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Schule soll Abrissbirne weichen

Das waren die letzten Mädchen und Jungen, die 1997 in der Züsedomer Grundschule eingeschult wurden. [KT_CREDIT] Foto: ZVG

VonRita NitschNur acht Jahre war die Züsedomer Schule in Betrieb. Trotz Ausschreibung fand sich kein Käufer. Die Gemeinde Rollwitz hat beschlossen, das Haus ...

VonRita Nitsch

Nur acht Jahre war die Züsedomer Schule in Betrieb. Trotz Ausschreibung fand sich kein Käufer. Die Gemeinde Rollwitz hat beschlossen, das Haus abzureißen. Die Turnhalle bleibt
erhalten.

Züsedom.Sie ist ein typischer DDR-Schulneubau, die Schule in Züsedom. Oswald Wutzke, seinerzeit Kultusminister in Schwerin, ließ es sich 1990 nicht nehmen, die Einrichtung zu übergeben. Nur acht Jahre später sollten seine Worte über eine bessere Bildung in Züsedom Schall und Rauch sein. Sie wurde geschlossen. Pro Monat kostete ein Schüler zuletzt 290 D-Mark. Die Schülerzahlen gingen drastisch zurück. Die finanzielle Last war längst nicht mehr tragbar. Mit der Schulentwicklungsplanung des Kreises vom März 1997 kam vieles in der Region in Sachen Schulen ins Rollen. Geschlossen wurden zu jener Zeit außerdem die Grundschulen Drögeheide, die Grundschule I in Pasewalk und Zerrenthin mit dem Hauptschulteil sowie das Gymnasium Eggesin. Doch trotz der kreislichen Planung wurden 1997 noch die letzten Mädchen und Jungen in Züsedom eingeschult. Im September 1998 war dann endgültig Schluss – für immer. Seitdem hat die Gemeinde versucht, die Immobilie los zu werden. Doch niemand wollte sie haben.
Nach der Gemeindehochzeit mit Rollwitz im Jahr 2012 folgte die Entscheidung: Die Schule soll der Abrissbirne weichen. 52 000 Euro an Eigenmitteln muss die Gemeinde dafür zur Verfügung stellen. Lediglich die Turnhalle bleibt für die Gemeinde erhalten. Auch der Park soll weiterhin Bestand haben.
„Oberste Priorität hat aber erst einmal die Sanierung des Verbindungsweges zwischen Rollwitz und Damerow“, sagt Bürgermeister Frank Marquardt. Wenn dieses Projekt erledigt sei und weitere Fördergelder fließen, dann gehe es erst an den Abriss des Schulgebäudes.
Diese Nachricht lässt die Landfrauen etwas aufatmen, denn in zwei ehemaligen Klassenräumen befinden sich viele historische Alltagsgegenstände aus dem Landleben. Diese wurden einst nach der Wende für eine Heimat-
stube gesammelt und teilweise aufgearbeitet. „Auch wenn das Schulgebäude schon teilweise entkernt ist, werden wir rechtzeitig die Landfrauen informieren, bevor es mit dem Abriss losgeht“, verspricht das Gemeindeoberhaupt. Trotzdem würden sich die Landfrauen freuen, wenn die Sammlung in gute Hände kommen würde oder sich Räumlichkeiten dafür fänden. Wer hat noch Erinnerungen an seine Schulzeit in Züsedom? Was ist zum Beispiel aus den Schülern der letzten Einschulungsklasse geworden? Wo unterrichten die damaligen Lehrer heute?

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red-pasewalkh@nordkurier.de