von Kurverwaltungen, Ordnungsämtern und Feuerwehren-Einsatzkräften geschult, wie im Falle einer Robbensichtung der Strand im Umkreis von 100 Metern abgesperrt, Passanten aufgeklärt und funktionierende Meldeketten etabliert werden.

Robben-Babys sollten stets in Ruhe gelassen werden, sagte die Stralsunder Meeresbiologin Linda Westphal. Denn das Fell junger Kegelrobben sei nicht ausreichend wärmeisoliert. Erst im Alter ab drei Wochen bekämen sie ein dickes Fell, das sie vor Kälte schütze. Solange bleiben sie für gewöhnlich an Land. Vorher können die Tiere im eiskalten Wasser nicht überleben.

Richtiges Verhalten beim Auffinden einer Robbe

Die Chance, dass man am Strand auf eine lebende Kegelrobbe trifft, wächst - vor allem von Februar bis April, wenn die Weibchen ihre Jungen werfen. Wichtigster Grundsatz ist es, die Tiere in Ruhe zu lassen, auch einzeln am Strand liegende Jungtiere im typischen Lanugofell. In der Regel haben die Mütter ihren Nachwuchs nur für einige Stunden verlassen, um im Meer zu fressen. Das Meeresmuseum Stralsund empfiehlt deshalb:

1. Versperren Sie den Tieren niemals den Fluchtweg ins Wasser!
2. Halten Sie einen Mindestabstand von 100 Metern!
3. Auf keinen Fall die Tiere berühren, füttern oder bewerfen!
4. Hunde sind an der Leine zu führen!
5. Stellen Sie sich niemals zwischen Mutter und Jungtier!
6. Informieren Sie die zuständigen Institutionen wie Kurverwaltung, Ordnungsamt, Naturschutzbehörden oder Meeresmuseum!

Robben sind gefährlich. Wer es riskiert, von den relativ schnellen Meeressäugern gebissen zu werden, muss mit schweren Komplikationen rechnen. So kann der Biss in den Finger zum sogannten „seal finger“ führen, einer vermutlich bakteriellen Entzündung, die zur Bewegungsunfähigkeit und schließlich zur Amputation führen kann. Weitere Risiken sind Influenza-, Pockenerkrankungen, Fieber und Muskelschmerzen.