FERIENSIEDLUNG GEPLANT

Sorgen um Rügens altes Camper-Paradies

Zur Hochsaison ächzt Rügen unter dem Massentourismus. Allen Warnungen zum Trotz lassen die oft finanzschwachen Inselgemeinden den Bau immer neuer Feriensiedlungen zu.
Jahrzehntelang lang war der Naturcampingplatz Pritzwald auf der Halbinsel Zudar ein Ferienidyll für den Urlaub mit kleinem Portemonnaie.  
Jahrzehntelang lang war der Naturcampingplatz Pritzwald auf der Halbinsel Zudar ein Ferienidyll für den Urlaub mit kleinem Portemonnaie. Ralph Sommer
Mitglieder einer Bürgerinitiative machen gegen den Bebauungsplan des neuen Investors mobil, der auf dem Naturcampingplatz unter anderem 44 Ferienhäuser errichten will.
Mitglieder einer Bürgerinitiative machen gegen den Bebauungsplan des neuen Investors mobil, der auf dem Naturcampingplatz unter anderem 44 Ferienhäuser errichten will. Ralph Sommer
Mit Plakaten protestieren Mitglieder einer Bürgerinitiative auf der Halbinsel Zudar vor einer Bürgerversammlung in Garz gegen die Bebauung des Naturcampingplatzes Pritzwald.
Mit Plakaten protestieren Mitglieder einer Bürgerinitiative auf der Halbinsel Zudar vor einer Bürgerversammlung in Garz gegen die Bebauung des Naturcampingplatzes Pritzwald. Ralph Sommer
Pritzwald.

Der milde Spätsommer hat noch einmal neue Gäste auf den Platz gespült. Im lichten Kiefernwäldchen hat am Wochenende eine junge Familie zwei Zelte aufgestellt. Am Strand genießen die letzten Badegäste die Sonne, und auf dem Greifswalder Bodden werfen Angler von ihren Booten die Köder aus.

Von ihrer Veranda aus beobachten Marianne und Erwin (Namen geändert) das Treiben auf dem kleinen Naturcampingplatz Pritzwald auf Rügen. Die beiden Rentner, die hier schon zu DDR-Zeiten zu den Dauercampern gehörten, wollen ihre richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie haben Angst, schon bald ihr ausgebautes Sommerquartier für immer zu verlieren.

„Heile Welt” wird sich bald ändern

„Zum Jahresende müssen wir den Platz räumen“, sagt Erwin, der 1978 das kleine Campingidyll auf der Halbinsel Zudar entdeckt und einige Jahre später und damals mit Duldung der Gemeinde das kleine stationäre Feriendomizil errichtet hatte. 40 Jahre später muss er sich nun – wie etwa 100 andere Dauercamper auch – vorwerfen lassen, einen Schwarzbau ohne Baugenehmigung in die Natur gesetzt zu haben.

Geht es nach Jens Brauer, der bereits den Campingplatz Suhrendorf auf Ummanz betreibt und vor zwei Jahren ein 50-jähriges Erbbaupachtrecht für den Platz erhalten hatte, dann wird sich die „heile Welt“ des letzten, noch richtig urigen Naturcampingplatzes auf Rügen bald gründlich ändern. Den Garzer Stadtvertretern hat Brauer einen Bebauungsplan für den in Vergessenheit geratenen Zeltplatz vorgelegt.

Nach dem Entwurf des Neubrandenburger Planungsbüros „Baukonzept“, das auch schon für Suhrendorf und den Erlebnisbauernhof Kliewe arbeitete, soll das 7,5 Hektar große Areal grundlegend umgestaltet werden. Vorgesehen sind 22 kleinere Strandlodges mit überdachter Terrasse und 22 weitere Ferienhäuser mit jeweils 120 Quadratmetern Grundfläche, die Brauer umgehend verkaufen will.

Mit Unterschriften gegen die Pläne

Sein Planer Mirko Leddermann verweist auf den vollkommen unzureichenden Brandschutz. Neben neuen Löschwasserstellen, Brandschneiden und ausgebauten Zufahrten für Rettungsfahrzeuge seien auch Investitionen in den Küsten- und Hochwasserschutz, in öffentliche Strandzugänge und in Infrastruktur erforderlich.

Mittlerweile kämpft eine Bürgerinitiative vor Ort um den Erhalt des Naturzeltplatzes. Mit großflächigen Transparenten wehren sich die Einheimischen gegen die Zerstörung ihres Kleinodes, mit dem viele von ihnen Kindheitserinnerungen verbinden.

In einer Unterschriftenaktion haben sich rund 2400 Menschen gegen die Baupläne ausgesprochen, darunter laut Bürgerinitiative etwa 95 Prozent aller Einwohner auf der Halbinsel Zudar.

Doch selbst der zuständige Bauamtsleiter Rainer Starke in Bergen rät, die Bedenken der Bevölkerung ernst zu nehmen. Die Einwände würden bis ins Detail geprüft, versichert er.

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