Unsere Themenseiten

Breitband-Ausbau

:

Trotz Glasfaser-Kabel kein schnelles Internet auf Rügen

Eröffnet ist das neue Glasfaser-Netz im Nordosten von Rügen bereits – aber das heißt noch lange nicht, dass die Kunden dort auch wirklich ans schnelle Netz angebunden sind.
Eröffnet ist das neue Glasfaser-Netz im Nordosten von Rügen bereits – aber das heißt noch lange nicht, dass die Kunden dort auch wirklich ans schnelle Netz angebunden sind.
Guido Kirchner

Das Ministerium für Infrastruktur hat den Anschluss von vier Dörfern auf Rügen an das schnelle Internet verkündet. Dort lässt sich aber kein Haushalt finden, der davon profitiert.

Oft etablieren sich technische Neuerungen auf dem platten Land deutlich später als in der Stadt. Um so größer war die Überraschung bei einigen Dorfbewohnern auf Rügen, als es vor etwa einem Monat hieß, ausgerechnet sie sollten in ihren Häusern ab sofort als erste in Mecklenburg-Vorpommern in den Genuss des neu angelegten Hochgeschwindigkeitsnetzes kommen.

„Das heute freigeschaltete Netzsegment versorgt rund 110 Haushalte in den Sassnitzer Ortsteilen Alt Mukran, Neu Mukran, Wostevitz und Dubnitz mit schnellem Internet,“ hieß es in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Infrastruktur vom 16. Juli 2018. Demnach handelte es sich um das „landesweit erste digitale Hochgeschwindigkeitsnetzsegment“, das in Betrieb genommen wurde.

Zum Pressetermin für den offiziellen Start des schnellen Netzes strahlte der überglückliche Chef einer Backfabrik aus dem Ort Mukran in die Kameras und freute sich, endlich den Turbo-Datenverkehr nutzen zu können. Offenbar genießt der Unternehmer dieses Privileg als Einziger. Genau eine Woche nachdem das Ministerium für Infrastruktur den Start des schnellen Netzes verkündet hatte, kam es zu Bauarbeiten in den genannten vier Orten. Mitarbeiter des zuständigen Netzbetreibers waren dabei, Kabel zu verlegen.

Telekom vertröstet

„Alles Lüge“ lautet die Antwort eines Einwohners des Ortes Dubnitz auf die Frage, ob er bereits in den Genuss des schnellen Internets komme. Im Gespräch mit den Kabelverlegern habe der Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte, erfahren, dass er sich noch in Geduld üben müsse. Leitungen müssten noch verlegt werden, hieß es von den Arbeitern. Auch bei seinem aktuellen Internet-Anbieter, der Telekom, habe man ihn vertröstet. Frühestens Ende August könne er mit schnellem Internet versorgt werden.

Stichprobenartige Nachfragen bei privaten Haushalten in den anderen Ortsteilen der Stadt Sassnitz erhärten den Verdacht: Keiner der Befragten surft bislang mit Hochgeschwindigkeit. Das liegt offenbar daran, dass die notwendigen Arbeiten tatsächlich noch nicht zum Abschluss gekommen sind. Denn auf Nachfrage räumt der hiesige Netzanbieter ein, in zwei Ortsteilen der Stadt Sassnitz „erfolgt zeitnah die Fertigstellung zur Inbetriebnahme.“

Der Bau des Glasfaser-Projektes war Ende März 2017 gestartet worden. Es war das erste im Nordosten, das aus dem milliardenschweren Förderprogramm des Bundes und Mitteln des Landes finanziert wurde. Bis Jahresende sollen 5,3 Millionen Euro in dem Gebiet investiert werden.