PETITION

Rügen wehrt sich gegen Kurtaxe für Einheimische

Weil einige Seebäder nun auch von Einheimischen Kurtaxe fordern, wollen diese sich mit einer Petition wehren. Unterdessen will Binz noch einmal aufstocken – und zwar rückwirkend.
Wer einen bewachten Strand auf Rügen betritt soll in vielen Seebädern Kurtaxe zahlen, auch Einheimisch. Dagegen wehr
Wer einen bewachten Strand auf Rügen betritt soll in vielen Seebädern Kurtaxe zahlen, auch Einheimisch. Dagegen wehren sich jetzt viele Rüganer mit einer Petition. Ralph Sommer
Binz ·

“Keine Kurkarte für Rüganer“ – unter diesem Slogan haben Einwohner von der Insel Rügen eine Initiative gegen die ausufernde Erhebung von Kurgebühren auch bei Einheimischen gestartet. Sie fordern einen kostenlosen Strandzugang für Inselbewohner.

Die Online-Petition, die noch etwa sechs Wochen läuft, haben bislang etwa 4.400 Menschen unterschrieben. Sie ist auf dem Portal "Openpetition" zu finden. In etwa 1.900 Kommentaren befürworten Einwohner, aber auch sehr viele Urlauber und Gäste das Anliegen, Einheimische von der Erhebung der Tourismusabgabe freizustellen.

Initiiert hat die Petition die im sechs Kilometer von Binz entfernten Dalkwitz wohnende Kirsten Hagemann. Die 56-Jährige war unlängst nach Dienstende beim Baden am Strand von Binz von Kontrolleuren zur Zahlung einer Tageskurtaxe von 2,80 Euro aufgefordert worden. Da sie dazu nicht bereit gewesen sei, sei sie aufgefordert worden, den Strand binnen zehn Minuten zu verlassen, ansonsten würde die Polizei hinzugezogen.

Auch Kinder sollen rückwirkend Kurtaxe zahlen

„Kurtaxe für Inselbewohner ist für mich eine Frechheit“, sagte Hagemann. Sie sehe es nicht ein, als Insulaner, der hier seine Steuer zahle, in Binz zum Arzt und zum Einkaufen gehe und hier zur Schule gegangen sei, für die wenige Freizeit, die man dann am Strand verbringen möchte, zu zahlen.

Unterdessen hat der Betriebsausschuss der Binzer Kurverwaltung rückwirkend zum 1. Januar 2019 bereits eine neue Satzung beschlossen. Demnach sollen ganzjährig 2,80 Euro Kurtaxe zu zahlen sein, und zwar nun auch von Kindern ab dem 12. Lebensjahr. Der Hauptausschuss soll sich heute Abend mit dem Thema befassen. Gleich in Anschluss daran trifft sich die Gemeindevertretung zu einer Sondersitzung.

Urlauber unterstützen die Petition

Die Reaktionen zu diesen Plänen sind eindeutig. „Alles in allem sind Rüganer vielfach Betroffene von einem ausufernden Massentourismus“, schreibt René Jabloski aus Putbus und verweist auf die Errichtung von Zweiwohnbauten und die inflationäre Entwicklung der Immobilienpreise. „Die Urlaubsprofiteure und ihre Helfer sitzen in den Ämtern und den Stadt- und Gemeindeparlamenten. Von meiner Familie wird niemals einer einen Cent für Strandnutzung löhnen.“

Unterstützung erfahren die Inselbewohner mit ihrer Petition auch von Urlaubern. Wenn eine Region im Tourismus bestehen wolle, dann sollte sie ihre Einheimischen pflegen und gut behandeln, sagt zum Beispiel Frank Hebenstreit aus Wetter (Rheinland-Pfalz). „Dadurch, dass sie da vor Ort bereits Werte erschaffen, bewirtschaften sie das, was die Gemeinden überhaupt in die Lage versetzt, Kurtaxe zu nehmen.“ Ein Personalausweis mit Rügen als Hauptwohnsitz sollte als Kurkarte reichen.“

 

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Kommentare (3)

Es ist für mich unverständlich,dass die gewählten Kommunalpolitiker ,diesen Beschluss zustimmen. Der Bürgermeister und seine Mitstreiter,sollen sich einmal fragen, von wem sie gewählt worden sind. Leider ist Rügen kein Einzelfall. Ich bin mir auch nicht so sicher,ob die Kurabgaben auch zweckgebunden eingesetzt werden. Die Rüganer ,haben bei der nächsten Wahl es selber in der Hand,wer sie vertreten soll. Diejenigen die für die Kurabgabe an Einheimische gestimmt haben,sollten sie dann die rote Karte zeigen. Auch der Bürgermeister,steht einmal zur Wahl an.

Da frage ich mich, wem "gehört" der Kurtaxe pflichtige Bereich... sicher nicht den sogenannten Volksvertretern, die diesen Beschluss gefasst haben. Die Aufgabe der gewählten Lokalpolitiker und Gemeindevertreter, auch als Volksvertreter bezeichnet, ist es, im Sinne des Volkes, in diesem Fall der Anwohner, zu handeln und nicht gegen sie.
Es ist eine Schande, was in dieser sogenannten Demokratie selbst schon auf lokalpolitischer Ebene an inakzeptablen Beschlüssen gefasst werden.
Wie immer die großen Fragen:
Wer hat es initiiert und wem nützt es?

dass andere, neugewählte „Volksvertreter“ das rückgängig machen! Was Geld ins Säckel bringt, hat Bestand: Schaumweinsteuer, Salzsteuer, Zuckersteuer, Leuchtmittelsteuer. Die rote Karte könnte und sollte man denen trotzdem zeigen, vielleicht bewegt es andere zum Nachdenken, die sich berufen fühlen, Volksvertreter werden zu wollen oder zu müssen.